Eine Erneuerung der Gasleuchten wird, obwohl sie unter Denkmalschutz stehen, auf die lange Bank geschoben.

Beleuchtung
Von 219 Gaslaternen im Hofgarten sind bei Sturm Ela 30 vollkommen zerstört oder abgeknickt worden, 99 wurden mehr oder weniger schwer beschädigt, nur 90 blieben intakt.

Von 219 Gaslaternen im Hofgarten sind bei Sturm Ela 30 vollkommen zerstört oder abgeknickt worden, 99 wurden mehr oder weniger schwer beschädigt, nur 90 blieben intakt.

Sergej Lepke

Von 219 Gaslaternen im Hofgarten sind bei Sturm Ela 30 vollkommen zerstört oder abgeknickt worden, 99 wurden mehr oder weniger schwer beschädigt, nur 90 blieben intakt.

Düsseldorf. Die historischen Gaslaternen im Hofgarten stehen vor dem Aus: Wie die Verwaltung im Umweltausschuss betätigte, werden die Leuchten auf absehbare Zeit nicht wieder in Betrieb genommen. Stattdessen soll eine elektrische Ersatzbeleuchtung installiert werden – obwohl das gesamte Gasnetz mitsamt der Leuchten unter Denkmalschutz steht.

Derzeit stolpern Jogger und Spaziergänger nach Beginn der Dämmerung im Hofgarten über Stock und Stein – in großen Teilen des Parks fehlt immer noch die Beleuchtung. Durch Pfingststurm Ela im Juni wurden mehr als die Hälfte der Gaslaternen beschädigt, aus Sicherheitsgründen mussten auch alle funktionstüchtigen Lampen vom Netz genommen werden.

Erst in Kürze wird es dort wieder Licht geben: Die Stadt wird neue provisorische Elektro-Leuchten installieren. „Es werden zunächst elektronisch betriebene Laternen auf Holzmasten angebracht“, sagte Stadtsprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld auf WZ-Anfrage. Dabei werde man allerdings nur die Hauptachsen des Parks ausstatten. „Die Anbringung im gesamten Areal würde zu teuer werden.“ Unbestätigten Angaben zufolge belaufen sich die Kosten für die Anbringung des Provisoriums auf etwa 100 000 Euro.

Hofgarten-Nutzer wollen rasch wieder Licht an den Wegen

Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Besucher des Parks wünschen sich vor allem, dass es recht bald überhaupt wieder funktionierende Laternen gibt. „Ohne Licht habe ich hier größere Angst vor Überfällen“, sagt etwa Sabrina Wensing. Sie gehe deswegen, solange keine neuen Lampen angebracht sind, nur in Notfällen durch den Hofgarten. „Wir brauchen neue Laternen so schnell wie möglich“, findet auch Bruce Robertson. Er durchquert den Hofgarten fast jeden Tag zu Fuß oder mit dem Fahrrad und ist für die Anbringung neuer Gaslaternen im alten Design: „Das ist einfach stilgemäß.“

„Ich habe die Befürchtung, dass Fakten geschaffen werden sollen.“
Cord Schulz, FDP

Doch an dieser Frage scheiden sich die Geister. Denkmalschützer und historisch interessierte Düsseldorfer werfen der Verwaltung vor, viel zu lange nichts getan zu haben. Obwohl Gas-Netz und -Leuchten im Hofgarten als technisches Denkmal geschützt seien, schiebe die Stadt die Reparatur auf die lange Bank. Statt ersatzweise Elektroleuchten aufzustellen, hätte die Stadt seit Freigabe des Hofgartens an einer Erneuerung arbeiten müssen. Doch die ist nicht in Sicht: Wie Gründezernentin Helga Stulgies gestern erklärte, soll die Zukunft der Gasbeleuchtung im Hofgarten nicht vor Sommer entschieden werden. Man sehe die Frage im Zusammenhang mit den noch zu erstellenden Parkpflegewerken.

Die FDP vermutet indes, es handele sich nur um einen Vorwand: „Ich habe die Befürchtung, dass Fakten geschaffen werden sollen, um das Gaslicht zu ersetzen“, sagte Umweltexperte Cord Schulz gestern im Fachausschuss. Ähnlich sieht das Georg Schumacher von der Initiative zur Erhaltung des Gaslichtes. „Unsere Fachleute sagen, dass man das Gasnetz im Hofgarten innerhalb kürzester Zeit wieder in Betrieb könnte. Man will es aber offenbar bewusst nicht tun.“

Schon seit langem diskutieren Befürworter und Gegner das Für und Wider der historischen Gaslaternen – die WZ berichtete. Die Düsseldorfer Jonges etwa setzen sich für den Erhalt der ursprünglichen Laternen ein. „Die Laternen gehören zur Identität der historischen Stadtteile und sollten nicht durch elektronische ersetzt werden“, sagt Baas Wolfgang Rolshoven.

Für LED-Leuchten spreche der niedrigere Verbrauch von Primärenergie, argumentiert die Verwaltung. Und: Bei Gasleuchten gebe es Probleme bei der Materialbeschaffung.

Der provisorische Einsatz von elektronischen Leuchten soll jedoch nicht als Signal für die endgültige Lösung verstanden werden, betont man bei der Stadt. „Es ist nichts entschieden, alle Möglichkeiten werden noch geprüft“, sagt Sprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld.

LED-Licht in Imitat-Leuchten sehen die Jonges skeptisch

Sollte man sich gegen die ursprünglichen Gaslaternen entscheiden, gebe es auch die Möglichkeit, historisch anmutende LED-Lampen zu installieren, erklärt Jäckel-Engstfeld. Mit einer solchen Lösung wären die Jonges nur teilweise einverstanden. „Werden die Leuchtkörper ersetzt, die Optik der Laternenmasten aber erhalten, so ist das für Teile der Stadt denkbar.“ In historischen Stadtteilen aber solle die Stadt weiter die Originalgaslaternen betreiben.

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