Mann lässt sich bei Montblanc beraten und klaut dabei den Vitrinenschlüssel. An der Luxusmeile sind immer wieder Betrüger unterwegs.

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Wer erkennt den dreisten Dieb von der Königsallee?

Wer erkennt den dreisten Dieb von der Königsallee?

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Wer erkennt den dreisten Dieb von der Königsallee?

Düsseldorf. Intensiv lässt sich der etwa 30 Jahre alte Mann beraten, er will verschiedene Taschen sehen, schickt den 21-jährigen Angestellten von Montblanc an der Kö immer wieder ins Lager. Am Ende verlässt er die Edelboutique, um noch etwas abzuklären. Wenig später kommt er zurück, täuscht Interesse an einer Umhängetasche vor. Doch als der Mitarbeiter im Lagerraum ist, verschwindet der Mann. Erst eine Viertelstunde später fällt auf: Zwei Uhren im Gesamtwert von 90.000 Euro fehlen. Dreist aus einer Vitrine gestohlen.

Polizei: Es handelt sich um einen Profi-Dieb

Der Vorfall ereignete sich am Montagmittag. Jetzt hat die Polizei den Hergang durch die Videos von Überwachungskameras rekonstruiert: Bei seinem ersten Besuch entwendete der Trickdieb den Vitrinenschlüssel des Angestellten. „Zudem baldowerte er bei dem intensiven Beratungsgespräch das gesamte Geschäft aus“, sagt Polizeisprecher Markus Niesczery. Als er um 14.15 Uhr zurückkehrte, ließ er die wertvollen Chronographen in einem unbeobachteten Moment in der Hosentasche verschwinden und verließ seelenruhig die Boutique. Niesczery: „Es handelt sich 100-prozentig um einen Profi.“

Bereits im Jahr 2009 war Montblanc in Düsseldorf das Ziel von Trickdieben: Ebenfalls während des laufenden Betriebs hatte ein Duo vier Füllfederhalter der Serien „Cristóbal Colón“ und „Pjotr I. Tschaikowsky“ gestohlen – Raritäten mit einem Gesamtwert von 110 000 Euro. „Der Fall ist bis heute ungeklärt“, sagt Markus Niesczery.

Doch die Firma ist an der Kö längst nicht allein Ziel dreister Diebe. Niesczery: „Die Königsallee ist ein absoluter Magnet für hochprofessionelle Täter.“ Beispiele gibt es zuhauf: 2007 verschwanden zwei Ringe im Wert von 522.000 Euro aus der Auslage des Juweliers Hornemann. Der Täter wurde drei Jahre später durch Videoaufnahmen überführt und 2010 verurteilt.

Die Tricks der Täter: Stör-Sender und Geldpakete mit Schokolade

Besonders trickreich ging eine Bande 2005 vor: Mit Stör-Sendern blockierte sie die Zentralverriegelung von Autos, aus dem Kofferraum eines Mercedes’ stahl sie an der Kö Schmuck im Wert von einer Million Euro – ein Verdächtiger wurde 2009 erwischt: wieder an der Kö, wieder mit einem Störsender.

Der Trickdieb ist etwa 30 Jahre alt, 1,80 Meter groß, hat einen Drei-Tage-Bart. Er trug eine Brille mit breitem Rand, eine graue Schlägermütze, Jeans, eine graue Strickjacke und Schal. Zudem hatte er eine Tüte von Bogner dabei.

Kriminalkommissariat 32, Telefon 8700.

Für ähnliche Schlagzeilen sorgte Fall 2008: Ein Antiquitätenhändler traf sich im Interconti mit einer „Kundin“. Er brachte Schmuck für 600.000 Euro mit, sie die Kaufsumme in bar. Tatsächlich konnte der 67-Jährige in den Fenstern der Briefumschläge 500-Euro-Scheine sehen. Allerdings waren hinter diesem ersten Schein nur Schokoladentafeln. Die falsche Kundin und ein Komplize wurden ein Jahr später verurteilt, der Drahtzieher und auch der Schmuck allerdings sind bis heute verschwunden.

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