Die Heinrich-Heine-Universität schreibt für unsere Redaktion Gastbeiträge. Diesmal geht es um einen neuen Studiengang und darum, warum man in Italien keinen "Insalata Capricciosa" bestellen sollte.

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In Düsseldorf gibt es rund 30 000 Studenten. Entsprechende Wohnungen sind knapp. Fotos (4): Bernd Schaller

In Düsseldorf gibt es rund 30 000 Studenten. Entsprechende Wohnungen sind knapp. Fotos (4): Bernd Schaller

Guido Thiemeyer (Foto: HHU) ist Professor am Lehrstuhl für Neuere Geschichte.

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In Düsseldorf gibt es rund 30 000 Studenten. Entsprechende Wohnungen sind knapp. Fotos (4): Bernd Schaller

Düsseldorf. Die Welt ist in Bewegung geraten. Menschen, Güter und Kapital kursieren in nie gekanntem Ausmaß und mit hoher Geschwindigkeit über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg. Gewiss, das ist nicht grundsätzlich neu, aber die Mengen und das Tempo überraschen viele Zeitgenossen doch.

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(Guido Thiemeyer ist Professor am Lehrstuhl für Neuere Geschichte.)

Was bedeutet das für die Gesellschaft, für die Politik und für die Kultur? Unter anderem mit dieser Leitfrage beschäftigt sich ein neuer Bachelor-Studiengang an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf. Eine Kultur ist niemals etwas Abgeschlossenes und Einheitliches, auch wenn es bisweilen so erscheint. Dies habe ich selbst als Student erfahren: Als ich während der Semesterferien Ende der 1980er Jahre erstmals in Italien unterwegs war, versuchte ich den aus den deutschen Pizzerien bekannten „Insalata Capricciosa“ zu bestellen, weil dieser ja aus Italien kam.

Merkwürdigerweise sah mich der Wirt in der kleinen Pizzeria in der Emilia Romagna nur verständnislos an: Das gibt es hier nicht! Heute kenne ich die Hintergründe: Für unsere Großeltern waren Pizza, Pasta, Gyros und Döner in ihrer Jugend noch weitgehend unbekannt. Die Arbeitsmigration und das veränderte Reiseverhalten haben aber dazu geführt, dass die mediterrane Küche heute selbstverständlicher Bestandteil der Nahrung auch in Deutschland geworden ist.

Allerdings ist es nicht so, dass die neuen Essgewohnheiten einfach von den südlichen Vorbildern übernommen wurden. Bei der Übernahme wurden sie verändert und passten sich an die einheimischen Ernährungsgewohnheiten und Bedürfnisse an. So findet man auf der Speisekarte eines italienischen Lokals in Deutschland fast immer einen „Insalata Capricciosa“, einen gemischten Salat als Hauptspeise.

In Italien gibt es diesen nicht, weil Salat in der Regel als Beilage zu einem Menü gereicht wird. Obwohl er in Italien unter diesem Begriff nicht existiert, hat der Salat aber in Deutschland einen italienischen Namen erhalten. Die italienische Küche hat sich also den Ernährungsgewohnheiten in Deutschland angepasst.

Wie vollziehen sich diese Übertragungen von einer Kultur in eine andere? Was bedeutet das für uns? Studierende im neuen Studiengang „Transkulturalität“ beschäftigen sich mit diesen Fragen. Der Studiengang ist ein Querschnittsstudiengang, das heißt, es sind viele Fächer der Philosophischen Fakultät beteiligt, wie beispielsweise die Anglistik, die Medienwissenschaften oder die Philosophie.

Und was macht man damit? Ob in den Medien, in der Wirtschaft oder der öffentlichen Kultur: Das Verständnis für die grenzüberschreitende Verflechtung, ihre Analyse und die daraus entstehenden Handlungsperspektiven sind heute eine Schlüsselqualifikation für das Berufsleben.

Guido Thiemeyer (Foto: HHU) ist Professor am Lehrstuhl für Neuere Geschichte.

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