In Düsseldorfer Schulen und Kitas wird gemeinsam gefeiert – unabhängig von der Religion. Niemand soll ausgegrenzt werden.

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Monique, Fa, Neriman, Nouri, Marijana und Ilayda freuen sich auf den Nikolaus (v.l).

Monique, Fa, Neriman, Nouri, Marijana und Ilayda freuen sich auf den Nikolaus (v.l).

Bernd Schaller

Monique, Fa, Neriman, Nouri, Marijana und Ilayda freuen sich auf den Nikolaus (v.l).

Düsseldorf. "Der Nikolaus hat einen roten Mantel an", ruft die sechsjährige Neriman aufgeregt. "Und er ist sehr dick", ist ihre Freundin Fa sicher. Gesehen haben sie ihn schon oft. "Er kommt auch in die Schule", sagen die Erstklässlerinnen.

Zu Hause allerdings muss sich Ilayda am Nikolaustag verstecken. "Nur die Erwachsenen dürfen ihn sehen", weiß sie. "Den Kindern bringt er dafür Schokolade." Nouri ist die einzige, zu der der Nikolaus noch nie nach Hause gekommen ist. "Vielleicht weiß er einfach nicht, wo ich wohne?", fragt sie sich.

Die Grundschule Flurstraße feiert Nikolaus und Ramadan

Neriman, Fa, Ilayda, Monique, Marijana und Nouri besuchen gemeinsam die Katholische Grundschule Flurstraße. Monique und Marijana sind katholisch, Fa ist ohne Religion in der Schule gemeldet, die anderen Mädchen sind muslimisch.

Am Montag findet in der Grundschule eine Nikolausfeier statt, "in der gesungen und Gedichte aufgesagt werden", berichtet Schulleiterin Barbara Waldmann. Nachmittags gebe es dann noch ein Nikolausbasteln, bei dem auch muslimische Eltern dabei seien. Ein Unterschied zwischen den Religionen werde nicht gemacht. "Wir feiern schließlich auch gemeinsam das Ramadan-Fest."

Die sechsjährige Monique weiß Bescheid: "Für Nouris Eltern gibt’s kein Weihnachten, dafür feiern sie mit anderen aus fremden Ländern so etwas ähnliches." Was das allerdings mit dem Nikolaus zu tun haben soll, wissen die Mädchen nicht. "Wir glauben alle an den Nikolaus", sagen sie entrüstet. Auch den Weihnachtsmann kennen sie. "Der bringt Geschenke", weiß Marijana. Alle sechs sind überzeugt: Nikolaus und Weihnachtsmann wohnen zusammen - und zwar am Nordpol.

Als Bischof Nikolaus von Myra soll er um 300 n. Chr. unter anderem Seeleute vor dem Ertrinken gerettet haben. In einer Hungersnot konnte er die Bevölkerung durch seine Gebete retten.

Heute Demre , ein kleiner Ort in Lykien südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei.

In der Katholischen Kindertagesstätte Papst Johannes in Unterrath versucht Leiterin Cornelia Richter eine Brücke zwischen den Religionen zu bauen. "Wir erzählen den Kindern die Geschichte des Heiligen Nikolaus. Was er Gutes getan hat und woher er kommt. Damit sind auch unsere muslimischen Kinder integriert, schließlich stammt er aus der antiken Stadt Myra in der Türkei."

Einige der Kinder seien schon dort gewesen. "Daher feiern wir Nikolaus traditionell. Er kommt am Montag nicht mit einem roten Mantel in die Kita, sondern als Bischof verkleidet" - und in Person von Barbara Waldmanns Ehemann.

Ob Eltern mit muslimischen Glauben die Nikolaustradition annehmen, hänge stark vom jeweiligen Imam ab, erklärt Imer Aidini, Imam der Moschee an der Posener Straße. Er vertrete die moderne Seite: "Wenn die Kinder in Deutschland aufwachsen, müssen sie sich anpassen." Es gehe dabei weniger um den Glauben, sondern um den Spaß. "Es ist traurig, wenn Kinder ausgegrenzt werden."

Oder, wie Marijana es formuliert: "Der Nikolaus ist für alle Kinder da."

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