Bayram A. soll zwei Männer auf dem Gewissen haben. Die erste Strafe hat er nie abgesessen.

Bayram A. (rechts) kann sich an die Tat nicht erinnern.
Bayram A. (rechts) kann sich an die Tat nicht erinnern.

Bayram A. (rechts) kann sich an die Tat nicht erinnern.

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Bayram A. (rechts) kann sich an die Tat nicht erinnern.

Düsseldorf. Die Video-Kamera eines Supermarktes am Kündgensweg hatte am 19. Oktober vergangenen Jahres alles aufgezeichnet. Zwei Männer gehen aufeinander los, prügeln sich, plötzlich geht einer der beiden zu Boden. Was dann passiert, kann man nur ahnen, denn von den tödlichen Stichen sind nur die Ausholbewegungen zu sehen. Fest steht, dass der 47-jährige Mehmet Y. wenig später im Krankenhaus stirbt. Den mutmaßlichen Täter Bayram A. nahm die Polizei kurz danach in seiner Wohnung fest. Am Dienstag begann der Prozess gegen den Bauarbeiter. Offenbar steckt hinter der Bluttat eine Jahrzehnte währende Familien-Fehde.

Denn 1977 hatte Bayram A. schon einmal getötet, einen entfernten Verwandten von Mehmet Y., der aus dem gleichen türkischen Dorf stammt. Wie der Angeklagte schilderte, sei er damals gerade von seinem Militärdienst nach Hause gekommen. Es habe zunächst Streit in einem Restaurant gegeben. Dann sei es zu einer Schießerei gekommen: „Ich habe ihm nur die Waffe abnehmen wollen.“ Bei dem Gerangel habe sich ein Schuss gelöst, der Mann starb.

Für die Tat wurde Bayram A. in Abwesenheit in der Türkei zu sechs Jahren Haft verurteilt, die er aber nie abgesessen hat. Stattdessen ging der 59-Jährige nach Deutschland, heiratete und arbeitete auf dem Bau. Hier traf er auch auf Familienmitglieder des ersten Opfers, man habe sich aber gut verstanden. „Weil wir keine Mörder sind“, schallte es am Dienstag aus dem Zuschauer-Raum, wo zahlreiche Freunde und Verwandte von Mehmet Y. saßen.

An die Tat kann sich der Angeklagte angeblich nicht erinnern

Auslöser des Streits im Oktober sollen die Eheprobleme von Bayram A. gewesen sein. Die Frau von Mehmet Y. soll dazu beigetragen haben, dass sich das Paar getrennt habe. Der Bauarbeiter räumte am Dienstag ein, seine Frau geschlagen zu haben.

An die Tat selbst kann er sich kaum noch erinnern. Vor dem türkischen Café am Kündgensweg habe es eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern gegeben. Mehmet Y. soll ihn mit einer Eisenstange attackiert und auf den Kopf geschlagen. Zur Abwehr zog der 59-Jährige dann angeblich das Messer, das er schon seit 30 Jahren besitzt. „Dann wurde mir schwarz vor Augen“, erklärte Bayram A., der auf dem Heimweg wegen der Kopfverletzung selbst Hilfe brauchte. Wenig später sei er von der Polizei festgenommen worden, die auch das Messer sicherstellte. Am Donnerstag geht der Prozess weiter.

Am 19. Oktober vergangenen Jahres hatten sich die beiden Männer um 16.30 Uhr zunächst vor einem Café am Kündgensweg gestritten. Nachdem er provoziert wurde, griff Mehmet Y. mit einer Eisenstange an. 

Bayram A., der am Kopf getroffen wurde, hatte plötzlich ein Messer in der Hand und stach zu. Daraufhin ging sein Kontrahent in die Knie. Als Mehmet Y. wehrlos am Boden lag, soll der Angeklagte ihn zunächst dreimal in den Rücken und anschließend noch zweimal in die Brust gestochen haben.

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