Die 500 Werke des Tierplastikers werden jetzt restauriert. Ab Ende 2009 sind sie im Museum für Naturkunde zu sehen.

Düsseldorf. Schmerzverzerrt reißt der Keiler sein Maul auf, während sich die Hundemeute in ihm verbeißt. Er ringt um sein Gleichgewicht, seine Klauen ziehen tiefe Furchen in den Boden. Kaum zu glauben, dass die bewegte Szenerie "nur" eine Schülerarbeit ist und deshalb 1902 auf der Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeausstellung nicht prämiert werden konnte. Die Naturnähe kam nicht von ungefähr: Zur "Freude" seiner Mitstudenten stand dem Künstler ein zahmes Wildschwein Modell.

Jetzt steht die "Sauhatz", wie dieses Erstlingswerk des Tierbildhauers Josef Pallenberg heißt, auf dem Tisch der kleinen Restaurierungswerkstatt im Benrather Naturkundemuseum. Torsten Steinhoff, Präparator und Restaurator, gibt der Gipsplastik mit dem Pinsel den letzten Schliff.

Wie viele der Pallenberg’schen Figuren war auch die "Sauhatz" häufig auf Wanderschaft gewesen und hat entsprechend gelitten. "Durch die Basisplatte ging ein tiefer Riss, ein Hundeschwanz war gebrochen, eine Hundepfote komplett abgerissen", erzählt Steinhoff.

"Weil man damals schon sparen musste, entstanden die meisten Figuren nur in Gips und bekamen nur einen Bronzeanstrich."

Hubert Heuwinkel, Leiter der Benrather Naturkundemuseums

Der große Vorteil: Pallenberg hatte seine Figuren um ein Drahtgeflecht herum gestaltet, so dass die Gipsfiguren bei Stößen nicht in tausend Stücke zerbrachen. So braucht nur der abgesprungene Gips ausgebessert zu werden. Was als solches schon aufwändig genug ist.

Pallenberg war ein extrem genauer Beobachter und hat in seinen Figuren und Figurengruppen jedes Muskelspiel und jeden Fellstrich eingefangen. Dafür legte er als erstes ein Tonmodell an, das nach dem Prinzip der verlorenen Form dann in Gips oder Bronze gegossen wurde.

"Weil man damals schon sparen musste, entstanden die meisten Figuren nur in Gips und bekamen Bronzeanstrich aus pigmentierten Schellack", erklärt Hubert Heuwinkel, der die Figuren als Leiter des Benrather Naturkundemuseums seit Jahrzehnten hütet.

Pallenbergs Dinosaurier sind noch heute vorbildlich

Insgesamt 720 Tierplastiken sind von Pallenberg erhalten. Darunter die Figuren am ehemaligen Haupteingang sowie die Dinosaurier am Birma-Teich des Hamburger Zoos. Knapp 20 Jahre nach der Entdeckung vollständiger Saurierskelette modellierte Pallenberg 1909 die Tiere aus Zement für den Tierpark Hagenbeck. Sie gehören immer noch zu den schönsten - und auch realistischsten Dinosaurierplastiken.

Auch der "Röhrende Hirsch" im Hofgarten, der eigentlich Rominter Brunfthirsch heißt (nach dem kaiserlichen Jagdgebiet Rominten in Masuren) und von dem eine Kopie in Berlin steht, stammt von Pallenberg. Für diesen bekam Pallenberg übrigens 1907 auf der deutsch-nationalen Kunstausstellung dann doch noch die goldene Staatsmedaille.

Der Hauptteil seines Werkes, fast 500 Plastiken, ist seit einem Jahr nun im Besitz der Stiftung Schloss und Park Benrath und soll nach und nach restauriert und im Naturkundemuseum gezeigt werden. Eine Ausstellung mit 50 Figuren ist für Ende 2009 geplant, dafür werden gerade Räume im Obergeschoss des Naturkundemuseums umgebaut.

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