Die älteste Laiengruppe Düsseldorfs gab einen Benefiz- Auftritt am Ort ihrer Gründung.

Mit der Theater-Collage „Casa Vecchia – Die sanften Irren“ führen die Darsteller vor, wie Kommunikation heute läuft.
Mit der Theater-Collage „Casa Vecchia – Die sanften Irren“ führen die Darsteller vor, wie Kommunikation heute läuft.

Mit der Theater-Collage „Casa Vecchia – Die sanften Irren“ führen die Darsteller vor, wie Kommunikation heute läuft.

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Mit der Theater-Collage „Casa Vecchia – Die sanften Irren“ führen die Darsteller vor, wie Kommunikation heute läuft.

Wersten. Zwei Männer in Irrenanstaltskleidung sitzen eng nebeneinander auf dem Boden und telefonieren mit dem Handy. Miteinander. Doch ihre Körper sind einander abgewandt, kein Blickkontakt. „Wollen wir es nicht einmal auf traditionelle Art versuchen?“, fragt der eine. „O ja“, antwortet der andere, „über Facebook?“ „Nein“, kommt es zurück, „einfach sich ins Gesicht sehen und so wie unsere Eltern früher miteinander reden.“ „Meinst du, das funktioniert?“, lautet die zögernde Rückfrage. Diese Szene ist eine der stärksten in der Collage „Casa Vecchia – Die sanften Irren“, mit der „Die Karawane“ im Pfarrsaal von St. Maria Rosenkranz zu Gast war.

„Die sanften Irren“ wollen der Welt den Spiegel vorhalten

Nach dem Willen des Theaterleiters Rudi Rölleke sind „Die sanften Irren“ aufgebrochen, wie einst Sebastian Brants „Narrenschiff“ aus der Zeit der Reformationszeit, der Welt den Spiegel vorzuhalten. Teils mit sehr poetischen Texten, die sich beim ersten Zuhören nicht immer erschlossen, teils mit deutlichen Bildern wie der Performance „Wir sind das Volk“. Hauptstichwortgeber war der Lyriker Paul Peter Althaus, an den auch der Titel „Casa Vecchia“ (das alte Haus) erinnert.

Es war wohl das letzte Mal, dass man dieses Stück in dieser Zusammensetzung sehen konnte. Ein Mitspieler ist zwei Tage zuvor Vater geworden, eine Mitspielerin ist im siebten Monat schwanger. Dennoch war es Rölleke wichtig, mit nach Wersten zu kommen. Zum einen, weil der Erlös der Benefizveranstaltung an die „Don Bosco Stiftung – Herz und Hand für Wersten“ geht. Zum anderen, weil es ein Weg zurück zu den Wurzeln ist.

Die Theatergruppe wurde 1950 in der Pfarre St. Maria Rosenkranz von Pfarrer Heinrich Adelkamp gegründet. Der aus Oberhausen stammende Geistliche war der Meinung, dass eine Kirche eine eigene Theatergruppe brauche. Zunächst um religiöse Stücke zu spielen, später aber auch klassische Literatur. Rölleke selbst ist seit 1956 dabei, probte für Hofmannsthals „Jedermann“, mit dem 1959 die Kirche St. Maria unter den Benden eingeweiht wurde.

Obwohl er mittlerweile in Itter wohnt, ist der Architekt beim Hochbauamt des Landes der "Karawane", die immerhin Düsseldorfs älteste Laienbühne ist, immer treu geblieben. Als es 1967 zu Querelen mit dem Leiter kam, hat er beherzt diese Aufgabe übernommen.

1950 von Pfarrer Heinrich Adelkamp in der Pfarre St. Maria Rosenkranz. Auf dem Programm standen Stücke von Felix Timmermanns, Lew Tolstoi oder Hugo von Hoffmannsthals „Jedermann“, mit dem die Filialkirche St. Maria in den Benden eingeweiht wurde.

Seit 1982 gibt es vermehrt Eigenproduktionen, seit 2002 hauptsächlich in Form von Collagen. Kontakt: Rudi Rölleke, Telefon 0211/757993, oder unter

www.karawane-theater.de

Einer seiner Lieblingsdichter ist Ernst Jandl, dem er schon 2003 ein Stück gewidmet hat. Auch in der neuen Produktion „Wilde Walser Jandeleien“ soll Ernst Jandl neben Oscar Wilde und Martin Walser zu Wort kommen. Ein Aufführungstermin im Herbst in der Werstener Stadtbücherei ist schon geplant, doch mit dem Stück selbst hat Rölleke noch seine Schwierigkeiten. „Wir leiden derzeit unter Personalmangel“, gibt er zu. Spielfreudiger Nachwuchs sei also willkommen.

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