An diesem Tag können Interessierte sich auch Privatwohnungen anschauen und den Hausherren begegnen.

Architekt Alexander Pier sieht seine Wohnung als Showroom.
Architekt Alexander Pier sieht seine Wohnung als Showroom.

Architekt Alexander Pier sieht seine Wohnung als Showroom.

Thomas Kunze in seinem Wohnzimmer über den Dächern der Stadt.

Jochen Boskamp hat ein Hinterhaus mit drei Etagen in ein Wohnparadies verwandelt.

Bild 1 von 3

Architekt Alexander Pier sieht seine Wohnung als Showroom.

Düsseldorf. "Anfangs hatte ich schon ein wenig Angst vor den vielen Leuten. Aber ich wollte meinem Mann eine Freude machen - er ist Architekt", sagt Ingard Nabe-Boskamp, während unablässig fremde Menschen in ihre Wohnung im Hinterhof an der Gladbacher Straße strömen. Sie nutzen am Samstag die Chance beim "Tag der Architektur", einmal einen Blick hinter sonst verschlossene Türen zu erhaschen. "Schauen Sie ruhig auch mal auf die Wanne", weist die Düsseldorfer Künstlerin auf ihr im orientalischen Stil gehaltenes Bad hin.

Im dritten Stock der Wohnung geht es bei Ehemann Jochen Boskamp im Bad sachlicher zu. Ganz in Weiß und schlicht mit Dusche präsentiert sich die Nasszelle. Auch sonst ist vom bunten Wohnumfeld im Erdgeschoss wenig hier oben zu sehen. Stahl und Glas bestimmen die Welt des Architekten. Dazu kommt die Rennradsammlung, die dekorativ an den Wänden im Obergeschoss befestigt ist.

Jeder hat in den drei Etagen seinen Bereich - die Mitte ist Pufferzone

"Wir haben jeder unseren Bereich. Ich unten und mein Mann ganz oben. In der mittleren Ebene ist unsere Pufferzone, in der wir uns treffen", erklärt Nabe-Boskamp ihr Wohnprinzip den erstaunten Gästen. Währenddessen ziehen es die beiden Katzen vor, im Garten unter den Pflanzen Schutz vor den Menschenmassen zu suchen. "Die kommen erst heute Abend wieder heraus, wenn alles ruhig ist", sagt die Katzenmutter schmunzelnd.

Zeit, die Wohnung für die Besucher fit zu machen, hatte Nabe-Boskamp kaum: "Ich bin erst aus Italien zurückgekommen und habe dann alles durchgeputzt und noch ein paar Dekosachen besorgt." Wesentlich entspannter verlief das bei Architekt Alexander Pier, der sein Wohn- und Arbeitshaus an der Faunastraße den Interessierten zeigt. "Wir haben einfach den Wochenputz von Montag auf Freitag gelegt. Das hat gereicht", sagt der Derendorfer.

Gemütliches Sammelsurium und klar definierte Strukturen

Anders als beim Kollegen in Bilk herrschen bei Pier sehr klare Strukturen, auch die Möbel- und Dekostücke sind sehr reduziert. "Für mich ist das eine Art Showraum für Hausherren, denen ich zeigen kann, was alles möglich ist", erklärt Pier. Selbst bei seiner zwölfjährigen Tochter herrscht Ordnung im Kinderzimmer. "Das hat sie von ganz alleine gemacht, da brauche ich mich nicht darum zu kümmern", berichtet der stolze Vater.

Beim Tag der Architektur konnten Interessierte am vergangenen Wochenende mehr als 20 verschiedene Objekte besichtigen. Darunter waren neben Wohnungen auch Einfamilienhäuser, Firmengebäude, Kirchen, Kinderspielplätze oder der Erweiterungsbau einer Offenen Ganztagsschule.

Mit den Besuchern beim Architektur-Tag hat er nur positive Erfahrungen gemacht. "Die Leute sind sehr angetan von dem, was sie sehen. Einer hat mir sogar einen Wohnungstausch angeboten", sagt Pier und blickt über seine drei Etagen vom großen Wohn- und Esszimmer über die Schlafetage bis zum gemütlichen Freizeitraum direkt unterm Dach, der nur mit einer Leiter zu erreichen ist.

Unter dem Dach lebt auch Thomas Kunze, der seine Mietwohnung an der Florastraße in Kooperation mit dem Vermieter umgebaut hat. Eine viertel Stunde nachdem er seine Tür geöffnet hat, haben laut Strichliste im Flur bereits 20 Besucher den fünften Stock erklommen und genießen den herrlichen Ausblick auf Rheinturm und K21.

Angst, dass jemand ’mal ein kleines Andenken mitnimmt, hat Kunze nicht. "Ich war selbst schon oft bei den Architektur-Tagen unterwegs. So was gab es nie", sagt er. Dafür um so mehr Fragen, wie man die eigene Wohnung umgestalten kann. Zu besichtigen gibt es fast alles, nur das Betreten des Schlafzimmers ist tabu. "Aber nur wegen der Straßenschuhe und dem weißen Teppich", versichert der Hausherr.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer