Am Wochenende feierten mehrere tausend Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung gemeinsam den CSD.

wza_1500x1000_502048.jpeg
Kein Christopher Street Day ohne Dragqueens: Die Parade am Sonntag stand wieder ganz im Zeichen der bunten Vielfalt.

Kein Christopher Street Day ohne Dragqueens: Die Parade am Sonntag stand wieder ganz im Zeichen der bunten Vielfalt.

Bernd Schaller

Kein Christopher Street Day ohne Dragqueens: Die Parade am Sonntag stand wieder ganz im Zeichen der bunten Vielfalt.

Düsseldorf. Hier gehen Frauen Hand in Hand, da küssen sich frisch verliebte Männer - Bilder, die immer noch nicht alltäglich sind, nicht mal im Wonnemonat Mai. Aufgetakelte Dragqueens, die mit Matrosen und schüchternen Schulmädchen auf der Straße tanzen, gehören auch nicht gerade ins alltägliche Stadtbild. Doch beim 6.

Düsseldorfer Christopher Street Day (CSD) ist all das völlig normal, auch die vielen nicht gerade alltagstauglichen Modeaccessoires der Teilnehmer fallen einem irgendwann kaum noch auf - die reichen von Engelsflügeln bis zu Ganzkörperbadeanzügen aus Latex.

Unter dem Motto "Is’ doch normal!" feiern mehrere tausend homo-, hetero- und bisexuelle Menschen am Wochenende friedlich miteinander. "Wir sind so normal und gleichzeitig individuell wie alle anderen Menschen auch", sagt Manuela Kilzer, Beisitzerin im Vorstand des CSD e.V. "Und wir gehören genauso zu Düsseldorf wie Fortuna-Fans und die Damen von der Kö."

Der Verein wirbt für gleiche politische Rechte für homosexuelle Menschen und hat den CSD organisiert. Am Samstagabend steigt eine riesige Party auf und vor der Showbühne, singende Dragqueens und schwule Tanzgruppen heizen der Menge ein.

Einige sind aus Köln gekommen: "Wir gehen zu jedem CSD in der Nähe", sagen Jochen und Mark, ein schwules Pärchen. "Weil wir für Toleranz sind, kommen wir natürlich auch nach Düsseldorf", fügen sie lachend hinzu.

Partylaune und Spaß an der Vielfalt stehen beim CSD im Vordergrund

Höhepunkt des CSD ist die Parade. 19 Wagen und 25 Fußgruppen starten an der Kö, schlängeln sich durch die City und kommen über die Rheinpromenade am Johannes-Rau-Platz an. Dort werden sie lauthals von Theaterregisseur Bernd Plöger begrüßt, der die Bühnenmoderation übernommen hat.

Fröhlich feiernde Menschen nehmen den Zug jubelnd in Empfang. Von Herren in Damenbekleidung, harten Jungs in Leder-kluft bis zur lesbischen Rollstuhlfahrerin reicht das Spektrum der Teilnehmer. Auch Parteien und Verbände mit ernsten Anliegen, etwa die Aids-Hilfe, sind dabei.

Doch Techno-Klänge und schwule Evergreens wie "YMCA" schallen heute lauter als die politische Forderung nach gleichen Rechten für alle.

Trotzdem sind CSD-Schirmherr OB Dirk Elbers, die Bürgermeisterinnen Gudrun Hock und Marie-Agnes Strack-Zimmermann und andere zum Polit-Talk gekommen. Elbers verspricht, den runden Tisch mit homosexuellen Düsseldorfern wieder aufleben zu lassen.

Er wurde von der ehemaligen Oberbürgermeisterin Marlies Smeets eingeführt, ist dann aber wieder eingeschlafen. "Ich bin bereit, die Rahmenbedingungen für ein gutes Miteinander aller zu schaffen", so Elbers.

Die Menge jubelt zwar, doch Skepsis bleibt: "Hoffentlich sind das nicht nur leere Versprechungen", meint Martin - ein schwuler Mann mit Engelsflügeln.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer