„Die Zeit“ hat den öffentlichen Verkehr in 55 Städten verglichen. Trotz gutem Ergebnis gibt es Nachholbedarf.

„Die Zeit“ hat den öffentlichen Verkehr in 55 Städten verglichen. Trotz gutem Ergebnis gibt es Nachholbedarf.
Düsseldorf landet im Zeit-Vergleich auf Platz 17. Trotz gutem Ergebnis halten Georg Schumacher von der Rheinbahn und Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland die Methoden der Studie nicht für sinnvoll. Verbesserungsbedarf gebe es aber trotzdem. Archiv

Düsseldorf landet im Zeit-Vergleich auf Platz 17. Trotz gutem Ergebnis halten Georg Schumacher von der Rheinbahn und Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland die Methoden der Studie nicht für sinnvoll. Verbesserungsbedarf gebe es aber trotzdem. Archiv

Sergej Lepke

Düsseldorf landet im Zeit-Vergleich auf Platz 17. Trotz gutem Ergebnis halten Georg Schumacher von der Rheinbahn und Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland die Methoden der Studie nicht für sinnvoll. Verbesserungsbedarf gebe es aber trotzdem. Archiv

Düsseldorf. Wer umweltbewusst unterwegs sein möchte, aber zu weite Wege hat, um alles mit dem Rad zu erledigen, steigt gerne auf den öffentlichen Nahverkehr um. Aber nur, wenn der zuverlässig ist und man damit zügig von A nach B kommt. Das ist nicht in jeder deutschen Stadt der Fall. In einem Vergleich unter 55 deutschen Großstädten, schneiden Dresden, Würzburg und Bonn besonders gut ab. Mit dem 17. Platz liegt Düsseldorf im oberen Drittel.

Die Studie hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ in Auftrag gegeben. Dabei wurden die Abfahrten aller Busse und Bahnen von allen Haltestellen zusammengezählt und durch die Anzahl der Einwohner geteilt. Die dadurch ermittelte Zahl wurde dann in Relation zum Ticketpreis gesetzt. Mehr Abfahrten pro Einwohner – also besseres Angebot? Klingt logisch, oder?

Klingt nicht logisch, findet Iko Tönjes vom Verkehrsclub Deutschland. „Abfahrten von Bussen und von Bahnen gleichzusetzen – das ist hanebüchen“, sagt er. Viele Menschen nutzten die Bahn lieber, weil sie schneller voran kommt. Die würden einen Bus, der dafür öfter abfährt, nicht als besser empfinden als eine U- oder Straßenbahn.

Rheinbahn muss sich im Bundesvergleich nicht verstecken

Auch Georg Schumacher, Sprecher der Rheinbahn, zweifelt an der Studie. „Da gibt es direkt einige Fragen, die sich aufdrängen.“ Beim Vergleich der Abo-Tickets sei bei der Erhebung auf Premium-Tickets verzichtet worden – für Düsseldorf heißt das: Herangezogen wurde nur das Ticket 1000. „Ich finde, das ist eine willkürliche Auswahl. Das Ticket 2000 kostet nur knapp zehn Euro mehr und erfüllt alle Kriterien, die abgefragt wurden“, sagt Schumacher. Auch er findet außerdem, beim Vergleich der Abfahrten dürfe man die Qualität des Verkehrsmittels – also ob es ein Bus, eine Straßen- oder eine S-Bahn ist – nicht außen vor lassen.

Grundsätzlich sei man offen für einen Vergleich. „Wir müssen uns da nicht verstecken“, sagt der Rheinbahn-Sprecher. Über Kundendialoge und Befragungen behalte man selbst im Auge, wie die Zufriedenheit bei den Nutzern ist. Außerdem verzeichne die Rheinbahn wachsende Fahrgastzahlen – und das obwohl der Sprit aktuell nicht mehr so teuer sei.

Für die Studie wurde die Gesamtzahl der Abfahrten durch die Einwohnerzahl geteilt. Dies wurde in Relation zum Ticketpreis gesetzt. Außerdem wurden die Abfahrten mit der Siedlungsfläche verglichen und ins Verhältnis zum Anteil der ÖPNV-Nutzung an allen Wegen gesetzt.

Ganz vorne liegen Dresden, Würzburg und Bonn. Düsseldorf ist auf Rang 17. Am unteren Ende liegen Duisburg und Köln.

Die Grafiken und weitere Infos zur Studie finden sich im Internet bei Zeit Online.

Das bestätigt Iko Tönjes. „Das Angebot in Düsseldorf ist nicht schlecht – sicher kann an manchen Stellen nachgebessert werden“, sagt er. Gerade bei der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit gebe es Nachholbedarf. Manchmal seien Züge auch stark überfüllt.

Warum das Angebot des Nahverkehrs in Deutschland so unterschiedlich sei, begründet „Die Zeit“ mit politischem Willen. Das zeige sich, wenn man den Anstieg von Ticketpreisen mit dem von Parkgebühren vergleiche. „Das trifft auf Düsseldorf auf jeden Fall zu“, sagt Tönjes. Die Parkgebühren seien seit dem Jahr 2000 etwa auf gleichem Niveau – für die Fahrpreise gelte das bei Weitem nicht. „Es gibt viele kleine Dinge, durch die sich Nahverkehrsnutzer oft benachteiligt fühlen“, sagt er. Während beispielsweise Zuschüsse vom Arbeitgeber zum Ticket versteuert werden müssten, gelte das für einen Firmenparkplatz nicht.

Auch Schumacher findet, es könnte mehr Unterstützung für den öffentlichen Nahverkehr geben. „Mit der Stadt funktioniert das gut“, sagt er, die gleiche die Lücke, die zwischen Aufwendungen und Einnahmen durch Ticketpreise entstehe, aus, „aber Bund und Land könnten ihre Förderung verbessern.“ Die sei in den vergangenen Jahren weniger geworden. „Gerade im Bundesverkehrsministerium wird oft nicht energie- und verkehrseffizient gedacht“, sagt Schumann. Einen Stauknotenpunkt auf der Autobahn könnte man vielleicht nicht nur durch den Bau einer weiteren Fahrspur entlasten – sondern durch eine schnelle S-Bahn-Strecke daneben. Er meint: „Eine Energiewende geht nicht ohne eine Verkehrswende.“

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