Ab Oktober gibt es einen Bafög-Nachschlag – der wird aber kaum für ein vernünftiges Studium ausreichen, befürchten Studenten.

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Medienwissenschaften-Studentin Jolanta Bokuniewicz, 31, hat Fixkosten von 900 Euro. 648 Euro Bafög reichen da nicht, sie jobbt nebenbei. Sie wünscht sich einen Höchstsatz von 800 Euro, obwohl sie es als unrealistisch bezeichnet.

Medienwissenschaften-Studentin Jolanta Bokuniewicz, 31, hat Fixkosten von 900 Euro. 648 Euro Bafög reichen da nicht, sie jobbt nebenbei. Sie wünscht sich einen Höchstsatz von 800 Euro, obwohl sie es als unrealistisch bezeichnet.

Christoph Suhrbier studiert an der Uni Wirtschaftschemie. Weil der 23-Jährige finanziell von seinen Eltern unterstützt wird und jobben geht, kommt er mit 200 Euro Bafög hin. „Zwei Prozent mehr – die brauche ich nicht“, sagt er. (Klicken Sie weiter)

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Medienwissenschaften-Studentin Jolanta Bokuniewicz, 31, hat Fixkosten von 900 Euro. 648 Euro Bafög reichen da nicht, sie jobbt nebenbei. Sie wünscht sich einen Höchstsatz von 800 Euro, obwohl sie es als unrealistisch bezeichnet.

Düsseldorf. Zwei Prozent mehr Bafög soll es von Oktober an geben. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan am Mittwoch in Berlin angekündigt. Eine frohe Botschaft, die auch die Studierenden an den vier Düsseldorfer Hochschulen gern hören. Eine Botschaft, die auf den zweiten Blick nicht mehr ganz so froh macht. Der Bafög-Nachschlag bringt denjenigen Studenten, die den Höchstsatz der Förderung von derzeit 648 Euro erhalten, gerade mal 12,96 Euro im Monat.

Für große Sprünge dürfte das allerdings nicht reichen. "Die Erhöhung um zwei Prozent ist ganz schön knapp", sagt Frank Zehetner, Geschäftsführer des Düsseldorfer Studentenwerks. Ihm wäre bei allem Verständnis für die Nöte des Finanzministers eine Erhöhung um vier Prozent lieber gewesen. "Studieren ist je nach Standort eine teure Angelegenheit." Zumal in den vergangenen Jahren die Lebenshaltungskosten enorm angestiegen seien.

Ein Drittel aller Studierenden muss finanziell ziemlich knapsen

In Düsseldorf etwa brauchen Studierende laut Zehetner im Monat einen Betrag von etwa 750 bis 800 Euro. Davon müssen sie essen, wohnen und ihr Lernmaterial sowie die Studiengebühren bezahlen. Selbst wer den Bafög-Höchstsatz erhält, muss nach dieser Rechnung Geld drauflegen. Von den Eltern kommt das nicht immer, stattdessen wird gejobbt. Wer das nicht schafft, hat ein Problem. "Manch ein Studierender hat ganz schön zu knapsen", sagt der Studentenwerker. "Sie leben dann an der Untergrenze dessen, was geht."

Grundsätzlich könne man Studenten aus monetärer Sicht dreiteilen: "Einem Drittel geht’s gut, ein Drittel kommt hin, und das letzte Drittel kommt kaum über die Runden", sagt Zehetner.

In Düsseldorf haben die Studierenden 2009 rund 6000 Bafög-Anträge gestellt (Heinrich-Heine Universität, Fachhochschule, Kunstakademie, Robert-Schumann-Hochschule). Bewilligt wurden 5478, davon knapp ein Drittel mit dem Höchstsatz.

Bis zu drei Monaten kann die Bearbeitung des Antrags dauern, Frank Zehetner rät Studierenden deswegen, sich schon zwei Monate vor Semesterbeginn darum zu kümmern und die Anträge sorgfältig auszufüllen.

Mit dem Höchstsatz kommt die Studentin der Medienwissenschaft Jolanta Bokuniewicz "über die Runden", wie sie sagt - aber nur, weil sie nebenbei auf 400-Euro-Basis jobbt. "Ich bekomme zwar den Bafög-Höchstsatz von 648 Euro, aber das reicht nicht", sagt die 31-Jährige. Ohne Haushaltsbuch geht bei ihr nichts, sie hat Fixkosten von etwa 900 Euro, zahlt 415 Euro Miete. "Ich lebe nicht auf großem Fuß, habe kein Auto - aber die Studienmaterialien verschlingen viel Geld." Reichen ihr zwei Prozent Erhöhung? Eher nicht - sie wünscht sich einen Bafög-Höchstsatz von 800 Euro, "das wäre super, aber unrealistisch."

Ein Jurastudent: "Das Geld reicht bei mir vorne und hinten nicht"

446 Euro Bafög erhält Rebecca Schulz, die Sozialarbeit an der FH studiert. Das klappt, denn ihr Vater zahlt die Miete von 380 Euro. Die 21-Jährige sagt: "Eine Erhöhung von mehr als zwei Prozent wäre schön. Zumindest so viel, dass ich die Miete selbst zahlen kann." Sie jobbt - noch - nicht, weil sie sich auf ihr Studium konzentrieren will, sie ist im ersten Semester. "Aber irgendwann werde ich wohl arbeiten müssen."

Mehmet Orhan sagt es geradeheraus: "Das Geld reicht bei mir vorne und hinten nicht." Der 23-Jährige studiert im ersten Semester Rechtswissenschaften. Von den 580 Euro Bafög werden direkt 240 Euro für die Miete abgezogen. "Ich verzichte auf vieles, um mir das Studium leisten zu können", sagt er. Seine Eltern will er finanziell nicht belasten, möchte das Studium alleine stemmen. Gerade hat er sich für 200 Euro Bücher gekauft. Er bleibt trotzdem genügsam: "So 60, 70 Euro mehr Bafög im Monat würden mir schon reichen."

Zumindest haben die Studierenden den Asta auf ihrer Seite. "Zwei Prozent mehr, das begrüßen wir natürlich, aber letztlich wurden wir damit nur abgespeist, der Betrag ist zu wenig", sagt Patrick Mebus, stellvertretender Asta-Vorsitzender.

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