Im Stern-Verlag gehen an diesem Samstag endgültig die Lichter aus. Heute kommen die letzten historischen Schätzchen unter den Hammer. Am Freitag war Auftakt der Auktion.

Auktionator Wolfgang Huste führte im Antiquariat des Stern-Verlags durch die Versteigerung.
Auktionator Wolfgang Huste führte im Antiquariat des Stern-Verlags durch die Versteigerung.

Auktionator Wolfgang Huste führte im Antiquariat des Stern-Verlags durch die Versteigerung.

Kam extra aus Straßburg und ergatterte 15 Bücher französischer Kulturgeschichte für 30 Euro: Der Student Guillaume Djebbour Bartoli.

Melanie Zanin, Bild 1 von 2

Auktionator Wolfgang Huste führte im Antiquariat des Stern-Verlags durch die Versteigerung.

Düsseldorf. „Dieses Haus war ein kultureller Fels in der Stadt Düsseldorf. Sie ersteigern hier auch ein großes Stück Geschichte.“ Mit pathetischen Worten eröffnete am Freitag Auktionator Wolfgang Huste den Ausverkauf des Antiquariats im Stern-Verlag. Weniger Würde hatte das, was dann kam: Stück für Stück kam das historische Herzstück des einst renommierten Buchhauses zu Schleuderpreisen unter den Hammer.

„36 Euro zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten für den Bieter Nummer 38.“ So ging es durch den gesamten Bestand des Antiquariats. Allerdings nicht Buch für Buch, sondern im Konvolut. Die Liebhaberstücke wurden als Meterware regelrecht verramscht. „Für 100 Positionen brauche ich 45 Minuten, in drei Stunden bin ich ganz herum.“ Doch Wolfgang Huste warnte vor zu viel Respektlosigkeit: „Das kleinste Konvolut kostet zehn Euro, wenn sie neun bieten, dann habe ich das überhört.“

Niemand bot neun Euro von den zumeist älteren Herren, die entweder aus anderen Antiquariaten stammten oder private Liebhaber waren. Oder, in der großen Minderheit, Studenten. Guillaume Djebbour Bartoli zum Beispiel, der 15 Bücher französischer Kulturgeschichte ersteigerte: für 30 Euro statt 20 im ersten Gebot. Darunter auch das Werk „Monumens du culte secret des dames romaines“. 225 Euro hätte alleine dieses Werk auf dem regulären früheren Verkaufsweg gekostet. Es war allerdings nicht das erste Schnäppchen, das der französische Student gemacht hatte: Für 26 Euro war er mit einem Fernbus aus Straßburg gekommen. Schon während des Ausverkaufs der Buchhandlung mit Rabattaktionen bis zu 70 Prozent war der junge Mann dabei gewesen – und hatte dabei von der Auktion erfahren.

Freudentränen und Tränen der Trauer

Freudentränen hatte Ekhard Lehmann in den Augen. Der pensionierte Lehrer aus Pulheim möchte ein Museum für Medien, bei dem es auch um Naturwissenschaften und Technik gehen soll, aufbauen und hatte dafür am Freitag seinen großen Tag: Beim Posten 12 mit etwa 40 Büchern über Eisenbahn, Luftfahrt, Fotografie und Film stellte er sich verhandlungsbereit hinter den Auktionator. Doch das erste schriftliche Angebot wurde gar nicht mehr überboten. Für 70 Euro nahm Lehmann die Bücher mit nach Hause und verriet hinterher: „Diese Bücher sind schon seit fünf Jahren das i-Tüpfelchen für mein Museum.“ Allerdings hätte er noch vor kurzer Zeit mehrere hundert Euro dafür hinblättern müssen.

Ebenfalls Tränen hatte ein 79-jähriger Rentner aus Düsseldorf, der seinen Namen nicht nennen wollte, in den Augen – allerdings Tränen der Trauer: „Ich habe ein wesentliches Interesse an den Bücherregalen des Hauses“, sagt der Mann, der seit über 30 Jahren Kunde des Hauses gewesen sei. „Auf diese Weise kann ich mir den Stern-Verlag mit nach Hause nehmen“, sagte er. Danach versagte ihm die Stimme.

Eine polyglotte (mehrsprachige) Bibel aus dem Jahr 1657 wurde für 300 Euro angeboten. Originaler Handelspreis zuvor: knapp 1300 Euro.

Ein Werk von Max Clarenbach für 25.000 Euro. „Das wird bis 50.000 Euro gehandelt“, sagt Wolfgang Huste, der als Auktionator ein Honorar in Höhe von 15 Prozent pro versteigertem Posten bekommt. Der Käufer zahlt aber rund 20 Prozent mehr – wegen Honorar plus Steuer.

Annette Thiele beobachtete als eine der letzten Mitarbeiterinnen des Stern-Verlags die Versteigerung aus dem Hintergrund. Mit bedrückter Miene. Heute Abend wird das Geschäft ein letztes Mal hinter den Kunden abgeschlossen. Danach stehen noch einige Arbeiten an, Ende Juni ist auch für sie endgültig Schluss.

Aber ein Buch als Erinnerung habe sie sich nicht gesichert. „Ich habe meine Bilder von der schönen Zeit hier im Kopf.“

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