Nur wenige Besucher ließen sich das Buch des ehemaligen Bundespräsidenten signieren.

AUftritt
Irina und Johannes Brausen sind mit Töchterchen Julia (1) zu Christian Wulffs Signierstunde gekommen.

Irina und Johannes Brausen sind mit Töchterchen Julia (1) zu Christian Wulffs Signierstunde gekommen.

David Young

Irina und Johannes Brausen sind mit Töchterchen Julia (1) zu Christian Wulffs Signierstunde gekommen.

Düsseldorf. Nur die Sicherheitsleute und Polizisten im Foyer des Hotels Intercontinental an der Königsallee lassen auf die Ankunft einer prominenten Person schließen. Im Foyer sind Bücher aufgetürmt, doch nur vereinzelt widmen sich Besucher den frisch gedruckten Ausgaben.

Christian Wulff wird jeden Moment kommen und die Signierstunde zu seinem Buch „Ganz oben – Ganz unten“ in der Hotelbar beginnen. Doch kaum einen interessiert’s, viele Exemplare bleiben unberührt. Genoss Wulff einst als Bundespräsident allerhöchste Aufmerksamkeit, scharen sich heute lediglich ein paar Autogrammjäger in dieser Hotelbar um ihn.

Knapp 30 stehen da in der Schlange, fast alle kaufen sich Wulffs Werk für 19,95 Euro. Der ehemals erste Mann im Staat wirkt ruhig, wie gewohnt im dunklen Anzug und professionell im Umgang mit der Öffentlichkeit. Der 55-Jährige genießt seinen Auftritt. Er wechselt ein paar Worte, steht für Fotos parat und signiert seine Bücher, in denen er schildert, wie es zu seinem Rücktritt im Februar 2012 kam. „Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen, aber die Position des Betroffenen gehört dazu“, sagt er. Es ginge um die Art, wie mit ihm umgegangen wurde. Er benenne eigene Fehler, aber auch die der Medien, der Justiz und die der Politik.

Nach einer halben Stunde ist seine Zeit im Mittelpunkt vorbei

Komponist Franz Mahee ist einer der wenigen Besucher und kennt Wulff persönlich. Er schätzt ihn sehr, denn 1990 war er Schirmherr eines Konzerts, das er organisierte. „Er stand immer zu seinem Wort. Die Medien haben damals übertrieben.“

Irina Brausen ist mit ihrer Familie zur Signierstunde gekommen: „Er ist faszinierend, denn er hat es geschafft, trotz dieser Erlebnisse aufzustehen und wieder unter Leute zu gehen.“

Nach einer halben Stunde steht Wulff allein an der Bar. Er erzählt noch von einer Jan-Wellem-Figur, die er zu seiner Amtszeit in Düsseldorf geschenkt bekam und die nach wie vor in seinem Büro steht. Auch an eine Karnevalsrede in der Landeshauptstadt kann er sich erinnern, die sei gut angekommen, sagt er. Doch dann sind alle Besucher weg. Wulff bleibt allein zurück, samt mehrerer unangetasteter Bücherstapeln auf den Tischen.

© WhatsBroadcast

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