Die Organisation verlief weitgehend reibungslos, die 11 000 Sportler wurden frenetisch angefeuert.

Düsseldorf. Um 7.30 Uhr beginnt an diesem Sonntag der Arbeitstag für Nicole und Stefan Raasch. Da sperrt das Geschwisterpaar die Kreuzung Grafenberger Allee/ Cranachstraße für den Marathon ab.

Immer wieder werden Autofahrer versuchen, sich durch die Absperrungen auf der noch menschenleeren Straße zu mogeln. Freundlich im Ton, aber verbindlich in der Aussage, weisen sie die Fahrer innerhalb ihrer Schranken zurecht.

"Es ist schon seltsam", sagt Nicole Raasch, "aber einige Anwohner fallen aus allen Wolken, wenn sie hören, dass die Straße heute wegen des Marathons gesperrt ist."

Die wohl wichtigsten Helfer für die Läufer stehen an den Verpflegungsstationen. 80 Meter lang ist der Stand an der Brehmstraße, wo Ulrich Koch und seine Kollegen Stellung bezogen haben. Am Ende des Marathons werden sie rund 80 Kilogramm Bananen verteilt und aus 100 Kilo Pulver 800 Liter isotonische Getränke angerührt haben.

Musik- und Samba-Gruppen treiben die Läufer an

Noch ist es ruhig am Stand. "Ab 10.30 Uhr ist hier aber die Hölle los," verspricht Ex-Marathoni Koch, während seine Kollegen gerade einem Handbiker (Marathonfahrer im Rollstuhl) helfen, der mit dem Vorderreifen in die Straßenbahnschienen geraten ist. Ohne ihre Hilfe wäre der Marathon für den jungen Mann schon bei Kilometer 26 beendet gewesen.

11 000 Sportler aus 67 Nationen haben sich beim Veranstalter Rhein-Marathon Düsseldorf angemeldet, davon sind 3860 Läufer über die volle Distanz von 42,195 Kilometern gegangen. Die restlichen Athleten verteilen sich auf die Handbiker, Einradfahrer und Staffelläufer. Beim Mini-Marathon konnten Schüler zwischen acht und 17 Jahre auf einer Strecke von 4,5 Kilometern ihre Kräfte messen.

400 000 Zuschauer zählte die Polizei dieses Jahr.

Insgesamt waren 2400 Helfer im Einsatz, 1400 von ihnen ehrenamtlich.

Die Hilfsorganisationen waren mit 196 Kräften im Einsatz, davon sechs Ärzte. Sie halfen an der Strecke 70 Menschen, zehn kamen ins Krankenhaus - meist Läufer mit Kreislaufbeschwerden.

An der ganzen Strecke verteilt stehen Musik- und Samba-Gruppen, die den Läufern Beine machen sollen. Auch für die Bands ist es ein Marathon-Einsatz. Sie spielen, bis der letzte Läufer im Ziel angekommen ist. "Sechs Stunden werden das heute sein," sagt die Percussionistin Susanne Strobel. "Der Samba-Rhythmus gibt den Läufern wieder Power, der geht in die Beine", ist sich die Bandleaderin sicher. Christian Brockhausen schlürft bei Kilometer 30 genüsslich seinen Latte Macchiato im Straßencafe an der Rethelstraße.

Neben ihm dröhnen die Beats einer Samba-Kapelle. "Die Läufer sind jetzt nach 30 Kilometern ziemlich am Ende und brauchen jede Unterstützung", weiß der Triathlet aus eigener leidvoller Erfahrung. "Aber ob wir das auch bis zum Ende neben der Samba-Gruppe aushalten werden, weiß ich noch nicht", ist Brockhausen skeptisch.

"Jump around" schallt es in Unterbilk euphorisch aus den Lautsprechern. Während die Sportler nach 36 Kilometern schon recht gequält ums Eck biegen, steigt beim Publikum die Stimmung. Wer aufgeben will, bekommt hier noch einmal seine Extra-Portion Unterstützung. Am Mannesmann-Ufer ist das Ziel erreicht. Neben einer Massage erhalten die Läufer im Zielbereich noch etwas, was sie glücklich macht: Ein Weizenbier und eine Brezel.

© WhatsBroadcast

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer