Düsseldorf ist sehr wirtschaftsstark. Doch die Stadt und ihre Töchter müssen den Vereinen immer wieder helfen.

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Die Trikotsponsoren der Vereine. Hier zu sehen bei den Spielern Michael Rensing, Rob Collins und Anton Källberg.

Die Trikotsponsoren der Vereine. Hier zu sehen bei den Spielern Michael Rensing, Rob Collins und Anton Källberg.

Die Trikotsponsoren der Vereine. Hier zu sehen bei den Spielern Michael Rensing, Rob Collins und Anton Källberg.

Düsseldorf. Im Januar 2012 hatte der Marketing-Club zur Podiumsdiskussion über die „attraktive Marke F95“ eingeladen. 250 Gäste kamen, die wie die ganze Stadt im Fortuna-Fieber waren. Die Mannschaft war kurz vor dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga, die Sponsoren standen Schlange. Manchen musste die Fortuna sogar absagen, weil keine Werbeflächen mehr in der Arena frei waren.

Zurzeit spielt die Fortuna wieder in der 2. Liga. Aber die Stimmung ist eine andere. Die Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen sinken. Zuletzt machte der Club ein Minus von 1,8 Millionen Euro, auch am Ende dieser Saison wird eine rote Zahl stehen. Und dann verkündete der Trikotsponsor Otelo diese Woche seinen Abschied.

Auch die DEG äußerte sich diese Woche zu ihrem Trikot. In der Deutschen Eishockey Liga werde sie für die Großveranstaltungen Tour de France, Tischtennis-WM und Triathlon-EM werben. Weil „sich abzeichnete, dass im letzten Saisondrittel die zweite große TV-relevante Werbefläche auf der Vorderseite nicht mehr anderweitig genutzt wird“. Was bedeutet: Wir finden niemanden.

Unternehmer-Verband will sich nicht zum Thema äußern

Überraschen kann das nicht. Seit Jahren tun sich heimische Profivereine schwer, Werbeeinnahmen zu generieren. Obwohl viele große Unternehmen in Düsseldorf ihren Sitz haben. Doch um den Sport machen die meisten einen Bogen. Stellung dazu nehmen viele nicht. „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass sich im Haus niemand zu dem Thema äußern kann“, hieß es vom Verband „Unternehmerschaft Düsseldorf und Umgebung“. Auch die IHK äußere sich „grundsätzlich nicht zu innerbetrieblichen Entscheidungen einzelner Unternehmen“.

Wie sich die Zeiten ändern. Vor Jahren war nicht nur die Fortuna heiß begehrt, vor allem die DEG galt als Everybody’s Darling. Alte Stadionhefte oder Chroniken wirkten wie Anzeigenblätter, auf dem Trikot prangten Logos von Metro, Henkel, Klüh, Zamek, West LB, Air Berlin und Schlösser Alt. Ab 2001 lief der Club als „DEG Metro Stars“ auf. Geld floss in Strömen, die DEG wies interessierte Unternehmen sogar ab.

Doch seit dem Ausstieg des Handelskonzerns 2012 ist jedes Jahr ein Kampf ums Überleben, das nur dank großzügiger Gesellschafter, öffentlicher Finanzspritzen oder gestundeter Mieten gelingt. Müsste die DEG die rund 600 000 Euro pro Saison für Dome und Brehmstraße zahlen, Profi-Eishockey in Düsseldorf wäre am Ende.

Am Donnerstag kam ein weiterer Verein auf die sportliche Landkarte: der Handballclub Rhein Vikings, ein Zusammenschluss des klammen ART mit dem Neusser HV, der nächstes Jahr in der 2. Liga und schnellstmöglich in der 1. Liga starten will. Bislang fußt die Finanzierung vor allem auf Sponsoren der Neusser, deren Mäzen sowie der Stadt Düsseldorf. Im Castello, wo die Heimspiele steigen sollen, müssen die neuen Handballer erst mal keine Miete zahlen.

Ein positives Beispiel ist die Borussia

Lediglich die Borussia ist ein positives Beispiel. Der Tischtennis-Rekordmeister weiß seit 2001 den Versicherungskonzern Arag an seiner Seite, der pro Saison sechsstellig investiert. „Darüber hinaus haben wir noch ein bis zwei weitere große Sponsoren, die aber nicht in der Dimension von Arag angesiedelt sind und etwa 40 kleinere Sponsoren“, sagt Manager Andreas Preuß. Man finde „nicht so leicht den einen Sponsor, der zwei Millionen investiert. Ein breites Fundament mit vielen Unterstützern im Rahmen von 5000 bis 50 000 Euro kann sehr positiv sein.“

Eben jene findet man auch bei den anderen. Die Sponsorenclubs der Fortuna und der DEG sind Erfolge. Bei der Fortuna heißt er „Club 95“, bei der DEG „Club 2020“. In diesen treffen sich Gastronomen, Handwerksbetriebe und solvente Privatpersonen. Aber es fehlt an Großsponsoren. Immer wieder müssen die Stadt oder ihre Tochterunternehmen einspringen.

Selbst bei der Borussia geht es nicht ohne. Vor allem beim 2006 gegründeten Tischtennis-Internat am Staufenplatz. Nach dem Abriss der Staufenhalle wird in diesem Jahr die neue Trainingshalle eröffnet. Die Kosten tragen Stadt (1,9 Millionen), Land (1,45) und Bund (1,3). Auch andere Trainings- und Spielflächen sind ohne öffentliche Gelder nicht denkbar. In 2017 investiert die „Sportstadt Düsseldorf“ 8,4 Millionen Euro in Dome, Castello und Tischtenniszentrum. Hinzu kommt eine siebenstellige Summe für die Arena.

Doch im Rathaus sind die Mittel für Profi-Sport nicht unendlich. Für den Start der Tour de France werden Sponsoren gesucht. Es sind zwar mehr als 20 im Boot, die mehr als vier der rund elf Millionen Kosten wieder reinholen sollen, guckt man aber genauer hin, steuern Stadttöchter wie Stadtwerke, Flughafen und Awista knapp 40 Prozent davon bei. Aber zumindest wirbt ja die DEG jetzt für die Veranstaltung.

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