Donnerstag ist ein wichtiger Tag für den neuen Zweitligisten. Zur Saisoneröffnung empfängt er Kiel und will so in Düsseldorf für sich werben.

Handball
Das neue Team der Rhein Vikings präsentiert sich vor dem Spiel als Einheit. Nun geht es darum, Zuschauer und Sponsoren für sich zu gewinnen.

Das neue Team der Rhein Vikings präsentiert sich vor dem Spiel als Einheit. Nun geht es darum, Zuschauer und Sponsoren für sich zu gewinnen.

Jenny Seidel

Das neue Team der Rhein Vikings präsentiert sich vor dem Spiel als Einheit. Nun geht es darum, Zuschauer und Sponsoren für sich zu gewinnen.

Düsseldorf. Das Ergebnis sei nicht so wichtig, ist dieser Tage wieder auffallend häufig zu hören. Jetzt, da so gut wie alle Mannschaftsportler in der Vorbereitung auf die neue Saison stecken. Da geht es um etwas anderes: Die Neuen integrieren, fit werden, Automatismen entwickeln.

Beim Handballclub Rhein Vikings sehen sie das grundsätzlich ähnlich. Erst recht als Aufsteiger in die 2. Bundesliga. Auch bei der heutigen Saisoneröffnung müssen sie nicht gewinnen, doch der Abend dürfte wichtiger sein als manches Punktspiel der nächsten Monate. Ist er doch der erste in Düsseldorf für den Fusionsclub aus ART und Neusser HV.

Damit der Auftakt in der neuen Heimat gelingt, haben sie sich bei den Rhein Vikings mächtig ins Zeug gelegt und den Rekordmeister THW Kiel für 20 Uhr eingeladen. Dazu gibt es allerlei Programm, Information und Show. Das kommt an: Das Castello in Reisholz ist mit mehr als 3000 Fans ausverkauft. Und vielleicht noch wichtiger: Auch die VIP-Logen sind voll – mit Politikern und potenziellen Sponsoren. Jetzt gehe es darum, „den Zuschauern ein tolles Handballfest zu bieten“, sagt Geschäftsführer Thomas Koblenzer laut einer Mitteilung.

Dass das urdeutsche Spiel Handball die Massen begeistern kann, steht ja außer Frage. Wenn die Nationalmannschaft um Titel und Medaillen spielt, schalten gern mal zwölf Millionen ein. Als Anfang des Jahres die WM nicht live im Free-TV zu sehen war, löste das gar eine Debatte aus – in welcher anderen Sportart außer Fußball ist das vorstellbar?

Sobald die Stars aus aller Welt ihr Nationalmannschaftstrikot aber wieder gegen das eines Bundesliga-Vereins tauschen, interessiert das nur noch Hardcore-Fans. Und die sind meist in kleineren Städten zu finden. Dort, wo auch Sponsorengelder und Hallen kleiner ausfallen. „Landball“ lästerte das Magazin „No Sports“ zuletzt nicht ganz zu Unrecht.

Wer kein Ticket mehr für das Spiel des HC Rhein Vikings gegen den THW Kiel bekommen hat, kann es live im Internet sehen: Sportstadt.TV, das Bewegtbildangebot der städtischen Sport-Agentur, überträgt ab 19.50 Uhr auf der Internetseite: sportstadt.tv

Folglich lockt der Sport, bei dem Millionen vor dem Fernseher mitfiebern, nur 4884 Zuschauer im Schnitt in eine Bundesliga-Halle. Selbst die Deutsche Eishockey Liga mit ihrer elendlangen Hauptrunde begrüßt etwa 2000 Fans mehr.

Der letzte Düsseldorfer Profiverein lockte im Schnitt nur 1500 Fans an

Wie viele es bei den Vikings sein werden, kann niemand mit Gewissheit vorhersagen, ein Blick in die Vergangenheit lässt aber nichts Gutes erahnen. Die HSG, der bislang letzte Düsseldorfer Club, der sich am Profihandball versuchte, lockte selbst in die erste Liga nicht mehr als 1500 Fans im Schnitt. Obwohl die Stadt seit Anfang der 80er Jahre durchgängig Erst- oder Zweitliga-Handball geboten bekommt. Als 2011 das Geld ausging, war der Verein Geschichte. Selbst die Fusion mit Dormagen scheiterte.

Bei den Vikings soll das nun anders werden. Dafür haben sich nicht nur ein gutes Jugendkonzept aufgestellt, sondern auch investiert. Bereits in der vergangenen Drittliga-Saison hatten die Neusser, die Funktionäre, Sponsoren, Spieler und Spielrecht in die Handball-Ehe einbringen, ein zweitligataugliches Team. Am Ende hatten sie von 30 Spielen 29 gewonnen. Nun haben sie nachgelegt. Fünf Neue kamen – alle aus der 1. oder 2. Bundesliga.

Ob die Fans aus Neuss daran viel Freude haben werden, ist fraglich. Denn sämtliche Spiele steigen in Düsseldorf, das seine Halle (Castello) und städtische Sponsoren („Sportstadt“, Stadtwerke) einbringt. Beides auf Drängen aus dem Rathaus, das dringend einen Mieter für das nahezu ungenutzte Castello braucht und dem Vernehmen nach auf Miete verzichtet.

Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer beharrte bei der Präsentation zwar darauf, dass die Städte gleichberechtigt seien, da es in Neuss aber keine vernünftige Halle gibt, wird es nicht lange dauern, ehe die Vikings als rein Düsseldorfer Verein wahrgenommen werden. Das Castello liegt schließlich nicht im Grenzgebiet der beiden Städte, sondern in der Nähe des Henkel-Werks. Wie lange sich die Fans aus Neuss das antun werden, wenn sie sich dort nicht mehr wiederfinden? Man weiß es nicht.

Bei den Vikings wissen sie um das Problem und versuchen den Spagat: Einerseits wollen sie dem Düsseldorfer Publikum sowie den Sponsoren einen weiteren großen Sportverein schmackhaft machen, andererseits dürfen sie die Basis aus Neuss nicht verprellen. Nicht umsonst sprach Geschäftsführer Koblenzer im Vorfeld des heutigen Kiel-Spiels von der „Region“, die „dieses Event so toll angenommen hat“. Nun geht es darum, in der dauerhafte Fans zu finden. Schließlich sollen die Leute ja wiederkommen, wenn es bald gegen biedere Zweitligisten geht und die Ergebnisse wichtig werden.

© WhatsBroadcast

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