Ballverlust, Balleroberung und Siegtor – alles in den letzten 30 Sekunden. Die Rhein Vikings feiern gegen Konstanz ihren ersten Sieg.

Handball
In den Sekunden nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr: Nicht nur die Spieler der Rhein Vikings stürmten auf den Platz und feierten den 24:23-Sieg über die HSG Konstanz.

In den Sekunden nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr: Nicht nur die Spieler der Rhein Vikings stürmten auf den Platz und feierten den 24:23-Sieg über die HSG Konstanz.

Horstmüller

In den Sekunden nach der Schlusssirene gab es kein Halten mehr: Nicht nur die Spieler der Rhein Vikings stürmten auf den Platz und feierten den 24:23-Sieg über die HSG Konstanz.

Düsseldorf. Vielleicht werden sie in ein paar Jahren sagen, dass an diesem Septemberabend alles angefangen hat. Vielleicht lassen sich manche Fans gar eins dieser „Ich-war-dabei“-T-Shirts drucken. Denn dieser Handball-Abend am Samstag im Castello war einer, den keiner so schnell vergessen wird. Weil er mit dem historischen ersten Sieg für den Zweitligisten HC Rhein Vikings endete, und weil die Schlussminute ein regelrechtes Spektakel bot.

23:23 stand es zwischen dem neuen Neuss-Düsseldorfer Kooperationsverein und der HSG Konstanz, die Vikings waren in Ballbesitz und hatten alle Chancen, das Siegtor zu erzielen. Doch dann der Schock: Schrittfehler, Ballbesitz und Siegchance Konstanz. Doch auch daraus wurde nichts, weil Thomas Bahn neun Sekunden vor Schluss den Ball erkämpfte, ihn auf den gleich lossprintenden Brian Gipperich weiterleitete und der fünf Sekunden später das 24:23 erzielte. Der Rest war eine einzige Party der Vikings und ihrer 1000 Fans.

„Einfach Wahnsinn“, befand Daniel Pankofer, der erst mal tief durchatmen musste. Denn nach der 20:30-Auftaktpleite vergangene Woche in Bietigheim und mit Blick auf das Spiel nächste Woche beim Erstliga-Absteiger in Balingen war ein Sieg gegen Konstanz Pflicht. Und: „Wir hatten den Druck, uns zu Hause gut präsentieren zu müssen“, sagte der nach Luft schnappende Routinier. Was weniger an dem Umstand lag, dass der erstligaerfahrene Rückraumspieler mittlerweile 36 Jahre alt ist, sondern an der Energieleistung, die er in der entscheidenden Phase gezeigt hatte. Fünf seiner sieben Tore erzielte Pankofer in der letzten Viertelstunde.

Es war die Phase, in der ein zuvor nahezu einseitiges Spiel endgültig zu kippen drohte. Bis dahin waren die Rheinländer die klar bessere Mannschaft gewesen. Mit der nötigen Ruhe am Ball und teilweise beeindruckenden Kombinationen hatten sie sich bis Minute 37 auf vier Tore abgesetzt (16:12).

Die erstligaerfahrenen Routiniers Pankofer und Oelze gehen voran

Doch dann schwand nicht nur die Kraft, „auch von den Emotionen her haben wir ein bisschen nachgelassen“, sagte Pankofer. Plötzlich kamen die Gäste zu leichten Toren, während den nun schwerfälligen Vikings nichts mehr einfallen wollte. Klare Abschlusschancen gab es kaum noch – und wenn doch, wurden sie teilweise kläglich vergeben. So wurde aus dem 16:12 ein 16:17 (42.).

Tor Bozic, Moldrup (Tor) Feld Hoße (2), Handschke, Bahn, Thomas, Klasmann (1), Oelze (6), Pankofer (7/3), Weis (1), Gipperich (4), Bornemann (n.e.), Aust (2), Artmann (n.e.), Coric (1).

Vikings 5/6, Konstanz 3/4

Vikings 5, Konstanz 4

Gerechnet hatten sie mit 700, gekommen waren fast 1000. Er sei „sehr froh“, sagte Geschäftsführer René Witte und hoffte, „dass wir Lust auf mehr gemacht haben“. Einziger Wermutstropfen war der Internet-Ausfall kurz vor Beginn des Spiels, weswegen die Tickets per Hand ausgestellt werden mussten. „Ich möchte mich bei den Zuschauern entschuldigen, die fünf oder zehn Minuten später in die Halle gekommen sind“, sagte Witte.

Es brauchte einen, der voran geht, und es ging einer voran: Daniel Pankofer. Der Routinier versuchte es nun immer wieder auf eigene Faust und war damit erfolgreich. „Ich habe mich gut gefühlt, dann kann ich in die Eins-gegen-Eins-Situation gehen“, sagte er, wollte aber festgehalten wissen, dass er nicht der einzige Erfolgsgarant gewesen sei. Auch Alexander Oelze (sechs Tore) und „die ganze Abwehr“ hätten vieles richtig gemacht.

Das hatte auch Trainer Ceven Klatt so gesehen. Es sei eben ein Unterschied, wenn er wieder auf Abwehrspezialisten wie Heider Thomas und Dennis Aust zurückgreifen könne. Und wenn Leute wie Pankofer und Oelze aufdrehen.

Diese „beiden Extrakönner, die aus dem Nichts Tore erzielen“, hatte auch Gäste-Trainer Daniel Eblen als entscheidend ausgemacht. Was Klatt bei der Pressekonferenz ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er hätte so eine Leistung von seinen beiden Führungsspielern gefordert. „Die sind prädestiniert dafür, dafür haben die auch mal Bundesliga gespielt“, sagte Klatt und sprach von einem „sehr emotionalen Sieg“.

Der sei langfristig vielleicht sogar mehr wert als ein ungefährdeter Erfolg mit zehn Toren Vorsprung. Für die Mannschaft, die Fans und den ganzen Verein. Vielleicht werden alle Beteiligten selbst in ein paar Jahren noch von diesem Handball-Abend schwärmen.

© WhatsBroadcast

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