Robert Chemonges gewinnt überraschend den Marathon. Der junge Mann aus Uganda zeigt ein taktisch ganz starkes Rennen.

Leichtathletik
Die Profis aus Afrika setzten sich nach dem Start an die Spitze. Darunter auch der spätere Sieger Robert Chemonges (rechts, Startnummer 6).

Die Profis aus Afrika setzten sich nach dem Start an die Spitze. Darunter auch der spätere Sieger Robert Chemonges (rechts, Startnummer 6).

Franke

Die Profis aus Afrika setzten sich nach dem Start an die Spitze. Darunter auch der spätere Sieger Robert Chemonges (rechts, Startnummer 6).

Düsseldorf. Am Ende staunten selbst die Experten: Mehr als 16 000 Läufer hatten am Sonntag zum 15. Mal weite Teile von Düsseldorf in eine Laufarena verwandelt, und Sieger auf der 42,2 Kilometer langen Strecke wurde der kaum 20-jährige Robert Chemonges aus Uganda. Zwar war es bereits sein dritter Marathon, aber sein erster Erfolg. Dass er am Ende als Sieger über die Ziellinie laufen würde, hatte kaum einer erwartet. Was Athleten-Manager Christoph Kopp (Berlin) aber nicht davon abhielt, den jungen Mann, der in Italien trainiert und gerade die Schule abgeschlossen hat, zu loben: „Er ist extrem klug gelaufen und hat nicht zu viel riskiert.“

Als die Konkurrenz bei der 35-Kilometer-Marke nachließ, hatte Robert erst richtig losgelegt und 45 Sekunden Vorsprung herausgelaufen. Am Ende war seine Zeit gar 15 Sekunden schneller als die des Vorjahressiegers. „Ich bin mit meiner Zeit von 2:10:30-Stunden zufrieden“, sagte er bescheiden und hofft, dass er nun für die WM im August in London von seinem nationalen Verband nominiert wird.

Der mit der schnellsten Bestzeit ins Rennen gegangene 32-jährige Kenianer Josphat Ndambiri kam lediglich als Vierter nach 2:15:33-Stunden ins Ziel und war enttäuscht. „Ich wollte das Rennen unbedingt gewinnen, doch ab Kilometer 35 konnte ich nicht mehr mithalten.“ Der aus Eritrea stammende Norweger Weldu Gebretsadik war als Zweiter in 2:11:13-Stunden ins Ziel gekommen vor dem nun für Polen laufenden Kenianer Yared Shegumo (2:12:30). Als bester Deutscher kam dann der aus Polen stammende Schwarzwälder Marcin Blazinski (2:17:06) ins Ziel und lief deutsche Jahres-Bestzeit.

Die hätte Julian Flügel (ART) zu gerne geschafft, der mit 2:19:24-Stunden als Sechster über die Zielmatte kam. „Immerhin noch unter 2:20-Stunden, damit bin zufrieden in Anbetracht meiner fast vierwöchigen Trainingspause im März“. Bis Kilometer 25 hatte er von seinen Clubkollegen Sebastian Reinwand und Andreas Straßner Begleitung gehabt, dann musste er sich allein auf dem Weg machen. „Ich dachte schon, weil ich mich nicht gut fühlte, dass das heute überhaupt nichts mehr werden würde. Aber dann habe ich bei Kilometer 34 den zweiten Wind gekriegt.“

Siegerin Doroteia Alves schafft die Norm für die WM in London

Den zeitweilig böigen Wind im zweiten Teil des Rennens machte Christoph Kopp dafür verantwortlich, dass die Siegerzeit nicht unter 2:10-Stunden gelegen hatte. „Der Gegenwind hat den Läufern mindestens eine Minute gekostet“. Um so bemerkenswerter die Leistung der 32-jährigen Portugiesin Doroteia Alves, die auf die Sekunde genau die WM-Normzeit für London mit 2:32:00-Stunden lief und sich um vier Minuten steigern konnte. Zeitweilig sah es so aus, als ob die noch reichlich unerfahrene Sara Makera (Tansania) das Rennen in einer Zeit von 2:27-Stunden gewinnen würde. Sie hatte aber hoffnungslos überpaced, war den ersten Kilometer in 3:07 Minuten gelaufen und hatte vielen männlichen Top-Läufern einen Schrecken eingejagt. Sie schaffte dann doch nur 2:33:05- Stunden und war alles andere als zufrieden – im Gegensatz zu der 36-jährigen Carmen Aguila Martínez, die für Paraguay in 2:35:14-Stunden einen neuen Landes-Rekord lief.

Zufrieden und unzufrieden zugleich war Renndirektor Jan Winschermann (Rhein-Marathon). „Mit der Siegerzeit bin ich zufrieden, aber traurig darüber, dass wir wohl wegen des Mai-Feiertags Läufer weniger hatten.“ Umso glücklicher war er aber, dass die gesamte Organisation trotz des erheblich ausgeweiteten Sicherheitskonzept perfekt geklappt hatte.

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