Boris Becker beim World-Team-Cup
Eine Miniatur-Ausführung des ATP-World-Team-Cups betrachtet Teamchef Boris Becker am 24.05.1998 im Düsseldorfer Rochusclub nach dem erneuten Gewinn der Mannschafts-Weltmeisterschaft. (Foto: dpa)

Eine Miniatur-Ausführung des ATP-World-Team-Cups betrachtet Teamchef Boris Becker am 24.05.1998 im Düsseldorfer Rochusclub nach dem erneuten Gewinn der Mannschafts-Weltmeisterschaft. (Foto: dpa)

Gero Breloer

Eine Miniatur-Ausführung des ATP-World-Team-Cups betrachtet Teamchef Boris Becker am 24.05.1998 im Düsseldorfer Rochusclub nach dem erneuten Gewinn der Mannschafts-Weltmeisterschaft. (Foto: dpa)

Düsseldorf (dpa). Schwarzer Tag für die deutschen Tennis-Fans: Nach 33 Jahren muss das traditionsreiche Turnier um den World Team Cup im Düsseldorfer Rochusclub aus finanziellen Gründen aufgeben. Nach dem Ausstieg des langjährigen Titelsponsors ARAG, der das Turnier zuletzt mit rund 1,3 Millionen Euro unterstützte, haben die Organisatoren trotz intensiver Gespräche keinen neuen Hauptgeldgeber für die Mannschafts-WM gefunden.

„Wir konnten das finanzielle Risiko nicht tragen, die Lücke im Etat ist einfach zu groß“, begründete Turnierdirektor Dietloff von Arnim am Montag das endgültige Aus. „Ich bin sehr traurig, weil ich glaube, dass es nicht nur für die Stadt Düsseldorf ein schwarzer Tag ist“, bedauerte Turnier-Erfinder Horst Klosterkemper, der den Wettbewerb 1978 aus der Taufe gehoben hatte. „Wir haben 33 Jahre lang den Namen der Stadt in alle Welt hinaus getragen“, erklärte Klosterkemper.

Trotz des Imagegewinns für Düsseldorf konnte oder wollte die Landeshauptstadt Nordrhein- Westfalens nicht helfen, war nicht bereit, die Lücke von etwa 1,5 Millionen Euro im Gesamtbudget von vier bis fünf Millionen Euro zu schließen. Bei vielen Tennis-Assen war der World Team Cup auch wegen der familiären Atmosphäre beliebt. Boris Becker, Michael Stich, John McEnroe, Ivan Lendl oder Stefan Edberg schlugen einst regelmäßig im Rochusclub auf und nutzten das Turnier zur Vorbereitung auf die anschließenden French Open.

Mit vier Titeln gehört Deutschland neben Spanien, den USA, Argentinien und Schweden zu den Rekordgewinnern der seit einigen Jahren offiziellen Mannschafts-Weltmeisterschaft. Doch zuletzt fanden immer weniger große Stars den Weg an den Rhein, auch die Zuschauerresonanz ließ nach. Asse wie Rafael Nadal und Roger Federer spielten nie im Rochusclub, weil das Turnier nicht in ihre Saisonplanung passte oder Show-Events lukrativer waren. „Die Entwicklung in den letzten Jahren ist gegen uns gelaufen“, meinte Klosterkemper, der in Deutschland einen generellen Trend ausmacht.

Denn schließlich verschwanden schon die Damen-Turniere in Berlin und Hamburg oder die einst in Frankfurt ausgetragene ATP-WM nach dem Ende des Tennis-Booms vom Kalender. Andere Veranstaltungen wie das Turnier am Hamburger Rothenbaum wurden in die zweite oder dritte Kategorie zurückgestuft. „Deutschland fällt nach den Hoch-Zeiten mit Becker und Graf leider negativ aus dem Rahmen“, verwies Klosterkemper auf den internationalen Vergleich. Zwar boten auch der ehemalige Wimbledon-Sieger Stich oder Thomas Haas aus Florida ihre Unterstützung an, doch letztlich blieben alle Gespräche mit interessierten Sponsoren sowie mit der Führung des Deutschen Tennis Bundes (DTB) ergebnislos.

Gleichwohl glaubt Klosterkemper noch immer an die Faszination des Sports. „Tennis ist ein schlafender Riese. Aber die öffentliche Wahrnehmung entspricht nicht der Kraft der Sportart.“ Von Armin hält die Fortsetzung der Mannschaft-WM trotz des „tollen Formats“ für unwahrscheinlich, auch weil in der Spieler- und Veranstaltungsvereinigung ATP die Unterstützung fehlt. In Düsseldorf ist das Aus endgültig: „Wenn nicht noch das Christkind kommt und uns das Geld gibt. Aber daran glaube ich nicht.“

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