Marcel Wernicke steht mit der HSG Düsseldorf vor dem Aufstieg ins Oberhaus – und warnt vor Überheblichkeit.

Marcel Wernicke lebt von seiner Dynamik. (Foto Hajo Lange)
Marcel Wernicke lebt von seiner Dynamik. (Foto Hajo Lange)

Marcel Wernicke lebt von seiner Dynamik. (Foto Hajo Lange)

Marcel Wernicke lebt von seiner Dynamik. (Foto Hajo Lange)

Düsseldorf. Auch bei der HSG Düsseldorf fließt derzeit der Schweiß in Strömen. Die Aufbauarbeit für den Start nach der Winterpause in der 2. Handball-Bundesliga ist in vollem Gange. Wir sprachen mit HSG-Linksaußen Marcel Wernicke über das Training, die Ziele des Vereins und die Träume des 27-Jährigen.

Herr Wernicke, wie geht es Ihrem Körper nach jetzt einer guten Woche harter Trainingsarbeit?

Wernicke: Man spürt schon jeden Knochen in so einer klassischen Vorbereitung. Es ist aber unheimlich wichtig, dass wir für den Rest der noch langen Saison die Grundlagen schaffen. Dabei sind wir übrigens nicht so viel auf der Laufbahn, sondern holen uns die Ausdauerhärte beispielsweise durch viele Laufspiele, die sehr stark belasten, damit wir in den Spielen auch in der Endphase noch klaren Kopf bewahren können.

Die HSG hat als Tabellenführer fünf Punkte Vorsprung. Nimmt man da die Vorbereitung nicht ganz so ernst?

Wernicke: Zurücklehnen wäre das Falscheste, was wir machen können. Der Vorsprung ist nicht schlecht. Aber sobald man nicht mehr 100 Prozent gibt, ist es bereits zu spät. Unser Trainer (Georgi Sviridenko) weist uns immer darauf hin, dass wir bisher noch nichts erreicht haben.

Geboren: 27. Novermber 1981; Geburtsort: Düsseldorf; Grösse: 1,94 m; Gewicht: 89 kg; Rückennummer: 17; Position: Linksaußen; Erfolge: Westdeutscher Meister 2002, 3x Bundesliga-Relegation; Verein: seit 1. Juli 2007 bei der HSG, vorher TSV Bayer Dormagen

Die Mannschaft spielt nicht konstant auf hohem Niveau. Wie erklären Sie sich das?

Wernicke: Die Schwankungen sind meiner Meinung nach normal. Die Gegner haben gegen uns nichts zu verlieren, spielen ohne Druck und wachsen dann über sich hinaus. Dennoch haben wir die meisten Spiele, in denen wir unter dem Favoritendruck standen, gewonnen.

"Ich habe schon als Kind davon geträumt, irgendwann einmal gegen den THW Kiel zu spielen."

(Marcel Wernicke)

Warum fehlt denn die Konstanz?

Wernicke: Es ist nicht möglich, eine ganze Saison auf höchstem Niveau durchzuspielen. Da wir auch gerade auf der Schlüsselposition im Rückraum Mitte junge Spieler haben, kann man dies auch nicht verlangen. Im Laufe der Zeit wachsen wir aber immer besser zusammen.

Wie ist die Stimmung im Team? Man weiß ja, dass bei einem Aufstieg neue Spieler kommen.

Wernicke: Wir haben sehr viel Spaß zusammen und unternehmen auch privat einiges zusammen. So schauen wir jetzt gemeinsam WM-Spiele oder gehen essen. Es gibt im Kader keine Probleme. Aber es ist auch klar, dass wir uns im Rückraum für die Bundesliga verstärken müssen. Dort benötigen wir noch mindestens einen erstligaerfahrenen Spieler.

Die Zielsetzung des Vereins ist nach einem Aufstieg mittelfristig nichts mehr mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wie sehen Sie das?

Wernicke: Ich schaue erst einmal auf das erste Jahr. Dort wird alles dem Klassenerhalt untergeordnet sein. Denn Düsseldorf hat die 1. Liga verdient. Alles andere, was danach kommt, muss sich an den Möglichkeiten des Etats orientieren.

Sie sprechen da gleich noch ein Problem an. Die Fans kommen nicht so zahlreich wie erhofft zu HSG-Spielen. Warum?

Wernicke: Wir haben schon viele gute Fans. Dennoch ist es nicht leicht, als Zweitligist eine so große Halle zu füllen, auch von der Stimmung her. Die sportliche Konkurrenz in der Stadt ist groß, und ich erhoffe mir wesentlich mehr Zuspruch, wenn wir in der Bundesliga angekommen sind.

Es wäre Ihr erstes Jahr in der Bundesliga. Was empfinden Sie?

Wernicke: Es wird ein Abenteuer für mich, denn ich möchte mich sofort in dieser Klasse etablieren. Alles andere wird die Zeit zeigen. Nur so viel: ich habe als Kind schon davon geträumt, irgendwann einmal gegen den THW Kiel zu spielen. Deshalb bin ich unglaublich heiß auf den Aufstieg.

Ein paar Worte noch zum Trainer. Wie beurteilen Sie die Probleme, die kürzlich zwischen Manager Flatten und Trainer Sviridenko auftraten?

Wernicke: Ich habe den Disput nicht aus der Nähe miterlebt. Ich denke, es war ein Missverständnis, weil beide das gleiche Ziel verfolgen. Und der Trainer macht uns unglaublich heiß, stellt uns mit seinem akribischen Videostudium gut ein und verlangt genau wie Frank Flatten von uns 110prozentigen Kampf und Einsatz. Andererseits kann ich den Manager verstehen, wenn er sagt, dass der Aufstieg für den Trainer in diesem Jahr Pflicht ist.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen neben dem Sport für andere Dinge?

Wernicke: Der Handball nimmt derzeit viel Zeit in Anspruch und ich konzentriere mich sehr darauf. Da ich derzeit ein Praktikum beim Fernsehsender ,center-tv’ mache, bleibt ohnehin kaum Raum für was anderes. Übrigens habe ich früher für den Südkurier über Handball geschrieben.

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