Der Düsseldorfer setzt sich im Heimspiel bei den „Top 12“ souverän durch.

Timo Boll ist athletisch derzeit in Topform und bringt auch diesen Ball zurück auf die Platte.
Timo Boll ist athletisch derzeit in Topform und bringt auch diesen Ball zurück auf die Platte.

Timo Boll ist athletisch derzeit in Topform und bringt auch diesen Ball zurück auf die Platte.

Christof Wolff

Timo Boll ist athletisch derzeit in Topform und bringt auch diesen Ball zurück auf die Platte.

Düsseldorf. Timo Boll inspirierte sicher die Nähe zu seinem Arbeitgeber Borussia Düsseldorf. Vladimir Samsonov dürfte vielleicht die Erinnerung an höchst erfolgreiche Zeiten beflügelt haben, immerhin hatte der Weißrusse sieben Jahre in Düsseldorf Titel gesammelt.

So marschierten die beiden Tischtennis-Profis am Samstag und Sonntag fast ungehindert durch das europäische "Top 12"-Turnier in Düsseldorf - bis in das logische Finale. Selbst Michael Maze im Halbfinale des mit insgesamt 70 000 Euro dotierten Turniers wurde von Boll in einer fast schon beängstigenden Dominanz beherrscht.

Das Endspiel des besten (Boll) gegen den zweitbesten Europäer (Samsonov) in der Tischtennis-Welt war dafür aber von einem anderen Kaliber. Vor knapp 3000 Zuschauern führte Samsonov schnell mit 2:0, später mit 3:1 Sätzen, aber am Ende nahm Boll den Sieger-Scheck über 9000 Euro entgegen. In sieben hochklassigen Sätzen konnte sich der 27-Jährige durchsetzen und freute sich anschließend über seinen vierten Sieg beim "Europe Top 12".

"Das ist schon besonders schön, diesen Erfolg vor heimischem Publikum zu schaffen", sagte der Spitzenspieler der Borussia. Bei den "Boll-Festspielen" blieb für Mannschaftskollege Dimitrij Ovtcharov nur eine Nebenrolle übrig. Zwar zog der 20-Jährige wie im Vorjahr ins Viertelfinale ein, stolperte dort aber über Ex-Borusse Maze, dem er in einem attraktiven Spiel mit 2:4 unterlag.

"Ich habe meine Halbfinal-Chance nicht gegen Maze, sondern schon in der Gruppe gegen Persson verspielt", sagte Ovtcharov, der einer vergebenen 3:1-Führung gegen den Schweden nachtrauerte. "Das Spiel gegen Jörgen muss ich eigentlich nach Hause bringen. Dann bin ich Gruppenerster und habe eine ganz andere Ausgangsposition."

Der Zuschauerzuspruch ist trotz starken Leistungen nicht ideal

Vorrunde
Gruppe A: Boll (GER) - Primorac (CRO) 4:0, Boll - Crisan (ROM) 4:0, Crisan - Primorac 4:1
Gruppe C: Ovtcharov (GER) - Gardos (AUT) 4:1, Ovtcharov - Persson (SWE) 4:3, Persson - Gardos 4:0;

Viertelfinale: Boll - Chen 4:1, Ovtcharov - Maze 2:4, Kreanga - Persson 4:1, Samsonov - Crisan 4:2;

Halbfinale: Boll - Maze 4:1, Samsonov - Kreanga 4:1;

Finale: Boll - Samsonov 4:3

Als Wu Jiadou den Matchball vehement über die Tischtennis-Platte geschmettert hatte, tauchte sie kurz unter. Aber Sekunden später holte sich die einzige Deutsche in der Damen-Konkurrenz beim "Europe Top 12" den Applaus des Publikums ab. Immerhin hatte es die fünftbeste Europäerin ins Halbfinale geschafft, in dem sie der Polin Li Qian, der späteren Siegerin, nach großem Kampf 3:4 unterlag. Als Siegerin ihrer Vorrundengruppe hatte die 31-Jährige im Viertelfinale gegen die Kroatin Tamara Boros (4:2), Top-12-Siegerin von ’02 und ’06, begeistert.

Weil Wu Jiadou das Halbfinale bei den Damen erreicht hatte, war Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), aus sportlicher Sicht "mit dem Gesamtergebnis zufrieden. Alle drei deutschen Starter haben ein starkes Turnier gespielt".

Etwas weniger Zufriedenheit bei den Veranstaltern: Zusammen waren "nur" rund 5500 Zuschauer an den beiden Tagen anwesend. "Wir hatten uns natürlich eine ausverkaufte Halle gewünscht", sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert.

Christian Koke von der Düsseldorfer Sportagentur nannte "einen Batzen von Veranstaltungen in diesen Tagen" zwischen Sport und Karneval als einen möglichen Grund für die zum "Ausverkauft" fehlenden 1500 Zuschauer. Man wolle "die Ursachen erforschen", sagte Weikert, und es im nächsten Jahr besser machen. Dann wird das "Europe Top 12" - der DTTB hat mangels Bewerbern die Austragung bis 2013 in der Hand - erneut in Düsseldorf stattfinden.

Stimmen zum Turnier

"Diese Halle ist ein idealer Veranstaltungsort für Tischtennis - spätestens im nächsten Jahr sehen wir uns wieder."

Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes

"Timo Boll ist auf dem Weg zurück nach ganz oben in der Weltrangliste."

Dirk Schimmelpfennig, Sportdirektor des DTTB

"Er redet nicht gerne darüber, aber jeder weiß es: Timo ist hier der große Favorit."

Vladimir Samsonov, Ex-Borusse, nachdem Boll bei der Auslosung tief stapelte und die Vorrunde als "nicht leicht" bezeichnet hatte

"Es ist seit Weihnachten mein bestes Turnier."

Wu Jiadou, deutsche Nationalspielerin

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