Der Ex-Sportdirektor übt scharfe Kritik an der Vereinspolitik und auch an den Verantwortlichen.

Der Ex-Sportdirektor übt scharfe Kritik an der Vereinspolitik und auch an den Verantwortlichen.
Wolf Werner übt scharfe Kritik an der derzeitigen Vereinsführung.

Wolf Werner übt scharfe Kritik an der derzeitigen Vereinsführung.

Auf dem diesjährigen Neujahrsempfang im Januar standen sie zusammen: Fortunas Trainer Marco Kurz und Sportdirektor Rachid Azzouzi sowie Peter Frymuth und Wolf Werner.

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Wolf Werner übt scharfe Kritik an der derzeitigen Vereinsführung.

Düsseldorf. Zehn Tage vor dem ersten Punktspiel der Fortuna im neuen Jahr reißt bei Wolf Werner der Geduldsfaden. „Ich telefoniere gelegentlich mit Peter Frymuth und logischerweise machen wir uns Gedanken und Sorgen über die beiden letzten Jahre. Auch wenn die anderen sich nicht öffentlich äußern: Momentan ist uns allen angst und bange“, sagt der 73-Jährige im Gespräch mit der WZ.

Inzwischen ist sein Ärger über die desolate Situation der Fortuna noch größer als seine Sorge um den Verein. Kritik übt Werner nicht nur an der miserablen Platzierung in der Tabelle. „Was mich persönlich unheimlich betroffen macht, ist, dass in den Gremien des Vereins in den vergangenen beiden Jahren so viel daneben gegangen ist“, sagt Werner. „Ich bin geschockt über die Personalentscheidungen und die Welle der Entlassungen und Beurlaubungen. Man kann diese Entwicklung schon karnevalistisch nennen.“

„Hatten Dirk Kall und Helmut Schulte überhaupt eine Chance?“

Werners Unmut richtet sich gegen den Aufsichtsrat. Viele Personalentscheidungen seien durch dieselben Verantwortlichen kurzfristig wieder korrigiert worden. Als Beispiel nennt der ehemalige Manager den Wechsel von Dirk Kall von der Spitze des Aufsichtsrates in die Führungsposition des Vorstandes und die Personalie Helmut Schulte, Werners Nachfolger. „Herr Kall war mehr als fünf Jahre Vorsitzender des Aufsichtsrates. Hat man ihn falsch eingeschätzt oder hatte er mit Helmut Schulte zusammen überhaupt eine echte Chance?“, fragt Werner. „Oder die Anzahl der Trainer. Das ist ein Zeichen mangelnder Kontinuität, was nicht zur Stabilität einer Mannschaft führen kann.“

Mit großem Argwohn verfolgt Wolf Werner auch die Rückkehr von Reinhold Ernst Anfang Dezember des vergangenen Jahres an die Spitze des Aufsichtsrates. „Natürlich habe ich mich gewundert, dass Dr. Ernst nach seinem unfassbaren Hinwerfen, das die Jahreshauptversammlung 2009 platzen ließ, wieder Chef wurde. Ich hätte das kritisch hinterfragt“, sagt Werner.

Reinhold Ernst, Partner der international tätigen Anwaltskanzlei Hengeler Mueller, hatte während seiner ersten Amtszeit an der Spitze des Gremiums eine Lösung für die Sportwelt-Schulden sowie eine Einigung mit der Arena über einen Mieterlass für den seinerzeit mit über drei Millionen Euro verschuldeten Verein erreicht. Er war im April 2009 nach knapp einjähriger Amtszeit zur allgemeinen Überraschung zurückgetreten und hatte seine Entscheidung mit „mangelnder Rückendeckung“ begründet.

„Ich hätte Lumpi bei Fortuna eine Lebensstellung gegeben“

Ab April 2007 bis Februar 2014 war Werner bei Fortuna Düsseldorf tätig – als Sportmanager und Vorstandsmitglied Sport. Von November 2007 bis Ende Dezember 2007 fungierte er zwischenzeitlich auch als Interimstrainer der Fortuna. Am 1. Januar 2008 verpflichtete Werner einen neuen Trainer – Norbert Meier. Am 3. Februar 2014 gab die Fortuna bekannt, dass Wolf Werner mit sofortiger Wirkung vom Amt des Sportvorstandes zurückgetreten sei, nachdem er rund einen Monat Nachfolger Helmut Schulte eingearbeitet hatte.

„Ich habe das Gefühl, dass der Aufsichtsrat inzwischen die Führung des Vereins übernommen hat. Der Aufsichtsrat missversteht offenbar seine Aufgabe, denn er mischt sich viel zu oft in das operative Geschäft ein.“ Das sei das Problem. Die Aufgabe dieses Gremiums sei es laut Werner, den Vorstand zu bestimmen und zu kontrollieren. „Nicht mehr und nicht weniger“, grantelt der 73-Jährige hörbar verstimmt.

Und führt ein weiteres Beispiel an: „Auch ich bin einmal von einem Aufsichtsratsmitglied aufgefordert worden, die Aufstellung von Lumpi Lambertz beim Trainer in Frage zu stellen. Das hat etwas mit Respektlosigkeit gegenüber dem Spieler und gegenüber dem Trainer zu tun. Das geht gar nicht. Ich habe gesagt: Welche Tipps wollen Sie mir geben? Wie man viel Geld verdient? Das haben Sie, davon verstehen Sie etwas. Aber nicht vom Fußball.“ Ein Aufsichtsrat müsse die sportliche Leitung in Ruhe arbeiten lassen. Überhaupt sei die Trennung von Lumpi „der allergrößte Fehler“ gewesen. „Er fehlt bei Fortuna an allen Ecken und Kanten. Ihn machen Kampf, Herz und Leidenschaft aus. Die Respektlosigkeit und die Undankbarkeit ihm gegenüber gehen gar nicht. Ich hätte Lumpi bei Fortuna eine Lebensstellung gegeben“, sagt der Ex-Manager.

„Die Entwicklung und aktuelle Situation bereiten mir Schmerzen“

Kein gutes Haar lässt Werner auch an der inzwischen über dreieinhalb Monate währenden Suche nach einem Nachfolger für den früheren Vorstandsvorsitzenden Dirk Kall. „Was mich richtig schockiert ist, dass jetzt wohl ein Nicht-Düsseldorfer Vorstandsvorsitzender dieses Traditionsvereins wird. Das fände ich blamabel“, sagt der 73-Jährige. Düsseldorf rühme sich, eine Weltstadt zu sein, eine Sportstadt. „Und hier soll es keinen geeigneten Vorstandsvorsitzenden geben, der den Zweitligisten zurück in die Erfolgsspur führt? Ich kann und will das nicht glauben.“

Wolf Werner möchte mit seiner aktuellen Kritik etwas bewegen. „Es ist ein Weckruf an alle in der sportlichen Führung, dass Sie sich nicht ablenken lassen sollen, aber auch eine Aufforderung an den Aufsichtsrat, endlich für klare Strukturen zu sorgen“, erklärt er. Und legt mit einem Blick auf seine Zeit bei Fortuna noch einmal nach: „Wie wollen Sie mit Leuten zusammenarbeiten, die nur ihre persönlichen Interessen verfolgen?“ Begriffe wie Respekt, Anerkennung von erbrachten Leistungen und Achtung seien wichtig.

„Die Entwicklung und die aktuelle Situation der Fortuna bereiten mir körperliche Schmerzen.“ Der Vorstand um Peter Frymuth, Werner Sesterhenn, Thomas Allofs, Hermann Tecklenburg, Paul Jäger und Sven Mühlenbeck, und Werner hätten fast zehn Jahre benötigt, um Fortuna wieder im Profifußball zu etablieren. „Alle machen sich Riesensorgen und ich habe das Gefühl, dass diese Sorgen berechtigt sind. Es geht nur um Fortuna, das sollten sich alle in ihre Köpfe einhämmern.“

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