Fortuna Düsseldorf stellt seinen neuen Mann auf der Bank vor. der Verein glaubt, den genau richtigen Mann aus dem Wartestand geholt zu haben.

Kurz Vorstellung
Marco Kurz will die Fortuna vor dem Abstieg retten.

Marco Kurz will die Fortuna vor dem Abstieg retten.

Christof Wolff

Marco Kurz will die Fortuna vor dem Abstieg retten.

Düsseldorf. Marco Kurz erzählte kurz von sich und seinem neuen Verein, tolle Fans, tolle Stadt, tolle Möglichkeiten, alles war fast wie immer. Dann hielt er kurz inne und sagte: „Und jetzt beantworte ich gerne ihre Fragen.“

Journalisten sind bisweilen gewohnt, nicht immer höflich behandelt zu werden. Sie arbeiten sich dann auch gerne mal an ihrem Gegenüber ab. Aber Marco Kurz hat diesbezüglich am Donnerstag, als er am Mittag in den Katakomben der Düsseldorfer Arena zwei Wochen nach Vertragsfixierung als Cheftrainer des in Schieflage geratenen Fußball-Zweitligisten vorgestellt wurde, keinen Anlass zur Sorge gegeben. Eher leise als laut, nachdenklich und seriös präsentierte sich ein Fußball-Trainer, den lange niemand mehr gefragt hatte in der Branche.

Zwei Jahre war Kurz runter vom begehrten Trainer-Karussell. Guter Auftakt der Karriere bei 1860 München, richtig starke Entwicklung in Kaiserslautern mit Aufstieg und Platz sieben in der ersten Liga, verheißungsvolle Prognosen, dann der Absturz. Pleitenserie in Lautern, zwei völlig verkorkste Engagements in Hoffenheim und Ingolstadt folgten. Es hatte sich kaum gelohnt, dort heimisch zu werden. Danach rief keiner mehr an. Kurz sagte am Donnerstag, er habe die Zeit genutzt, er habe hier und dort hospitiert, viele Trainer getroffen und Kontakte in der Szene gesucht, ohne „überall sein Gesicht reinzuhalten“. Fortuna Düsseldorf soll davon profitieren.

„Ich habe meine Stärken gestärkt. Dazu hat man mitten im Betrieb kaum Zeit, weil man voll auf seine Aufgabe fokussiert ist“, sagte Kurz am Donnerstag, als Sportmanager Rachid Azzouzi und Interims-Vorstand Paul Jäger den 46-Jährigen als lang recherchierte Lösung präsentierten, die übrig blieb, als eine „lange Liste von Namen, die man im Kopf hat“ abgearbeitet war. Azzouzi glaubt, gerade „die Rückschläge machen einen Trainer auch aus“.

Sie sind überzeugt vom Neuen nach einigen Gesprächen. „Ich war es auch schnell“, sagte Kurz. Es soll jetzt passen, erstes Ziel: Klassenerhalt. In Düsseldorf ist nach Norbert Meier kein Trainer mehr glücklich geworden, kein Mike Büskens, kein Lorenz-Günther Köstner, kein Oliver Reck, auch kein Frank Kramer, allesamt warten die jetzt auf ihren nächsten Job. Kurz hat jetzt wieder einen, es soll lange währen. Es gilt, die jüngste Aufwärtstendenz unter Interimstrainer Peter Hermann, der Kurz von nun an unterstützen wird, wie er noch jeden Cheftrainer unterstützt hat, fortzusetzen. Und zu festigen. „Wir müssen alle noch eine Schippe drauflegen“, sagt Azzouzi, der einen „Deckel auf 2015“ will. Weil Düsseldorf auf ein Jahr gerechnet das schlechteste Zweitliga-Team überhaupt gewesen ist.

Kurz will ein „Teamplayer“ sein, er will eine „wahnsinnig intensive Vorbereitungsphase“, er will viel verlangen von seinen Spielern, die er für fähig hält „zu bestehen in der 2. Liga“. Und er will schauen, wen er antrifft: „Habe ich eine stabile Mannschaft? Eine gute Balance?“ Verstärkungen sind nicht ausgeschlossen. „Aber nur, wenn es uns wirklich hilft“, sagt Azzouzi.

Kurz wird es herausbekommen und die Spieler vorbereiten auf die 15 verbleibenden Spiele in der Rückrunde, in der Düsseldorf sich von Platz 15 – gerade eben über dem Strich – nach vorne arbeiten soll, arbeiten muss. Er will einen „gemeinsamen Mannschaftsblock“, jeder Spieler müsse wissen, „wie seine Aufgabe ist und wo er stehen muss“, er will „Kompaktheit“ – und er will „Tore“. Mehr Tore vor allem. Die Fortuna-Offensive war in der Hinserie ein laues Lüftchen ohne Fortune und oft auch ohne Bälle, 15 Tore sind ein Negativwert, dem nur die beiden Zweitliga-Kellerkinder 1860 München und der MSV Duisburg standhalten können.

„Es reicht nicht, hinten dicht zu sein, du brauchst auch ein Tor mehr als der Gegner“, sagt Kurz. Soll heißen: Man darf sich in Düsseldorf auf eine kontrollierte Offensive einstellen, Kurz hatte schon in Lautern seine größten Erfolge mit einer starken Abwehrformation. Es wird auch am Trainer hängen, über positive Ergebnisse Vertrauen zurückzugewinnen, das in Düsseldorf auf zermürbende Art verloren gegangen war. Vertrauen für den Verein. Und für sich. Kurz kann Vertrauen gebrauchen.
 

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