Der Verteidiger war eigentlich bereits aussortiert. Jetzt übernimmt er als erfahrener Spieler eine wichtige Rolle.

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Christian Weber ist nicht nur auf dem Rasen bei Fortuna ein gefragter Mann. Fotos (2): Christof Wolff

Christian Weber ist nicht nur auf dem Rasen bei Fortuna ein gefragter Mann. Fotos (2): Christof Wolff

Christof Wolff

Christian Weber ist nicht nur auf dem Rasen bei Fortuna ein gefragter Mann. Fotos (2): Christof Wolff

Düsseldorf. Christian Weber blickt ungläubig auf die Truhe mit den kunterbunten Fußballschuhen. „Wo sind die jungen Spieler?“, fragt der 30-Jährige nach dem Training in La Manga und kündigt an: „Jetzt verhänge ich ein paar Strafen.“ Denn auch heute noch gilt in Profifußballteams: Die Jungen räumen nach dem Training auf. Keiner dürfte das so gut wissen wie Weber, der schon mit 17 Jahren für den 1. FC Saarbrücken in der zweiten Liga auflief.

Im Trainingslager der Fortuna macht Weber einen gelösten und doch konzentrierten Eindruck. „Ich bin einfach stolz, hier dabei zu sein. Ich fühle mich als Teil der Fortuna-Familie und identifiziere mich absolut mit dem Verein.“ Große Sätze, die von vielen Fußballern schon im Vorbeigehen ausgesprochen wurden. Doch Weber nimmt man sie ab. Denn nach seiner Achterbahnfahrt mit der Fortuna in den vergangenen Jahren, ist das, was er da sagt keineswegs selbstverständlich.

Zweimal wurde der gebürtige Saarbrücker, der in der Defensive links wie rechts einsetzbar ist, schon aus der ersten Mannschaft verbannt. Das erste Mal nach dem Bundesliga-Aufstieg 2012. Das zweite Mal vor dieser Saison. „Beim ersten Mal tat das richtig weh. Ich hatte doch auch zum Aufstieg beigetragen und durfte dann nicht mitmachen.“

Von der zweiten Ausmusterung zur zweiten Mannschaft erfuhr er aus der Zeitung. Eine „Riesenenttäuschung“. Und nicht die feine Art. Doch zweimal wurde er auch zurückgeholt. Immer wenn es ganz dicke kam, konnte die Fortuna sich auf den Verteidiger verlassen. Auch wenn er den Abstieg aus der ersten Liga und die Talfahrt in der vergangenen Hinrunde nicht mehr verhindern konnte.

Nach dem „Aus“ in Aachen hatte Weber Existenzängste

Weber hat gelernt aus seiner Geschichte. Spätestens nachdem er 2012 als Spieler die Insolvenz von Alemannia Aachen miterleben musste, weiß er, wie schnell es im Fußballgeschäft gehen kann. „Da hast du schon Existenzängste. Ich hätte beinahe mitten in der Saison ohne Verein dagestanden.“

Beim ersten Training am Montag waren nicht alle Spieler auf dem Platz. Der Teil der Profis, der bisher die größte Belastung durch Training und Testspiele hatte, arbeitete mit Athletik-Trainer Axel Dörrfuß im Kraftraum.

Pünktlich zum Testspiel am Sonntag kam Fortunas Noch-Vorstandsvorsitzender Peter Frymuth im Trainingslager an. Am Montag früh schaute er auch beim Training vorbei und genoss die Sonne: „Das Wetter ist ideal hier.“

Weber kehrte in den Schoß der Fortuna-Familie zurück. „Mit einem Anschlussvertrag“, sagt er. Wohin es nach der Karriere als Aktiver gehen soll, zeichnet sich auch langsam ab: „Ich arbeite einen Tag in der Woche bei unserem Sponsor, der Zecco-Sportvermarktung, mit.“ Nebenbei studiert er Sportmanagement.

Doch noch liegt sein Fokus natürlich auf dem Platz: „Ich will eine echte Alternative für den Trainer sein.“ Eine Vorgabe von Lorenz-Günther Köstner erfüllt Weber auf jeden Fall: Er ist laut. Weber dirigiert seine Vorder- und Nebenleute, bringt Ordnung ins Spiel. „Das ist einfach meine Art. Es hilft mir, voll konzentriert zu bleiben, und es gibt den anderen ein gutes Gefühl, wenn man sie von hinten lenkt.“

Seine Mitspieler, das sind in diesen Tagen nicht selten die Jungs, die er zusammen mit Jens Langeneke in der Zweiten Mannschaft auch lenkte. Ob Tugrul Erat, Ben Halloran, Eren Taskin, Tim Golley oder Sam Piette – Fortunas junge Wilde, die hier in Spanien mittrainieren, haben in Weber so etwas wie einen Nachwuchsbeauftragten.

„Klar bin ich Ansprechpartner für die Jungs, wenn sie zur Ersten stoßen. Wenn die Durchlässigkeit für junge Talente höher wird und Jens Langeneke und ich unseren Beitrag dazu leisten können, ist das doch schön.“ Nicht so schön findet der erfahrene Profi dagegen das Schuhkisten-Schleppen. Das erfreut nur die Mannschaftskasse.

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