Reinhold Ernst sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, dass er als Aufsichtsrats-Vorsitzender die Hauptversammlung als Bühne benutzt habe.

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Reinhold Ernst bekommt nicht nur Zustimmung...

Reinhold Ernst bekommt nicht nur Zustimmung...

... und Heinrich Pröpper ist nicht nur der Sündenbock.

Reinhold Ernst bekommt nicht nur Zustimmung...

Christof Wolff, Bild 1 von 3

Reinhold Ernst bekommt nicht nur Zustimmung...

Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf wird noch eine Zeit lang unter den Geschehnissen der Jahreshauptversammlung leiden. Der Vorstand leckt an den Wunden, die durch die negative Stimmung nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Ernst entstanden sind. Die heftigen Proteste gegen die Arbeit und die Personen des Vorstandes sowie das Abwatsch’n durch Abstimmungsergebnisse bei der Entlastung haben allen, denen Fortuna am Herzen liegt, zu denken gegeben.

Haben der Vorstand und Hermann Pröpper nur Fehler gemacht?

Die Polarisierung ist nicht gerechtfertigt. Dort das Gute in der Person von Aufsichtsratsboss Reinhold Ernst, der sich durch das Gegeneinanderarbeiten in den Gremien des Vereins nicht verwirklichen konnte. Und auf der anderen Seite die scheinbar "Schuldigen" an der Misere des Vereins, die Vorstandsmitglieder Peter Frymuth, Werner Sesterhenn, Hermann Tecklenburg und Thomas Allofs sowie der große Gegenspieler im Aufsichtsrat, Heinrich Pröpper.

Das sollen die Personen sein, die die Arbeit blockierten und nicht Hand in Hand mit Ernst arbeiten wollten. Ernst brauchte eine Begründung. Denn er sah seinen Anspruch, in alle Bereiche involviert zu sein und informiert zu werden, als nicht gegeben an.

Musste es dieser öffentliche Rücktritt mit diesen Konsequenzen sein?

War der Rücktritt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auch nur inszeniert, um dem Helden, der sich nicht durchsetzen konnte, einen bühnenreifen Abgang zu verschaffen? Ernst wird vorgeworfen, er habe sich nicht als Vorsitzender eines Kontrollgremiums gesehen, sondern hätte gerne wie sein Vorgänger Joachim Erwin die Macht gehabt, über das Wohl und Wehe des Vereins zu entscheiden.

Der öffentliche und medienwirksame Rücktritt, bevor die Versammlung zu den wesentlichen Tagesordnungspunkten gelangte, hat der Fortuna geschadet. Und diesen Vorwurf kann man dem emotional in dieser Situation auch noch so angeschlagenen Ernst sicher nicht ersparen.

Wurden die Reaktion der Mitglieder als Mittel zum Zweck vorausgeplant?

Reinhold Ernst sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, seinen Rücktritt inszeniert zu haben. Schon am Montagabend hatte der Rechtsanwalt erklärt: "Überschätzen Sie mich nicht." Das kam nicht so pointiert herüber wie die Bewerbungsrede ein knappes Jahr vorher. Die Aussagen waren leise, seine innere Unruhe in jedem Moment spürbar. Am selben Ort, wo Ernst zwölf Monate zuvor mit überwältigender Mehrheit in das Gremium des Vereins gewählt worden war, fehlten nun Schwung und Enthusiasmus. Ein Hoffnungsträger für die Fans, die auf einen Gegenentwurf zum Vorgänger Joachim Erwin gehofft hatten, wollte Ernst nie sein.

Doch der Elan wich der kräftezehrenden Anspannung. Das machte sich auch bei der Leitung der Versammlung bemerkbar. Dass nun der Rücktritt ein Schmierentheater gewesen sein soll, ist schwer vorstellbar. Vielmehr war es das Eingeständnis eines Scheiterns. Zwischen Familie und Anwalts-Beruf dieses Ehrenamt auszuüben, war offenbar zu viel. Anders als bei seinem Vorgänger Erwin, für den das Amt stets mit politischen Interessen verknüpft war.

Traurig ist, dass sich viele Fortuna-Mitglieder instrumentalisieren ließen. Zum einen durch die von Ernst einseitig formulierten Vorwürfe gegen den Vorstand mit seiner Folgerung, deswegen zurücktreten zu müssen. Zum anderen durch einige Mitglieder, die im Internet zum Protest (Entlastung verweigern) aufgerufen und mehr oder weniger den Ablauf der Versammlung vorgegeben hatten.

Wie geht es auf der Führungsebene der Fortuna nun weiter?

Am besten wäre es für den Verein, zumindest im Aufsichtsrat alte Zöpfe abzuschneiden. Ohne Ernst und dem von Mitgliedern abgeschmetterten Pröpper das Gremium aufzubauen, das möglichst schnell wieder die Arbeit aufnimmt. Genug fähige Köpfe sind vorhanden. Sie müssen nur zusammenarbeiten.

Auch ein Georg Koch wäre dann bestimmt bereit, in ruhigerem Fahrwasser ins Boot zu steigen. Machtgehabe im Aufsichtsrat hat noch keinem Verein gut getan. Der Vorstand hat sicher Fehler, aber auch aus teilweise bescheidenen Möglichkeiten einiges gemacht.

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