Ex-Profis der Fortuna sprechen über den Aufstieg 2017/18. In unserer Serie nimmt heute Olivier Caillas (40) Stellung. Er ist in der Saison 2008/09 mit dem Traditionsverein in die 2. Liga aufgestiegen.

Interview
Fortunas damaliger Außenstürmer Olivier Caillas überspringt locker einen Gegenspieler.

Fortunas damaliger Außenstürmer Olivier Caillas überspringt locker einen Gegenspieler.

Christof Wolff

Fortunas damaliger Außenstürmer Olivier Caillas überspringt locker einen Gegenspieler.

Herr Caillas, wie geht es Ihnen und was machen Sie inzwischen?

Olivier Caillas: Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Ich arbeite für eine große Sportartikelfirma und bin auch extrem für den Job unterwegs. Die wenige Freizeit, die ich habe, versuche ich mit meinen Söhnen zu verbringen, die auch Fußball spielen, engagiert und fußball-fanatisch sind. Die sind teilweise auch weiter, als ich es in dem Alter war. Und wenn sie irgendwann dazu keinen Bock mehr haben, ist das auch in Ordnung.

Wie sehr verfolgen Sie Fortuna noch?

Caillas: Nach wie vor sehr intensiv. Selten bin ich im Stadion, und wenn, komme ich mit meinen Kindern, die beide Fortuna-Mitglied seit ihrer Geburt sind. Von den 34 Spielen habe ich fast alle im Fernsehen gesehen, wenn ich nicht irgendwo mitten auf der Tribüne gesessen habe, wo man das alles am besten überblicken kann.

Hatten Sie zuvor damit gerechnet, dass die Mannschaft Meister wird?

Caillas: Nein, sie haben mich überrascht. In den vergangenen drei, vier Jahren war es Fußball-Magerkost, was wir erlebt haben. Die Zuschauerzahlen sprechen ja für sich. Teilweise waren weniger Leute in der Arena, als Dauerkarten verkauft worden sind. So stand da am Anfang der gerade abgelaufenen Saison ein großes Fragezeichen. Entsprechend waren wir alle gespannt. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Aufstieg gelingt.

Warum hat sich die Mannschaft zwischendurch nach einem guten Start so schwergetan?

Caillas: In erster Linie ist der gute Start auf die Leute zurückzuführen, die den Verein sehr gut kennen und sich glücklicherweise durchgesetzt haben. Sie durften sich dann auch um das Sportliche kümmern. Bei Fortuna war es ja so, dass es Leute im Verein gab und sicherlich auch noch gibt, die meinen, alles zu wissen. Deswegen freue ich mich am Ende des Tages, dass Uwe Klein und Robert Palikuca so einen guten Job gemacht haben. In meinen Augen ist der Erfolg diesen beiden zu verdanken und keinem anderen. In einer Saison ist es immer so, dass man in ein Loch fällt. Da gibt es im Fußball keine Erklärung für. 34 Spiele auf einem Niveau gibt es kaum. Fortuna hatte das Glück, dass die 2. Liga in diesem Jahr schwach war. Dementsprechend hat die Mannschaft von Friedhelm Funkel noch am konstantesten gespielt.


Was ist besonders gut gelaufen für die Fortuna?

Caillas: Meiner Meinung nach, ist der Zusammenhalt in der Mannschaft richtig groß gewesen. Das konnte man auch von außen beobachten, dass der eine für den anderen läuft und arbeitet. Deswegen habe ich mich ja früh aus dem Fenster gelehnt und auch damals gesagt, dass eine gewisse Ähnlichkeit zu den Mannschaften der Fortuna zu erkennen ist, die zuvor aufgestiegen sind. Da war ich mir sicher, dass es daran nicht scheitern wird. Das war ein Mega-Pluspunkt.

Was muss die Fortuna in der Bundesliga besser machen?

Caillas: Wenn man in der ersten Liga bleiben will, braucht man auch Erstliga-Spieler. Ja, man muss den Spielern danken, die es am Ende geschafft haben. Aber ein Spieler, der aufsteigt, hat nicht automatisch die Qualität, um in der Bundesliga zu bestehen. Ich glaube sehr wohl, dass Fortuna aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und im Transferfenster richtig aktiv werden wird.

Wie viele neue Spieler werden benötigt?

Caillas: Es klappt nicht, mit 14, 15 Spielern durch die Saison zu kommen. Es wird ein großer, ausgeglichener Kader benötigt. Falls du es schaffst, die ausgeliehenen Spieler, die auch treibende Kraft waren, zumindest zum Teil zu halten, dann wird man nicht so viel verpflichten müssen, wie manche vielleicht denken. Acht bis zehn neue Leute müssen es aber definitiv wohl sein.

Wie beurteilen Sie die Leistung der Clubführung?

Caillas: Manche Dinge sind extrem fragwürdig. Ich tue mich schwer mit Leuten, die sich auf die Sonnenseite des Lebens stellen und den Erfolg für sich selbst beanspruchen. Der Aufstieg und die guten Leistungen sind vor allem, wie gesagt, Klein und Palikuca zu verdanken. Das sollte auch beim Letzten angekommen sein. Und sie werden bestimmt auch wieder Spieler holen, die keiner wirklich auf dem Zettel hat. Aber man darf ihnen vertrauen, mit dem Verweis auf die Verpflichtungen von Neuhaus, Raman und Gießelmann, die auch vorher niemand wirklich kannte. Bei den beiden Letztgenannten geht mir das Herz auf, weil ich endlich wieder Spieler sehe, die eine gewisse Qualität mit sich bringen. Wenn man Profi ist und auf den Außenbahnen spielt, ist man entweder im eins gegen eins stark und torgefährlich oder man bringt zumindest die Flanken.

Unter welchen Voraussetzungen kann die Fortuna die Klasse erhalten?

Caillas: Natürlich mit der Unterstützung der Fans. Im Umfeld ist es auch ruhig geblieben, als es nicht so gut lief. Wenn der Verein vor allem im ersten Jahr in Ruhe gelassen wird und konzentriert arbeiten kann, dann glaube ich schon, dass man der Fortuna einiges zutrauen kann. Dann wird die Mannschaft eine ordentliche Saison spielen und den Klassenerhalt schaffen.

© WhatsBroadcast

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer