Egal, was Fortunas Trainer versucht, am Ende jubeln meist die Gegner. Nach dem 1:5-Debakel in Nürnberg wird die Luft für ihn nun dünn.

1. FC Nürnberg - Fortuna Düsseldorf
Versucht vergeblich, das Unfassbare zu erklären: Frank Kramer.

Versucht vergeblich, das Unfassbare zu erklären: Frank Kramer.

Daniel Karmann

Versucht vergeblich, das Unfassbare zu erklären: Frank Kramer.

Düsseldorf. Nach 90 desolaten Minuten standen die Spieler von Fortuna Düsseldorf buchstäblich im Regen. Die Bierdusche, die die Fans am Zaun für die Spieler bereithielten, hatten diese sich redlich verdient. Trainer und Sportdirektor hatten jedenfalls vollstes Verständnis für die Reaktionen der Fans, die nach dem Ehrentreffer zum 1:5 noch höhnisch „Auswärtssieg“ skandiert hatten. Erneut zeigte die Fortuna eine peinliche Vorstellung, die nicht nur viel Geld kostet, sondern auch das Ansehen des Vereins beschädigt.

So ist in Nürnberg mehr kaputtgegangen als bei den vorherigen Niederlagen. Solange zumindest der nötige Einsatz zu erkennen war, stand die Fanschar hinter ihrer Mannschaft. Aber jetzt bröckelt auch dieses Bündnis, und es ist spannend zu beobachten, wie Fortunas Anhänger auf die Darbietung in Nürnberg am Freitag beim Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth reagieren.

Ausreden gibt es keine mehr, die Diskussion um Trainer und Sportdirektor ist in vollem Gange. Selbst ein überzeugender Erfolg gegen Fürth würde das grundsätzliche Problem wohl nicht lösen: Die Mannschaft erscheint nicht wie ein Team, jeder kocht sein eigenes Süppchen, die Taktik- und Systemwechsel richten ebenso wenig aus wie die personellen Änderungen. Aktuell gibt es keinen Zipfel Hoffnung, der greifbar ist. Der immer als schwierig beschriebene Weg sieht mittlerweile aus wie eine Sackgasse. Und die immer wieder beschworene Gemeinschaft mit den Fans wird auf eine harte Probe gestellt.

Seit Wochen versucht Trainer Frank Kramer, das Unfassbare zu erklären, findet aber keine Lösungen. „Das ist mit Worten nicht zu beschreiben, was da in der ersten Hälfte passiert ist“, sagte der Cheftrainer, der sich selbst aus der Kritik nicht ausnehmen darf.

Trainer liegt mit allen personellen Entscheidungen daneben

Denn mit seinen personellen Änderungen in Nürnberg lag er ziemlich daneben: Pokal-Torhüter Lars Unnerstall griff daneben, Kevin Akpoguma wies erneut nach, dass er als Außenverteidiger ein Fehlgriff ist, und der erstmals aufgelaufene Fabian Holthaus war einfach überfordert. Zudem kam der Startelf-Einsatz für Alexander Madlung nach ein paar Tagen Mannschaftstraining viel zu früh. Dass Kramer an einem völlig indisponierten Mike van Duinen festgehalten hat, ist ohnehin nicht nachzuvollziehen.

„Wir haben natürlich nicht viel Selbstvertrauen, wenn wir dann zurückliegen, Fehler über Fehler machen und nicht in die Zweikämpfe rangehen, dann passiert so ein Mist, den wir da gespielt haben.“ Julian Schauerte, Verteidiger

 

„Ich bin mir sicher, dass wir am Freitag eine andere Mannschaft sehen werden. Alle Fans sind zurecht enttäuscht. Ich hoffe aber, dass uns die Fans trotzdem unterstützen, das braucht die Mannschaft.“ Paul Jäger, Interims-Vorsitzender

 

„Das dürfen wir niemandem so präsentieren. Da waren die Basics dieses Sports gefragt, und die waren komplett nicht zu sehen. Gefühlt waren wir bei null Zweikämpfen, die wir gewonnen haben.“ Rachid Azzouzi, Sportdirektor

 

„Man muss nicht auf Einzelheiten eingehen. Wir haben keine Zweikämpfe gewonnen und hinten die Tür speerangelweit offen gemacht.“ Frank Kramer, Trainer

Die Defensive versuchte, ohne Zweikämpfe auszukommen, die Offensive brachte mit ständigen Ballverlusten keine Entlastung, und draußen an der Linie herrschte nur noch Ohnmacht, weil die Spieler offensichtlich nicht zu erreichen waren. Die Kurskorrektur zur Pause brachte nur deshalb ein wenig Struktur, weil der Gegner zur eigenen Schonung an kommende Aufgaben dachte. Fazit: Das war die schlechteste Leistung, an die sich zumindest die jüngeren Fortuna-Fans erinnern können.

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