Der Verein hat einen klaren Weg eingeschlagen. Die Hauptversammlung zeigte, dass die Mitglieder mitgehen.

Analyse
Sie freuen sich über die harmonische Stimmung bei der Jahreshauptversammlung der Fortuna: Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer, Aufsichtsrats-„Vize“ Carsten Knobel sowie Reinhold Ernst, der   Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins (von links).

Sie freuen sich über die harmonische Stimmung bei der Jahreshauptversammlung der Fortuna: Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer, Aufsichtsrats-„Vize“ Carsten Knobel sowie Reinhold Ernst, der   Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins (von links).

Christof Wolff

Sie freuen sich über die harmonische Stimmung bei der Jahreshauptversammlung der Fortuna: Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer, Aufsichtsrats-„Vize“ Carsten Knobel sowie Reinhold Ernst, der   Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins (von links).

Düsseldorf. Jahreshauptversammlungen verraten immer etwas über den Charakter eines Vereins. Ist sie chaotisch oder langweilig? Ist sie amateurhaft organisiert oder wird sie professionell durchgezogen? Bei Fortuna Düsseldorf wirkte es professionell, was da in vier Stunden am Sonntag vor der Haupttribüne in der abgedunkelten Arena über die Bühne ging. Auch wenn immer wieder an Tradition und die Vergangenheit erinnert wurde.

Der Verein ist, zumindest was die Organisation in weiten Teilen anbetrifft, für die Zukunft vorbereitet. Große emotionale Ausschläge gab es an diesem Mittag nicht. Allein die völlig überflüssige Diskreditierung von Wolfgang Fiegen, der sich für eine Kandidatur zum Aufsichtsrat klagen wollte und vom Vorsitzenden des des Wahlausschusses Thomas Bollien regelrecht demontiert wurde, passte nicht zu einem Verein, der den Entscheidungen der Mitglieder unterliegt. Und Fiegen ist niemand, der der Fortuna schaden will, sondern er ist Fan durch und durch und hat halt nur seine ganz eigene Sichtweise.

Auch zuvor hatte der harmonisch scheinende Rahmen der Versammlung bereits einen ersten Knacks erhalten, als Jörg Eicker völlig überraschend seinen Rücktritt ankündigte. So einfach ist die Zusammenarbeit im Führungsgremium dieses Vereins offenbar nicht, wie es sich Eicker bei seiner Interessensbekundung und dann Zusage für die ehrenamtliche Arbeit als Fortuna-Finanzvorstand in diesem Sommer vorgestellt hatte. Dass er so schnell seine Demission einreicht, ist ganz offensichtlich auf Differenzen zurückzuführen, die zwischen ihm und Robert Schäfer oder mit dem Aufsichtsrat(s-Vorsitzenden) bestehen. Aufklären wollte keiner der drei Angesprochenen diese Angelegenheit.

Die Frage nach der Besetzung der Sportdirektor-Stelle kam nicht auf

Größter Gewinner der Veranstaltung ist wohl Reinhold Ernst. Dieser führte nicht nur geschickt durch die Veranstaltung, sondern verkaufte sich auch in seinen beiden Reden sehr gut und wusste genau, worauf die 924 Mitglieder, die die Veranstaltung besucht haben, positiv reagieren würden. Lohn für seine Rhetorik und seine Inhalte war die Bestätigung als Aufsichtsratsmitglied mit den meisten Stimmen.

Das Kontrollgremium hat jetzt auch einen Fußball-Sachverständigen in seinen Reihen. Dirk Böcker bekam immerhin von 500 Mitgliedern das Vertrauen ausgesprochen, während Peter Foerster, Wilfried Woyke sowie Bernd Restle trotz ihrer zurückliegenden Verdienste für den Verein schon ein sehr mageres Ergebnis bei den Aufsichtsratwahlen erzielten.

Verwunderlich war am Sonntag, dass kein Mitglied die Frage nach der immer noch „ausgeschriebenen“ Stelle des Sportdirektors stellte. „Da gibt es keinen neuen Stand“, hatte es vom Verein jüngst noch geheißen. Doch eine Antwort auf die Frage, ob die Fortuna noch aktiv sucht oder abwartet, wäre doch interessant gewesen – auch wenn eine späte Rückkehr von Jörg Schmadtke derzeit kein Thema sein mag und den Verantwortlichen wohl auch zu viel Unruhe in den Verein bringen würde.

Die Führung von Fortuna Düsseldorf hat sich für die Zukunft entschieden – und wurde auch von den Mitgliedern darin bestärkt – den soliden, berechenbaren und möglichst risikolosen Weg zu gehen. Mit der an den Tag gelegten Professionalität geht aber ein wenig von dem besonderen Flair dieses Vereins zwangsläufig verloren. Für die Romantiker mag das ein Problem sein, für die Realisten und diejenigen, die auf ein Comeback in der Bundesliga hoffen, ist es wohl eine notwendige Richtungsentscheidung.

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