Mit den Schmähgesängen auf den Erzrivalen reagieren sich die Niederrhein-Fortunen auf der Busfahrt ab.

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Die Niederrhein-Fortunen präsentieren sich in bester Laune – vor dem Spiel ihrer Mannschaft in Frankfurt.

Die Niederrhein-Fortunen präsentieren sich in bester Laune – vor dem Spiel ihrer Mannschaft in Frankfurt.

Wolff

Die Niederrhein-Fortunen präsentieren sich in bester Laune – vor dem Spiel ihrer Mannschaft in Frankfurt.

Düsseldorf. Das ist wahre Musik in den Ohren von Fortuna-Fans: "Die Fortuna ist mein Verein, mein Herz das schlägt für Düsseldorf am Rhein". Es ist Samstagmorgen, eine Viertelstunde nach acht Uhr am Morgen. 54 rot-weiß gekleidete Menschen mit einem gemeinsamen Interesse singen sich schon einmal warm und warten darauf, dass es endlich losgeht - nach Frankfurt. Die Niederrhein-Fortunen, so heißt der Fan-Club, treffen sich wie bei jedem Auswärtsspiel am Rheinpark-Center Neuss um ihre Mannschaft zu unterstützen. Dieses Mal ist die Freude besonders groß, denn Uwe (51) hat sich in der vergangenen Woche als neues Mitglied angemeldet und für seinen Einstand fünf Kisten Bier und jede Menge Mettwürstchen spendiert. So ist die Grundversorgung für die Fangemeinde also gesichert. Auf der Südbrücke hat jeder sein "Frühstück" in der Hand und dementsprechend steigt die Stimmung im Bus. Ansonsten hat Uli (58) für alle Fälle, hier nennt ihn aber jeder nur Busfahrergott, noch 22 Kisten Bier besorgt: Für einen Euro pro Flasche. Da kann man nicht meckern. "Die ersten 56 Jahre meines Lebens war ich Gladbach-Fan, doch auf der ersten Auswärtsfahrt zu den Stuttgarter Kickers wurde ich bereits bekehrt", sagt Uli, der seitdem immer den Bus für den Fanclub fährt. Als dann auf der Autobahn die Grenze zur verbotenen Stadt erreicht wird, ist der heutige Gegner für ein paar Minuten vergessen, und es wird erst einmal kräftig gegen den Erzfeind vom 1. FC Köln gewettert. Für Tobias (26) ein komisches Gefühl. "Ich halte mich dann immer etwas zurück, denn ich habe 18 Jahre da gewohnt, bis ich nach Maastricht gezogen bin", sagt er kleinlaut. Von Holland aus reist der Student der Medienwissenschaften an, wenn er zur Fortuna fährt.

Trotz "Grottenkick" sind alle auf der Fahrt nach Karlsruhe wieder dabei

Seit dem 14. Juni 2008 gibt es die Niederrhein-Fortunen wie "Orga"-Chef Sascha Grabbe (24) stolz erzählt: "Und wir haben es seitdem immer geschafft, einen Bus auf die Beine zu stellen um unseren Verein zu unterstützen." In Viersen, fast in Sichtweite der "Villa" von Fortuna-Trainer Norbert Meier, wurde der Klub gegründet. "Mit 14Leuten ging es damals los, heute haben wir schon 60 Mitglieder, davon immerhin 15 Frauen", erklärt Sascha. Eine davon ist Sabrina (29), seit 12 Jahren geht sie zur Fortuna, genau wie ihr Freund Sascha (36). Die Altenpflegerin hat ihren Freund zwar nicht beim Fussball kennengelernt: "Aber es ist toll das wir ein gemeinsames Hobby haben." Und so sind auch schon fast von Anfang an bei den Niederrheinfortunen und haben beide wie sie sagen, "in dieser Saison noch kein Spiel verpasst." Nach fast zwei Stunden packt Klub-Chef Oliver Lindner auf dem Rasthof Montabaur eine Riesenkarton Schokoküsse aus. Und Fortuna-Brötchen gibt es auch. Endlich angekommen in Frankfurt geht es sofort ins Stadion. Aber wie sich schon bald herausstellen soll, war die Anreise das Schönste an der ganzen Veranstaltung. "Was für ein Grottenkick", wettert Sabrina, "beim nächsten Mal bleibe ich zu hause." Das Beste an guten Vorsätzen ist doch immer, das man sie auch ganz schnell wieder vergisst, und so wird einige Minuten später doch das Anmeldeformular für die Tour zur nächsten Auswärtspartie in Karlsruhe ausgefüllt. Für Uli, den Busfahrergott, war es sowieso kein guter Tag, denn Gladbach hat auch 0:4 verloren. Aber dass darf man nicht so laut sagen. Ein kurzer Hinweis und die Androhung eines Rauswurfs aus dem Bus genügt da schon. Die Stimmung hat nach dem bitteren 0:2 ein wenig gelitten, und so ist es auf der Heimfahrt etwas ruhiger im Bus. Doch kurz vor Köln ändert sich das natürlich wieder, und es bleibt auch bis zum Ende so. Uli hat ohnehin wieder bessere Laune. Die 22Kisten Bier sind verkauft, und alle räumen ihren Platz auf. Dafür sorgt Uli schon, bevor es dann wieder nach Hause geht.

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