Der 27-jährige Abwehrspieler will zurück nach Deutschland. Auch, um seiner zweijährigen Tochter Madison näher zu sein.

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Ian Paul Joy macht Konzentrationsübungen.

Ian Paul Joy macht Konzentrationsübungen.

Christof Wolff

Ian Paul Joy macht Konzentrationsübungen.

Belek. Heimlich, still und leise traf Ian Paul Joy im Mannschaftshotel der Fortuna in Belek ein. Kurz nach Mitternacht brachte Betreuer Aleks Spengler den Testspieler auf sein Zimmer. In diesem Moment endete Joys sechswöchiger Urlaub, den er in Edingburgh (Schottland) bei seiner Familie verbrachte.

Zuletzt war der Abwehrspieler, der bei der Fortuna das Vakuum auf der linken Verteidigerposition ausfüllen könnte, Ende November am Ball. Dann endete der Spielbetrieb in der amerikanischen Major League Soccer, wo Joy noch einen drei Jahre laufenden Vertrag bei Real Salt Lake besitzt.

Die Möglichkeit, sich bei der Fortuna vorzustellen, bezeichnet der Mann mit der amerikanischen und britischen Staatsbürgerschaft als ideal.

"Das ist perfekt. Ich kann mir hier die nötige Fitness wiederholen und die Mannschaft kennen lernen. Umgekehrt kann sich auch der Verein ein Bild von mir machen", sagt Joy, der in der Jugend von Manchester United ausgebildet wurde.

Doch aus dem anfänglichen Beschnuppern könnte eine feste sportliche Liaison werden. Die hätte die Fortuna dann wohl in erster Linie Joys zweijähriger Tochter Madison zu verdanken. Die Kleine lebt nach der Trennung der Eltern mit ihrer Mutter wieder in Europa, pendelt dort zwischen Hamburg und Edingburgh.

Beim Training war der Fortuna-Tross wieder komplett. Torwarttrainer Michael Stahl (Magen), Clement Halet (Grippe) und Johannes Walbaum (Knöchel) waren wieder voll einsatzfähig. Nur Marco Christ musste bei den Übungen mit Ball passen. Im Training ging es zur Sache. Ahmet Cebe und Robert Palikuca gerieten kurz aneinander, vertrugen sich aber postwendend. Kurz darauf krachte es dann zwischen Kapitän Andreas Lambertz und Deniz Kadah. "Lumpi" beschwerte sich über das harte Einsteigen seines Teamkollegen. Es folgte ein verbaler Schlagabtausch.

Nicht nur ein Krankenwagen mit zwei Sanitätern ist bei jeder Trainingseinheit vor Ort. Auch ein "Platz-Kommissar" beäugt ganz genau, was Norbert Meier trainieren lässt. Spezielles Lauf- und Sprungtraining ist auf dem Hauptplatz verboten. Nun ist auch klar, warum die Plätze in Belek in so einem guten Zustand sind.

Joy, einst ein Publikumsliebling beim FC St. Pauli, musste im fernen Salt Lake City acht Monate ohne sein Herzstück auskommen. "Die Trennung fiel mir sehr schwer", sagt der 27-Jährige, der Anfang 2008 St. Pauli nur deshalb in Richtung USA verließ, um die Ehe mit Ex-Frau Amy zu retten.

Der Versuch scheiterte. Doch nun bekommt Joy vielleicht wieder die Möglichkeit, in der Nähe seiner Tochter zu sein. "Europa ist interessant für mich", sagt Joy. "Wenn ich zurück komme, dann nach Deutschland."

Dass die Fortuna in diesem Fall eine Option sei, daran lässt der Abwehrspieler keine Zweifel aufkommen. "Die ersten Eindrücke sind positiv. Das ist ein super Verein. Hier ist alles sehr professionell", sagt der US-Boy, der mit Robert Palikuca und Oliver Hampel bereits zusammen kickte.

Sich selbst beschreibt Joy auf dem Platz als Siegertypen. "Ich bin laut und aggressiv und hasse es, zu verlieren", sagt der Linksfuß. Schon am Freitag gegen Tomsk kann sich Trainer Norbert Meier ein Bild von seinem Gast machen.

Dieser muss eigentlich am 29. Januar wieder seinen Dienst in Salt Lake City antreten. Aber wer weiß: Vielleicht ist aus dem heimlichen Besucher bis dahin schon ein echter Fortune geworden.

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