Zwei Spieler der Fortuna-Reserve wurden verhört. Ihre Motivation bleibt nebulös.

Düsseldorf. Die Nachricht schlug am Donnerstag in Düsseldorf ein wie eine Bombe: Zwei Spieler von Fortuna Düsseldorf wurden auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Bochum am Vormittag in den Räumen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf polizeilich vernommen und im Rahmen der Untersuchungen zum internationalen Wettskandal zu Begegnungen der zweiten Mannschaft (U23) des Fußball-Zweitligisten befragt.

Bei Ben Abelski (27), dem Kapitän von Fortuna II, und bei Reserve-Torwart Maximilian Schulze-Niehus (21) war es nach Informationen dieser Zeitung bereits am Morgen zu einem Besuch der Staatsanwaltschaft in der Privatwohnung gekommen. Bei beiden Spielern ist aber keine Wohnungsdurchsuchung vollzogen worden, wohl aber sind sie nach einem kurzen Gespräch in der Wohnung zum Verhör gebeten worden.

Der Verdacht richtet sich wohl gegen mindestens einen der beiden Fortuna-Spieler, weil sich die Untersuchungen auf drei Spiele beziehen, an denen die beiden Akteure jeweils 90Minuten mitgewirkt haben - und Fortuna II dreimal deutlich verloren hat.

Am Abend erklärte der Verein, mit beiden Spielern, die sich nach der Befragung wieder auf freiem Fuß befanden, intensiv gesprochen zu haben. Sowohl Abelski als auch Schulze-Niehues hatten demnach eine Erklärung unterschrieben, in der sie sich von jeder Schuld freisprachen. Darin heißt es auszugsweise: "Mir ist niemals Geld angeboten worden, um ein Spiel meiner Mannschaft zu manipulieren. Ich habe niemals ein Spiel manipuliert oder versucht, ein Spiel zu manipulieren. Ich habe auch niemals innerhalb meiner Mannschaft von einer Manipulation gehört."

Schon am Abend trainierte Schulze-Niehues wieder

Wie Peter Frymuth, Vorstandsvorsitzender der Fortuna, sagte, nehmen die Spieler weiterhin am Trainings- und Spielbetrieb teil. Schulze-Niehus trainierte im Gegensatz zum derzeit verletzten Abelski gestern schon wieder auf dem Fortunen-Gelände. "Wir werden die Staatsanwaltschaft voll umfänglich bei ihren Bemühungen unterstützen", sagte Frymuth.

Der Fußball-Wettskandal löst bei einem Mann in Kanada Freude aus. Der Enthüllungsautor Declan Hill ist sich sicher, dass sein Buch "Sichere Siege", das die Welt der verschobenen Spiele und der asiatischen Wettmafia beleuchtet, die Untersuchungen der Uefa mit in Gang gesetzt hat.

Hill hat jahrelang recherchiert, welche Tricks Spieler anwenden, wenn sie ein Ergebnis auf dem Rasen manipulieren wollen. Entgegen der Vorurteile müsse man nicht Eigentore schießen oder einen Elfmeter verursachen. "Der Schlüssel ist die Unterlassung", sagt Hill. Fans müssten bei dem Verdacht von Manipulation vor allem auf die "lauten Spieler" achten. "Diejenigen, die am meisten schreien, die immer ,Los, los!’ rufen, das sind die gefährlichsten, weil sie Spiele subtil manipulieren." Bei "gekauften Spielen" gibt es weniger Elfmeter Ein "gekaufter" Torwart, sagt Hill, positioniere sich schlecht, Verteidiger agierten weniger solidarisch, "Mittelfeldspieler spielen riskante Pässe oder oft nach hinten". Hill nennt es die "Choreographie" der Manipulation. Bei "gekauften" Spielen gebe es weniger Elfmeter, weniger Eigentore und weniger Platzverweise. "Die Leidenschaft ist geringer", sagt Hill. Es gebe andere Indizien und Eigenschaften verschobener Spiele: "In sauberen Spielen fallen in den letzten 15 Minuten mehr Tore. Bei den schmutzigen sinkt die Trefferquote in diesem Zeitbereich." Viele Tore fallen nach seinen Erkenntnissen in manipulierten Spielen zu Beginn der 1. Halbzeit oder in den ersten zehn Minuten der zweiten, "kurz nachdem die Spieler den Trainer gesehen haben".

Bis zum Abend hielt der Verein die Erklärung aufrecht, beide Spieler seien vermutlich als Zeugen vernommen worden. Der Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek, Sprecher der ermittelnden Justizbehörde in Bochum, wollte in dieser Frage nicht helfen: "Ich kann noch nicht einmal sagen, dass es sich um Düsseldorf handelt." Der Weg der Ermittlungen legt aber die Vermutung nahe, dass es einen Verdacht gibt. Auch gegen die zweiten Mannschaften des 1.FC Köln, von Borussia Mönchengladbach und neuerdings auch Schalke 04 hatte oder soll es Verdachtsmomente geben.

Noch am Tag zuvor hatte Ilja Ludenberg, der Teammanager von Fortunas U23, noch in einem Interview erklärt, dass er die Hände für seine Spieler ins Feuer legen würde. Ludenberg, der Ben Abelski lange kennt, sagte unserer Zeitung gestern: "Das würde ich auch heute noch einmal wiederholen."

Der DFB war von der Staatsanwaltschaft nicht über die Aktion informiert worden. "Wir sind, wenn überhaupt, nur Zulieferer", sagt Stephan Brause vom DFB. "Die Task Force des Verbandes hat erst durch die Mitteilung der Fortuna von diesem Vorgang erfahren."

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