Eigentlich müssten Spiele wie in Würzburg verloren gehen. Doch dieses Team ist bemerkenswert anders.

FUSSBALL
Friedhelm Funkel tut der Fortuna so gut wie lange kein Trainer mehr. Aus einem Fast-Absteiger hat der 62-Jährige in wenigen Monaten ein überdurchschnittliches Zweitliga-Team geformt.

Friedhelm Funkel tut der Fortuna so gut wie lange kein Trainer mehr. Aus einem Fast-Absteiger hat der 62-Jährige in wenigen Monaten ein überdurchschnittliches Zweitliga-Team geformt.

Wolff

Friedhelm Funkel tut der Fortuna so gut wie lange kein Trainer mehr. Aus einem Fast-Absteiger hat der 62-Jährige in wenigen Monaten ein überdurchschnittliches Zweitliga-Team geformt.

Düsseldorf. Es mag ein Qualitätsmerkmal einer Fußball-Mannschaft sein, wenn sie trotz des Ausfalls wichtiger Stammkräfte in einem Auswärtsspiel gegen einen physisch starken und insgesamt unbequem zu spielenden Gegner einen Punkt mitnimmt. Das Team von Fortuna Düsseldorf hat in dieser Hinrunde in der 2. Bundesliga seine Qualitäten regelmäßig unter Beweis gestellt. Das 0:0 in Würzburg am Sonntag war angesichts der Vielzahl der hochkarätigen Chancen der Kickers am Ende aber vor allem eins: glücklich.

Adam Bodzek, Lukas Schmitz, Oliver Fink und Alex Madlung waren nicht dabei“, erklärte Trainer Friedhelm Funkel. „Das sind vier Topspieler für unsere Mannschaft, die das Mannschaftsgefüge hochhalten und auf dem Platz den Ton angeben. Sie treffen die ein oder andere Entscheidung, die die jüngeren Spieler noch nicht in der Lage sind zu treffen.“ Mehr sei mit einer Mannschaft, in der sechs Spieler 22 Jahre oder jünger sind, nicht machbar. „Dann ist das nicht so einfach.“

Die zu verkraftenden Ausfälle erklären, warum der Fortuna in Mainfranken nach einer guten ersten halben Stunde mit zunehmender Spieldauer die Souveränität abhanden kam. Doch Auftritte wie in Würzburg beweisen auch, dass das Team noch nicht so weit in seiner Entwicklung ist, wie einige Beobachter bereits dachten.

„Ich merke, dass die Mannschaft nach dieser Hinrunde ein bisschen auf dem Zahnfleisch geht.“
Friedhelm Funkel

„Wir können mit Sicherheit besser spielen“, sagte Funkel. „Aber wir haben wieder einen Punkt geholt, haben nun 24. Das ist mehr, als wir uns alle erhofft haben.“ Es ist müßig darüber zu philosophieren, ob die Fortuna so ein Spiel in der vergangenen Saison und der Prä-Funkel-Zeit verloren hätte. Eines dieser Qualitätsmerkmale der Gegenwart ist, dass die Mannschaft stets alles Mögliche investiert, um am Ende den Platz als Gewinner oder zumindest nicht als Verlierer zu verlassen. Belohnt wird dies mit großem Zuspruch der Fans und zwölf von 15 Begegnungen, in denen genau das gelang.

Drei Mal in Folge blieben die Rot-Weißen nun hintereinander in der Fremde ohne Gegentreffer. Ein Verdienst des gesamten Teams, das (meist) taktisch diszipliniert agiert und in den Auswärtsspielen aus einer defensiveren Grundordnung entsprechend auf den Gegner reagieren kann. Sieben Mal hielt die Fortuna in ihren 15 Spielen hinten die „Null“. Großen Anteil daran hat Michael Rensing, auch wenn Trainer Funkel seinen Torhüter in der Regel nie mit zu viel Lob überschüttet. „Michael hat in Würzburg ordentlich gehalten. Es waren schwierige aber keine unhaltbaren Bälle dabei. Daran, dass wir das siebte Mal keinen Gegentreffer kassiert haben, hat er großen Anteil. Das steht außer Frage. Wenn du so einen guten Torwart hast, hast du immer ein gutes Gefühl“, sagt der 62-Jährige.

Geburtstag Am Montag feierte Klaus Allofs seinen 60. Geburtstag. Sechs Jahre lang Schnürte der im Stadtteil Gerresheim aufgewachsene Düsseldorfer die Schuhe für die Fortuna. Zwischen 1975 und 1981 erzielte Allofs in 169 Bundesligaspielen 71 Tore. Mit den Rot-Weißen wurde er 1979 und 1980 DFB-Pokalsieger und war Teil der legendären Mannschaft, die 1980 im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Basel dem FC Barcelona unterlag. Seine Spielerkarriere setzte Allofs beim 1. FC Köln, Olympique Marseille und und Girondins Bordeaux fort, bevor er in die Bundesliga zurückkehrte und bei Werder Bremen anheuerte. 1998 wurde Allofs Trainer bei der Fortuna. Nach zehn Monaten wurde er vom damaligen Präsidenten Helge Achenbach wegen Erfolglosigkeit entlassen. Seit November 2012 ist der Jubilar als Geschäftsführer Sport beim Bundesligisten VfL Wolfsburg tätig.

Funkels geerdete Analysen und seine in der zweiten Liga unvergleichliche Erfahrung sind auch so ein Qualitätsmerkmal. Er war es, der Adam Bodzek und Oliver Fink vom Abstellgleis zurück in den Führerstand beorderte. Seine unmittelbaren Vorgänger hatten nicht mehr bedingungslos auf die arrivierten Profis gesetzt. Wie sehr sich die junge Mannschaft weiterentwickelt hat, zeigte sich zuletzt in den Spielen gegen Dresden und bei den Kickers. Gegen Dynamo hieß es noch 0:3, nur wenige Wochen später 0:0.

An den Zielsetzungen wird sich nichts ändern

Bis zur Winterpause möchte er noch „ein paar Punkte sammeln“, gab der Cheftrainer vor dem Würzburg-Spiel zu Protokoll. Bevor das Fußballjahr 2016 für die Fortuna zu Ende geht, stehen noch zwei Partien auf dem Plan. Am Freitag gastiert der 1. FC Nürnberg in der Arena, eine Woche später reisen die Düsseldorfer zum Aufsteiger FC Erzgebirge Aue. „Ich merke, dass die Mannschaft nach dieser Hinrunde ein bisschen auf dem Zahnfleisch geht. Wir brauchen jeden Funken Kraft für das Spiel gegen den ,Club’“, sagte Funkel.

Dass sein Team mit dem 0:0 in Würzburg einen vereinsinternen Zweitliga-Rekord mit vier Auswärtssiegen am Stück verpasste, dürfte den Trainer nicht enttäuscht haben. Funkel macht sich aus Statistiken in der Regel nicht viel.

Trotzdem lügen Zahlen bekanntlich nicht. Mit 14 Gegentoren stellt die Fortuna die drittbeste Defensive der Liga, zwölf Zähler auf gegnerischen Plätzen bedeuten Rang drei in der aktuellen Auswärtstabelle.

„Wir haben 24 Punkte. Das ist mehr, als wir uns alle erhofft haben.“
Friedhelm Funkel über die bisherige Ausbeute

Über veränderte Zielsetzungen wird angesichts der unerwartet guten Zwischenbilanz aber auch weiterhin niemand reden. Weder Funkel noch seine Profis – auch so ein Qualitätsmerkmal. Immer wieder betonen junge wie erfahrene Spieler, dass angesichts der zurückliegenden drei Jahre jedwede Form von übersteigerten Ambitionen fehl am Platze wäre. Sollten die Spiele gegen Nürnberg und in Aue gewonnen werden, dürften die Fragen und Träume wieder an das Team herangetragen werden. Doch die Antworten dürften dieselben sein.

Es ist beinahe beruhigend zu wissen, dass die Fortuna trotz aller Begeisterung, Stabilität und der bereits so oft nachgewiesenen Qualität auf so vielen Ebenen noch Luft nach oben hat. Stillstand wäre gleichbedeutend mit Rückschritt. Das weiß nicht nur Friedhelm Funkel.

© WhatsBroadcast

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