Michael Liendl freut sich auf die neue Herausforderung bei der Fortuna. Am liebsten spielt der Österreicher als hängende Spitze.

Michael Liendl
$caption

$caption

dpa

Düsseldorf. Berührungsängste hat Michael Liendl nicht. Der inzwischen dritte Österreicher im Kader der Fortuna machte am Freitag im Nachmittagstraining einen selbstbewussten Eindruck. Und auch im Interview nahm der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler kein Blatt vor den Mund.

Herr Liendl, können Sie sich nach dem Wechseltheater schon wieder ganz auf den Sport konzentrieren?

Michael Liendl: Ja, es waren zuletzt stressige Tage, aber es hat eigentlich schon im Trainingslager der Wolfsberger in der Türkei angefangen. Ich bin froh, dass es geklappt hat und erledigt ist. Es war deshalb eine komplizierte Geschichte, weil der WAC mich nicht unbedingt gehen lassen wollte. Ich war wohl ein wichtiger Spieler, und deshalb war es für den Verein nicht einfach. Sie haben probiert, Wege zu finden, aber letztlich hat es ja gepasst.

Was nehmen Sie sich für Ihre Zeit bei Fortuna vor?

Liendl: Ich möchte zum Spielen kommen, meine Leistung abrufen und der Mannschaft helfen. Das Wichtigste ist, dass ich mich gut integriere und dass ich auf meine Einsatzminuten komme.

Am Montag findet das Training der Fortuna ab 10 Uhr im Arena-Sportpark statt. Am Dienstag und am Mittwoch ist das Training ebenfalls für 10 Uhr geplant. Am Donnerstag beginnt die Übungseinheit nachmittags um 15 Uhr.

Kurzfristig soll es auch noch ein Testspiel geben. Noch ist aber offiziell kein Spieltermin und Gegner bekannt gegeben worden.

Was hat Sie an der Fortuna so gereizt?

Liendl: Alles. Das Stadion ist sensationell. Die Mannschaft ist super, die Fans sind es auch. Die ganze Liga ist interessant. Und ich habe geträumt, irgendwann einmal im Ausland zu spielen. Jetzt muss meinerseits der nächste Schritt kommen.

Ist es hilfreich, dass in Christian Gartner und Erwin Hoffer zwei weitere Österreicher im Kader stehen?

Liendl: Das macht die Sache ein wenig leichter, weil man vielleicht so schneller Anschluss findet. Ich schätze mich so ein, dass ich ein relativ netter Mensch bin, und ich sollte mit dem Eingewöhnen keine Probleme haben. Ich kannte sie natürlich. Gegen Jimmy Hoffer und Rapid Wien habe ich früher mit der Austria gespielt.

Was erwarten Sie sich vom deutschen Fußball?

Liendl: Ich bin sehr gespannt. In der 2. Liga ist körperbetontes Spiel angesagt. Da muss ich mich natürlich gegenstemmen. Wenn man sich gut bewegt, hat man immer viel Platz. Das gilt für Österreich genau so wie für die 2. Liga oder die Bundesliga. Es ist schwer einzuschätzen. Zuletzt ist es für mich in den vergangenen anderthalb Jahren sehr gut gelaufen.

Wie und wo sehen Sie Ihre Stärken?

Liendl: In der jüngsten Zeit ist der Torinstinkt hinzugekommen. Mit elf Toren in einem halben Jahr kann ich sehr zufrieden sein. Wenn ich daran anschließen kann, würde es mich freuen, und für die Mannschaft wäre es auch nicht schlecht. Ich gehe gelassen an die Sache ran und mache mir keinen Druck. Wenn ich meine Form halte, kann ich der Mannschaft ganz sicher helfen. Im offensiven Mittelfeld sehe ich meine Rolle, ich habe immer hängende Spitze gespielt. Ich habe auch kein Problem damit, etwas zurückgezogener zu agieren. In der Zentrale ist meine Lieblingsposition.

Sie trafen in der jüngeren Vergangenheit häufig gegen Rapid und damit den ehemaligen Club von Fortuna-Manager Helmut Schulte getroffen. Hat das bei der Verpflichtung geholfen?

Liendl: Anscheinend. Helmut Schulte hat Wolfsberg nicht in so guter Erinnerung. Wir haben kein einziges Spiel gegen Rapid verloren. Und ich habe auch das ein oder andere Mal getroffen.

„Hier in der Arena bin ich schon motiviert, wenn gar keiner drin sitzt.“

Michael Liendl

Was wissen Sie über Düsseldorf?

Liendl: Ich habe nur Positives über die Stadt gehört. Dass sie schön und lebenswert ist. Wenn man neben Fußball noch etwas unternehmen kann, dann ist man in Düsseldorf offensichtlich gut aufgehoben.

Wie würden Sie den eigenen Charakter einschätzen?

Liendl: Ich bin ein Typ, der seinen Spaß braucht. Und wenn dieser Spaß auch in der Mannschaft herrscht, läuft es bei mir. Wenn es passt, kann man auch mal feiern, aber es muss auch passen. Auf dem Platz kann ich dann auch mal lauter werden. Aber auch das muss Sinn machen und sich erst einmal entwickeln.

Der Spaß fehlte der Mannschaft zuletzt. Ist das ein Problem?

Liendl: Natürlich ist es für Fortuna sportlich in der Hinrunde nicht so gelaufen, wie man es sich vorgestellt hat. Aber wir haben ja noch ein halbes Jahr Zeit, und da ist vieles möglich.

Sind Sie mit 28 Jahren ein Spätzünder?

Liendl: Das ist schwer zu sagen. Früher hatte ich vielleicht nicht so das Standing in der Mannschaft. Aber wenn ich mich wohl fühle, läuft es. Ich bin wohl auch an der Verantwortung gewachsen, ich will Verantwortung übernehmen und ein Führungsspieler sein. Dazu muss ich bei Fortuna aber erst einmal Leistung bringen.

Wie schätzen Sie das Fan-Interesse in Düsseldorf ein?

Liendl: In Wolfsberg waren es ein paar Zuschauer weniger. Ich freue mich sehr darauf. Für jeden Fußballer ist es schön, vor 20-, 30- oder 40 000 Zuschauer zu spielen. In Österreich waren es 1000 oder 2000. Hier in der Arena bin ich schon motiviert, wenn gar keiner drin sitzt.

Und die Familie kommt bald nach?

Liendl: Ja, jetzt war zu viel Stress, aber sie sollen und werden mich bald hier unterstützen. Seit der Kleine (Leo, anderthalb Jahre; Anm. der Red.) auf der Welt ist, läuft es nicht nur privat, sondern auch sportlich richtig gut.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer