Die Spieler des Zweitligisten sind enttäuscht, die Fans wettern im Internet gegen das Team, den Trainer und den Vorstand.

FUSSBALL
Ein Bild mit viel Aussagekraft: Die Spieler der Fortuna blicken nach dem 1:3 gegen den VfL Bochum am Montagabend ratlos und enttäuscht umher.

Ein Bild mit viel Aussagekraft: Die Spieler der Fortuna blicken nach dem 1:3 gegen den VfL Bochum am Montagabend ratlos und enttäuscht umher.

Christof Wolff

Ein Bild mit viel Aussagekraft: Die Spieler der Fortuna blicken nach dem 1:3 gegen den VfL Bochum am Montagabend ratlos und enttäuscht umher.

Düsseldorf. Es ist gerade einmal zweieinhalb Wochen her, da schien bei der Fortuna endlich der berühmte Schalter umgelegt worden zu sein. Der 2:1-Sieg beim SC Freiburg gab Spielern und Anhängern neue Hoffnung. Nach dem 1:3 gegen den VfL Bochum am Montagabend ist davon nichts mehr übrig. Der Vorsprung auf den von 1860 München belegten Relegationsplatz beträgt nur noch drei Punkte, unter Trainer Marco Kurz gab es gegen Bochum die dritte Niederlage in fünf Spielen. Die Stimmung ist am Boden.

In den sozialen Netzwerken verschaffen die Fortuna-Fans ihrem Ärger über nur einen Punkt aus den jüngsten drei Spielen Luft. „Schande“, „Flaschen“ und „Absteiger“ sind nur drei Begriffe, die immer wieder zu lesen sind. Auch Trainer Marco Kurz, Sportdirektor Rachid Azzouzi und Interimsvorstand Paul Jäger werden massiv kritisiert.

„Wenn du keine Spiele gewinnst, wird der Druck immer größer“, sagte der Trainer nach der zwölften Niederlage im 24. Saisonspiel und forderte ebenso wie Azzouzi: „Wir müssen den Kopf oben behalten.“ Nun sind es aber vor allem Aussagen wie diese, die die Fans auf die Palme bringen. Auf der Facebook-Seite der Fortuna ist vielfach von „Schönrederei“ und „Verkennung der Lage“ zu lesen.

Trotz der bitteren Niederlagen in München und gegen Bochum wird bei der Fortuna niemand durch die Katakomben der Arena rennen und heulend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Spieler, Trainer oder Sportdirektor werden nicht sagen, dass ein Abstieg die ideale Chance für einen Neuanfang wäre. Ihr Job ist es, alles für das Ziel Klassenerhalt zu geben. Dafür bedienen sie sich aber eben oft bei den üblichen Floskeln, die längst wie Durchhalteparolen klingen.

„Wir sind überzeugt davon, dass unsere Qualität so hoch ist, dass wir die Liga halten“, sagte Kurz am Montagabend. Auch in diesem Aspekt scheinen viele Fortuna-Anhänger längst anderer Meinung zu sein. In ihren Augen hat Azzouzi in der Winterpause alles falsch gemacht, als er kaum nachbesserte, obwohl der Etat das hergegeben hätte. Zudem sprechen sie von „Söldnern, die sich nur um ihre bunten Fußballschuhe und ihr Aussehen kümmern“, anstatt sich für den Verein einzusetzen. Dass es nebenbei zudem immer wieder gegen den Vorstand geht, hat beinahe schon Tradition.

Zuschauerzahlen gehen zurück, Unterstützung gibt es nur wenig

Kritik gibt es darüber hinaus am Verhalten der Mannschaft nach dem Abpfiff. Weder beim Sieg in Freiburg noch bei den Niederlagen zuletzt sei das Team bis in die Fankurve gekommen. Nicht zuletzt deshalb dürfte auch die Stimmung so schlecht sein. Marco Kurz hatte vor einigen Wochen betont, dass der Funke vom Rasen auf die Ränge springen müsste – und nicht umgekehrt. Nun ließe sich darüber diskutieren, ob gerade in Phasen wie der jetzigen mehr Unterstützung von den Tribünen nötig wäre.

Doch die Fans haben die Nase insbesondere aufgrund dieser und der vergangenen Saison absolut voll. Keine Kontinuität im Kader und auf der Trainerbank, das Absägen von Identifikationsfiguren wie Andreas Lambertz und viele Querelen in der Chefetage lassen parallel zum sportlichen Misserfolg die Zuschauerzahlen sinken. Zum ersten Heimspiel dieser Saison kamen noch mehr als 30 000 Menschen in die Arena. Gegen Heidenheim (24 267), Nürnberg (21 854) und Bochum (23 574) waren es im Grunde nur noch die Stammgäste, die den Weg ins Stadion fanden. Schlechtes Wetter und Fernsehübertragungen sind dafür keine Erklärungen.

Das was Fortuna beim Aufstieg und auf der „Abenteuerreise Bundesliga“ ausgezeichnet hat, droht drei Jahre später endgültig einzustürzen. Ein Abstieg in die 3. Liga wäre die symbolische Abrissbirne. Zehn Spiele Zeit sind noch, um dies zu verhindern.

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