Der Zweitligist begeistert gegen den großen Favoriten aus Hamburg trotz knapper Niederlage.

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Ein Bild, das Bände sprach in Durchgang Eins: Der HSV (v.l. Mathijsen und Aogo) hadert. Fortuna jubelt, hier nach dem 1:1 mit Stephan Sieger und Oliver Fink. Ein begeisternder Auftritt des Gastgebers.

Ein Bild, das Bände sprach in Durchgang Eins: Der HSV (v.l. Mathijsen und Aogo) hadert. Fortuna jubelt, hier nach dem 1:1 mit Stephan Sieger und Oliver Fink. Ein begeisternder Auftritt des Gastgebers.

Christof Wolff

Ein Bild, das Bände sprach in Durchgang Eins: Der HSV (v.l. Mathijsen und Aogo) hadert. Fortuna jubelt, hier nach dem 1:1 mit Stephan Sieger und Oliver Fink. Ein begeisternder Auftritt des Gastgebers.

Düsseldorf. Immer mal wieder flippt Wolf Werner aus. Die Appelle an die Düsseldorfer, die Fortuna-Fußballer doch endlich mal in stattlicher Zahl zu unterstützen, nahmen mit dem erreichten Erfolg auch noch zu. Nicht anders vor dem DFB-Pokalspiel des Zweitligisten gegen den Hamburger SV. Es sei ein "Muss", dieses Spiel zu besuchen, hatte Werner vorher gesagt.

Die Vorstellung der Fortunen gab ihm am Montag sogar Recht. Zwar war immer wieder die individuelle Unterlegenheit gegenüber den Bundesliga-Stars zu erkennen, doch die Fortunen erkämpften sich das nötige Glück und begeisterten die 35 400 Zuschauer nicht nur mit der überraschenden Pausenführung durch einen Treffer von Oliver Fink (11.) und ein Eigentor von Jerome Boateng (16.). Mladen Petric hatte den HSV schon nach vier Minuten in Führung geschossen.

Nach dem Wechsel zogen die Hamburger das Tempo an, Trochowski traf per Fernschuss zum Ausgleich (54.), die Gastgeber wussten sich immer häufiger nur mit Halten und Härte zu helfen. Trotzdem gaben die Düsseldorfer auf den Rängen ihr Bestes, blieben durchweg anfeuerungswillig und dürften ihren Spielern geholfen haben, die spielerische Unterlegenheit zu überdecken.

In der Verlängerung legte Melka Pitroipa im Strafraum und hatte noch Glück, dass er nur die Gelbe Karte sah. Trochowski traf zum 2:3 (95.). Als alles schon vorbei schien, machte Lambertz das 3:3. Im Elfmeterschießen vergaben Heidinger und Caillas.

Eine unglückliche Niederlage der Fortunen, in jedem Fall aber beste Werbung für den Saisonstart in der 2. Liga am kommenden Samstag gegen den SC Paderborn (13 Uhr). Mit dem eigentlich recht stattlichen Zuspruch - darunter 4000 Gäste-Fans - war Werner trotzdem nicht zufrieden: "Vielleicht bin ich manchmal etwas anspruchsvoll, aber so ein Spiel hat doch deutlich mehr Zuschauer verdient."

Fortuna: Melka - Weber, Cakir, Anderson, van den Bergh, Fink (55. Lambertz), Sieger, Christ, Caillas, Bulykin, Jovanovic (89. Lawareé).

HSV: Rost - Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo, Trochowski, Tesche, Zé Roberto, Pitroipa, Guerrero (13. Choupo-Moting/72. Jansen), Petric.

Tore: 0:1 Petric (4.), 1:1 Fink (11.), 2:1 Boateng (16., Eigentor), 2:2 Trochowski (54.)

Schiedsrichter: Rafati (Hannover)

Zuschauer: 35 400

"Es ist ärgerlich, im Elfmeterschießen auszuscheiden. Dass ich verschossen habe, lag nicht an der Nervosität. Der Elfer war einfach unheimlich schlecht geschossen. Das ist bitter."
Sebastian Heidinger, Fortuna

"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Wir haben uns in der Abwehr nicht sehr geschickt angestellt. Das waren irgendwie komische Tore. Nach dem 2:3 müssen wir das Spiel nach Hause bringen."
Frank Rost, HSV

"Wir haben den Zuschauern einen tollen Pokalfight gezeigt. Die Mannschaft hat sich gewehrt, auch als die Kräfte nachließen. Etwas schade war, dass wir vor der Halbzeit nicht noch das 3:1 gemacht haben. Ich kann den Jungs nicht böse sein."
Norbert Meier, Fortuna-Trainer

"Die Fortuna war ein sehr starker Gegner. Wir haben nach dem 1:0 die Ordnung verloren. Das war nicht gut. Daran müssen wir noch arbeiten."
Bruno Labbadia, HSV-Trainer

4. Minute:
Petric taucht alleine vor Melka auf, der beherzt rausstürmt und klärt.

5.:
Aogo flankt fast unbedrängt, in der Mitte schiebt Petric zum 1:0 ein, van den Bergh ließ ihn laufen.

6.:
Melka rettet in höchster Not gegen Guerrero.

12.:
Christ schießt einen Freistoß von der Seite flach vors Tor, Oliver Fink spitzelt zum 1:1 ein.

16.:
Christ schickt Caillas in den Strafraum, der schießt Boateng an - 2:1-Führung.

22.:
Melka lenkt einen gefährlichen Demel-Schuss zur Ecke.

35.:
Melka hat Mühe mit Trochowskis 20-Meter-Knaller.

40.:
Rost rettet in höchster Not gegen Christ.

43.:
Jovanovic kann sich die Ecke aus 13 Metern aussuchen - Rost wehrt per Fuß ab.

52. :
Melka lenkt 18-m-Schuss von Ze Roberto über die Latte.

54.:
Trockener Rechts-Schuss aus 16 Metern in den Winkel zum 2:2.

80. :
Demel köpft knapp über die Latte.

95.:
Melka reißt Pitroipa im Strafraum um, sieht nur Gelb - Trochowski trifft per Elfmeter zum 3:2.

104. :
Lambertz zieht aus 20 Metern ab - in Rosts Arme.

116.:
Heidinger hat das 3:3 auf dem Kopf, setzt den Ball nach Weber-Flanke knapp am Tor vorbei.

118.:
Zé Roberto vergibt freistehend vor Melka das 2:4.

119.:
Petric macht’s nach einem Konter auch nicht besser.

120.:
Lambertz tankt sich auf rechts durch. Aogo fälscht seinen Schuss ab. Der Ball senkt sich über Rost ins Netz - 3:3!

Elfmeterschießen:
3:4 Zé Roberto, 4:4 Christ, 4:5 Trochowski, Rost hält gegen Heidinger, 4:6 Mathijsen, Rost hält gegen Caillas, 4:7 Jansen.

Durch die TV-Übertragung habe es mindestens die Bedeutung des letzten Spiels der vergangenen Saison. Nur eins von 32 Duellen in der allerersten Pokal-Runde? Oder bedeutender als die Rückkehr in den "echten" bezahlten Fußball nach rund zehn Jahren? Zumindest stellte sich nach mehr als zehn Jahren "endlich wieder ein Großer" des deutschen Fußballs in Düsseldorf zum Pflichtspiel vor, so Werner.

Doch da irrte sich der 67-Jährige: Vor fünf Jahren war es, am 21. August 2004, ein 1:3 gegen den VfL Bochum am ausverkauften Flinger Broich - am Ende raus mit Applaus. Ähnlich wie am Montag, doch an dieses Spiel dürfte sich Werner länger erinnern.

© WhatsBroadcast

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