Seit Jahren besuchen sich deren Fans. Am Freitag spielen die Clubs erstmals gegeneinander.

Die Fortunen und ihre Freunde aus England. Mittlerweile gibt es gar eine Freundschaftsfahne.
Die Fortunen und ihre Freunde aus England. Mittlerweile gibt es gar eine Freundschaftsfahne.

Die Fortunen und ihre Freunde aus England. Mittlerweile gibt es gar eine Freundschaftsfahne.

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Die Fortunen und ihre Freunde aus England. Mittlerweile gibt es gar eine Freundschaftsfahne.

Düsseldorf. Für Ulli Münsterberg hat der Freitag etwas von einem großen Geburtstagsfest. Während die Gäste eine entspannte Party feiern, wird die eigentliche Hauptperson wohl kaum Luft zum Atmen haben. Zwar hofft der 56-Jährige, dass er das Spiel seiner Fortuna gegen den englischen Fußball-Zweitligisten Ipswich Town „etwas genießen kann“, allzu große Hoffnungen macht er sich aber nicht. Schließlich ist Münsterberg eine Art Sonderbeauftragter der Rot-Weißen, holt die Freunde von der Insel am Flughafen ab und kümmert sich darum, dass es ihnen an nichts fehlt.

Für Münsterberg ist der letzte große Test seines Lieblingsvereins kein normales Vorbereitungsspiel auf die Zweitliga-Saison. Ohne ihn würde es den Vergleich mit den Südengländern nicht geben.

Es war 2004, als der jahrzehntelange Fortuna-Fan über das Fanforum im Internet einen Aufruf startete. „Eigentlich habe ich nur vier Mitfahrer gesucht, um einen Weihnachtsausflug auf die Insel zu machen“, erinnert sich Münsterberg, dem es darum ging, die „gebeutelten Fortuna-Fans“ vom tristen Alltag der dritten und vierten Liga abzulenken. Doch schon nach wenigen Stunden hatten sich mehr als 40 Mitfahrer gemeldet. „Wir mussten das Ganze also größer angehen“, sagt der in Hilden lebende Fan.

Nur wo sollte es hingehen? Das Verhältnis zwischen deutschen und englischen Fußballfans ist ja nicht das einfachste. Außerdem hatte keiner Lust auf die durchkommerzialisierte Premiere League. „Manchester United, Arsenal oder Chelsea haben uns nicht gereizt“, erinnert sich Münsterberg, der sich schließlich für das Drittliga-Spiel Brentford gegen Colchester (1:0) entschied. Und schon hatte die Gruppe der Inselfußball gepackt.

Um die 900 Fortuna-Fans waren über die Jahre in Ipswich

Kaum waren sie zurück in Düsseldorf, sprach sich die Tour rum. Für die nächste hatten sofort 95 Fans zugesagt. Weil eine Fahrt mit einer solch großen Gruppe nicht überall problemlos ist, sahen sich die Düsseldorfer vorher im Internet um, stießen auf Ipswich Town und knüpften erste Kontakte – der Anfang einer Freundschaft.

Der Ipswich Town Football Club, so der offizielle Name, gehört zu den ältesten Fußballvereinen der Welt. 1878 gegründet, bewegt er sich seit Jahrzehnten zwischen der ersten und zweiten Liga in England. Seit 2002 ist der ITFC Zweitligist und scheiterte in der Vorsaison erst in den Play-offs um den Aufstieg in die Premiere League.

 


 Den größten Tag seiner Geschichte feierte der Verein aus der 130 000-Einwohner-Stadt im Südosten der Insel 1962, als er englischer Meister wurde. Ähnlich wie die Fortuna, hatte er seine größte Zeit in den 1970ern und Anfang der 1980er. In dieser Zeit gewann er den FA Cup (1978), wurde zwei Mal Vizemeister (1981 und 1982) und war Stammgast im Europapokal. Höhepunkte waren der Sieg über Real Madrid (1973) sowie der Gewinn des Uefa-Cups (1981). Im Halbfinale hatte er übrigens den 1. FC Köln geschlagen.

 

Vor dem morgigen (18.30 Uhr) Spiel der Fortuna gegen Ipswich gibt es zwei Fanspiele. Um 16 Uhr spielen Fortunen und ITFC-Fans auf dem Nebenplatz gegeneinander, um 17 Uhr spielt eine deutsch-englische Auswahl gegen Fortunas neue Traditionsmannschaft.

 

 Wie die Stadt mitteilt, muss die Nordtribüne des Paul-Janes-Stadions geschlossen bleiben. Die Betonstufen seien aus ungeklärten Gründen in Bewegung geraten. Bereits gekaufte Tickets für die Nordtribüne gelten nun für die Osttribüne. Mehr als 4000 Karten sind verkauft, davon 600 an Fans aus Ipswich

Seit die Fortunen 2006 zum ersten Mal im Stadion an der Portman Road aufschlugen, ist die Tour in der Winterpause zu einem festen Ritual geworden. Knapp 900 Fans hat Münsterberg seit 2006 nach England bewegt. Und dabei geschichtsträchtige Teams wie Leeds United, Sheffield Wednesday und Aston Villa gesehen. Mittlerweile sind die Düsseldorfer dort alte Bekannte und organisieren sogar karitative Aktionen in der Stadt. Das blieb auch den Medien nicht verborgen. Zahlreiche Zeitungen sowie die BBC berichteten über die Fortuna-Fans. 2006 kam der ITFC-Fanclub „Tractor-Boys“ dann zum ersten Mal nach Düsseldorf.

So wurden auch die Vereine auf sich aufmerksam. Jahrelang versuchten Fans beider Seiten, ein Spiel ihrer Clubs zu organisieren. Doch immer kam etwas dazwischen. Jetzt hat es endlich geklappt. Und knapp 600 Fans aus Ipswich werden am Freitag nach Flingern kommen. Nach dem Spiel geht es dann ins Stahlwerk zur Fanparty. Spätestens dann kann wohl auch Ulli Münsterberg den Tag mit seinen beiden Vereinen genießen.

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