Blamage im Niederrhein-Pokal: Fortuna unterliegt RW Essen nach Elfmeterschießen.

Endstation Essen: Michael Melka kann den letzten Elfmeter des Gegners nicht abwehren.
Endstation Essen: Michael Melka kann den letzten Elfmeter des Gegners nicht abwehren.

Endstation Essen: Michael Melka kann den letzten Elfmeter des Gegners nicht abwehren.

Christof Wolff

Endstation Essen: Michael Melka kann den letzten Elfmeter des Gegners nicht abwehren.

Düsseldorf. Michael Melka war stinksauer. Auf dem Platz und nachher in der Kabine und im Bus. Er hatte die 7284 Zuschauer nicht nur mit einer starken Leistung beeindruckt und seine Fortuna mehrfach vor einem (klareren) Rückstand bewahrt. Allein der Torhüter des Fußball-Drittligisten lebte im Spiel auch die Einstellung vor, die man braucht, um im Spitzenfußball zu bestehen.

Und vor allem ihm war es zu verdanken, dass die klassenhöheren Gäste in Essen überhaupt ins Elfmeterschießen gelangten. "Wir hatten ja noch Glück, dass wir nicht vorher schon komplett unter die Räder gekommen sind", sagte Melka.

Schönreden wollte der 30-Jährige die Blamage ganz bestimmt nicht. Das Pokal-Aus seiner Fortuna nach einem 10:11 im Elfmeterschießen beim Regionalligisten Rot-Weiß Essen ist ohne Zweifel ein bitterer Rückschlag. Es ist traurig, dass ein Trainer in der Halbzeit so laut werden muss, damit seine Feldspieler merken, dass sie nicht zum Eislaufen mit Pirouetten drehen auf dem hart gefrorenen Rasen des Georg-Melches-Stadion eingelaufen waren. "Meine Mannschaft wollte sich einfach nicht mit den Platzverhältnissen anfreunden", sagte Fortunas Trainer Norbert Meier.

Der Gegner, dessen Limitiertheit in vielen Situationen deutlich, aber nicht ausgenutzt wurde, kämpfte bis zum Umfallen. Viele Fortunen schienen dagegen auch nach 120Minuten und dem folgenden Elfmeterschießen noch weit weg von ihrer Schmerzgrenze.

Dabei hatte sich schnell die Chance ergeben, sich ideal für das erste Ligaspiel nach der Winterpause am Donnerstag gegen die Stuttgarter Kickers einzuspielen. Denn nach zwei klaren Torgelegenheiten für den Regionalliga-Dritten ging die Fortuna nach dem zweiten guten Angriff durch Ranisav Jovanovic in Führung. Statt diesen Vorteil bei den schwierigen Verhältnissen zu nutzen, übernahmen die Gäste die "Zuschauerrolle".

Maczkowiak - von der Gathen, Zinke, Lorenz, Bührer - Mainka, Aydin, Wunderlich, Harrer (68. Neumayr) - Mölders, Kurth (91. Stiepermann)

Melka - Halet, Palikuca, Langeneke (32. Cakir), Hampel - Cebe, Lambertz, Sieger, Caillas (69. Gaus) - Terodde (102. Christ), Jovanovic

Dirk Margenberg (Wermelskirchen)

0:1 (9.) Jovanovic, 1:1 (31.) Lorenz, 2:1 (38.) Harrer, 2:2 (76.) Gaus

2:3 Christ, Lorenz schießt drüber, 2:4 Jovanovic, 3:4 Wunderlich, 3:5 Cebe, 4:5 Aydin, Maczkowiak hält gegen Palikuca, 5:5 Neumayr, 5:6 Hampel, 6:6 Mölders, 6:7 Sieger, 7:7 Bührer, 7:8 Lambertz, 8:8 Zinke, 8:9 Halet, 9:9 Mainka, 9:10 Gaus, 10:10 Stiepermann, Maczkowiak hält g. Cakir,11:10v.d.Gathen

Diese unerklärliche Zurückhaltung in den Zweikämpfen brachte Melka auf die Palme. Er stürmte immer wieder aus dem Fünf-Meter-Raum heraus, schimpfte mit seinen Kollegen, versuchte sie aufzurütteln. Der Erfolg war bescheiden. Bis zur Pause lag die Fortuna bereits verdient mit 1:2 zurück. Dazu kam das Pech von Jens Langeneke, der nach einer halben Stunde mit einem ausgerenkten Halswirbel ausgewechselt worden war und bangen muss, ob er am Donnerstag wieder fit ist.

Palikuca und Cakir sind die Pechvögel bei der Entscheidung

"Die zweite Hälfte gehörte dann aber ausschließlich uns", sagte Meier. Doch der Fortuna-Trainer sah nur noch den Ausgleich durch den eingewechselten Marcel Gaus eine Viertelstunde vor Schluss. Aber kein Nachsetzen, um den K.o. zu setzen. "Das Elfmeterschießen ist nichts für uns", erklärte der Trainer, der nicht verstand, dass einige Spieler sich vor der Verantwortung scheuten.

"Es geht doch nicht, dass ich die Schützen zum Punkt prügeln muss." Michael Melka musste nur den ersten Elfmeter nicht passieren lassen, Robert Palikuca und Hamza Cakir scheiterten vom Punkt. "Kein Vorwurf an die, die verschossen haben. Vielleicht war unser Glück schon aufgebraucht", sagte der Torhüter der Fortuna, der damit nicht zum Helden werden konnte.

"Es war eine große Chance und ein sicherer Weg, um in die Hauptrunde des DFB-Pokals einzuziehen", erklärte Olivier Caillas, der ebenfalls einen schwarzen Tag hatte. "Dass wir aufsteigen und dann ohnehin im Pokal dabei sind, kann man nach heute außen vor lassen." Ein Schönreden hätte Michael Melka auch nicht zugelassen.

 

Der Fehler des Trainers
(Kommentar von Norbert Krings)

Ein miserabler Platz, die besonderen Gesetze der Pokalspiele, der Gegner als gefühlter Drittligist, der frühe Ausfall des Abwehrchefs, der Dämpfer zur rechten Zeit, und so weiter, und so weiter! Ausreden gäbe es mal wieder genug. Aber davon haben die Fans die Ohren voll.

Es reicht! Die Fortunen sind nicht in der Lage, wichtige Schritte zu machen. Diesmal waren 45Minuten ohne Einstellung der Grund. Trainer Norbert Meier beging den Fehler, den Eindruck zu erwecken, als wäre das Spiel nicht so wichtig. Das Training auf den hart gefrorenen Plätzen hielt er wegen der Verletzungsgefahr für zu riskant.

Falls seine Mannschaft aufsteigt, hat er alles richtig gemacht. Falls nicht, ist der Fortuna möglicherweise erneut eine große Pokal-Einnahme durch die Lappen gegangen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer