Die ehemalige Nummer 2 der Fortuna spielt jetzt für den Aufsteiger in die erste Liga in den Niederlanden. Der 27-Jährige ist in Venlo auch nicht der einzige deutsche Spieler.

Porträt
Lars Unnerstall spielt jetzt bei VV Venlo. Auf unserem Foto beteiligt sich der 27-Jährige am Aufwärmtraining für seinen Kollegen.

Lars Unnerstall spielt jetzt bei VV Venlo. Auf unserem Foto beteiligt sich der 27-Jährige am Aufwärmtraining für seinen Kollegen.

Christof Wolff

Lars Unnerstall spielt jetzt bei VV Venlo. Auf unserem Foto beteiligt sich der 27-Jährige am Aufwärmtraining für seinen Kollegen.

Düsseldorf. Am Montagabend saß er auf der Tribüne in der Arena und fieberte mit den alten Kameraden. Am frühen Mittwochabend ging Lars Unnerstall seiner neuen Tätigkeit nach. Doch im Tor stand der „Lange“, wie sie ihn bei der Fortuna genannt haben, diesmal nicht. In Echt, in der Nähe von Roermond, machte der niederländische Fußball-Erstligist VV Venlo auf seiner Testspiel-Tournee Halt und verlor überraschend 3:4, allerding mit einer B-Elf. Unnerstall ist inzwischen die Nummer 1 beim Aufsteiger in die Eredivisie. In Echt durfte er pausieren, weil er im Testspiel zuvor gegen den spanischen Erstligisten Real San Sebastian eine bärenstarke Leistung gezeigt und ein Gegentor beim 2:0-Erfolg des VVV mehrfach bravourös verhindert hatte.

„Am Wochenende beim letzten Test gegen Nijmegen stehe ich wieder im Tor, bevor es dann ein Woche später mit dem ersten Meisterschaftsspiel gegen Sparta Rotterdam losgeht“, verrät Unnerstall im Gespräch, zu dem er auf der kleinen Anlage des niederländischen Viertligisten ja genug Zeit hat. Zwischendurch stöhnt der 27-Jährige allerdings auf, weil sein Vertreter Delano van Crooij erneut ein unnötiges Tor kassiert hat.

In den nächsten Wochen soll holländisch gebüffelt werden

„Bis jetzt fühle ich mich in Holland sehr wohl. Es passt alles, und es macht richtig Spaß“, sagt Unnerstall und kommt dann zum Wesentlichen. „Und ich bin einfach froh, wieder regelmäßig spielen zu dürfen.“ Zunächst geht es erst einmal darum, dass der deutsche Torhüter hilft, den Traditionsverein mit dem „süßen Stadion“ (Originalton Unnerstall) De Koel mit 87000 Plätzen in der obersten Spielklasse in den Niederlanden zu halten. „Darauf müssen wir konzentrieren und auf nichts anderes.“

Unnerstall ist nicht der einzige Deutsche im Team des Aufsteigers. Lennart Thy (25) kam zur neuen Saison aus Bremen und war dem Ex-Fortune auch kein Unbekannter. Thy erzielte beim 4:0 gegen Unnerstalls Kollege Michael Rensing bei Fortunas Pleite im November 2015 beim FC St. Pauli vier Treffer. Die beiden Deutschen wollen gemeinsam zweimal die Woche die neue Sprache lernen – falls Zeit ist. Und das ist ja immer noch Nils Röseler, der von 2009 bis 2014 in Enschede gespielt hat und alles übersetzt, was Trainer Maurice Steijn erklärt und bei den „Neuen“ von jenseits der Grenze nur bruchstückhaft ankommt.

Wer sich gewundert hat, warum Unnerstall ausgerechnet nach Venlo gewechselt ist, wird die Entscheidung verstehen, wenn dieser dabei anführt, dass er erstens gerne wieder Stammspieler sein wollte und zweitens so eine sportlich reizvolle Aufgabe bei einem Erstligisten gesucht und gefunden hat. Allerdings spielte auch seine familiäre Situation ein Rolle: „Wir können in Meerbusch-Osterath wohnen bleiben. Meine Frau arbeitet in Krefeld und ich fahre nur ein halbes Stündchen“, sagt Unnerstall. „So hatten wir trotz des Vereinswechsels keinen Umzug und konnten sogar Urlaub machen.“

Doch eine Umstellung war der holländische Fußball in jedem Fall. „Hier wird anders gespielt, aber das ist auch auch reizvoll“, sagt Unnerstall. „Mal sehen ob alle Mannschaften so über die Flügel spielen. Ajax Amsterdam und Eindhoven sind sicher auch in der Lage, durch die Mitte zu kombinieren.“ Auf die Spiele gegen diese europäischen Topclubs, zu denen auch Meister Feyenoord Rotterdam zählt, freut sich der VVV-Torhüter be sonders.

Nicht nur fußballerisch hat Unnerstall Unterschiede festgestellt. „Die Holländer sind etwas gelassener in ihrer ganzen Art. Das merkt man nicht nur beim Fußball“, sagt der 27-Jährige. „So ist das sympathisch, viel familiärer und echt schön.“ Das ist kein Nachtreten gegenüber seinem Ex-Verein Fortuna. Das wird auch bei der Verabschiedung deutlich. Fotograf und Reporter aus Düsseldorf sollen in der „Heimat“ unbedingt schöne Grüße für alle Fortunen bestellen.

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