Fortunas gesperrter Abwehrchef Jens Langeneke muss am Freitag zuschauen, wenn die Kollegen in Berlin um Punkte kämpfen.

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Sandor Torghelle macht auf sich aufmerksam.

Sandor Torghelle macht auf sich aufmerksam.

Wolff

Sandor Torghelle macht auf sich aufmerksam.

Düsseldorf. Irgendwann in diesen Tagen wird Jens Langeneke (Foto) diesen ganz bestimmten Punkt erreichen. Wenn die Freude in Frust umschlägt. Wahrscheinlich hat der Abwehrchef der Fortuna diesen Moment schon längst hinter sich: Sein Tor und das 3:0 gegen RW Oberhausen dürften seinen Ärger nicht mehr überdecken. Denn am Freitag bei Union Berlin muss er aussetzen. Fünfte Gelbe Karte der Saison, ein Spiel Sperre.

Üblicherweise erwischt es ihn eher wegen zu harten Einsteigens, so wie bei den vier Verwarnungen zuvor. Die "Diskussionen" auf dem Feld übersteht er meist unbestraft. Dabei nimmt er nie ein Blatt vor den Mund. Wenn es etwas zu sagen gibt, ist Langeneke als stellvertretender Kapitän ganz vorne dabei.

Deshalb war auch bis auf den letzten Sitzplatz in der Arena seine Angst vor der Sperre zu spüren, als er Schiedsrichter Tobias Christ umstimmen wollte. Doch der Unparteiische hatte (zu Recht) kein Einsehen und verwarnte Langeneke, der nach jener Szene im Mittelfeld wie ein Irrwisch laut protestierend aus dem Abwehrzentrum herangelaufen war. "Ich konnte nicht anders, das steckt halt in mir", sagte Langeneke.

Er habe den blutenden Sascha Rösler gesehen, einen Teamkameraden, der von Oberhausens Fabian Hergesell mit dem Ellenbogen getroffen worden war. In dem Moment war Langeneke ganz die Führungsperson, der Platzhirsch, der "Vater der Kompanie". Dieses Engagement, gepaart mit verlässlichen Leistungen machen "Jenson" so unersetzlich für den Fußball-Zweitligisten.

Bekommt Tiago in Berlin eine neue Bewährungschance?

Trotz des Pleiten-Starts gehörte der erfahrene Mann stets zu den besten Spielern, verhinderte durch Zweikampfstärke und sicheres Stellungsspiel noch Schlimmeres. Wer vertritt Langeneke neben dem zuletzt überzeugenden Assani Lukimya in der zentralen Verteidigung? Wird es Claus Costa, der als defensiver Mittelfeldspieler diese Position schon in Testspielen ausfüllte, Kai Schwertfeger oder Tiago, der damit eine erneute Bewährungschance bekommen könnte?

582 Zuschauer wollten am Flinger Broich die Begegnung der Fortuna mit dem 1. FC Köln sehen. Sie erlebten bei beiden Teams den Auftritt einiger ambitionierter Profis. Bei der Fortuna liefen aus der Stammelf nur Jens Langeneke und Marco Christ auf, aber der Erstere ist am Freitag in Berlin gesperrt (siehe Hauptgeschichte) und Christ muss jede Möglichkeit nutzen, um Spielpraxis zu erhalten. Da sich der japanische Testspieler Baba Yato im Training verletzt hatte, stand Tiago unter besonderer Beobachtung. Er ist ein Kandidat, den gesperrten Abwehrchef in Berlin zu ersetzen. Der Brasilianer hinterließ zwar nicht den besten Eindruck, ihm fehlt aber auch die Spielpraxis. Bei seiner Auswechslung (68.) erhielt er aufmunternden Applaus.

Auffälligster Fortune war Sandor Torghelle. Der Ungar erzielte nach Vorarbeit von Marcel Gaus das 1:0 und prüfte den überraschten Kölner Torhüter Faryd Mondragon mit einem Distanzschuss aus 45Metern (35.), wobei der Ball an den Pfosten klatschte. Die Abwehr der Fortuna wurde vom Bundesligisten selten geprüft. Daher fiel das 1:1 (43.) durch Alexandru Ionita nicht unbedingt zwangsläufig. Die zweite Hälfte hatte - bis auf das 2:1 der Kölner durch ein unglückliches Eigentor Ratajczaks kurz vor Ende - nach vielen Wechseln nur bedingten sportlichen Wert.

Ratajczak - Weber (61.Gerding), Tiago (68. Bittner), Langeneke, Heise - Costa (61.Michalsky), Rockenbach (79.Erat), Christ (46. Magos), Dum (46. Maheu) - Gaus (61. Gombarek), Torghelle (46. Wellington)

Mondragon (46. Schwabcke) - Andrezhino, Schorch, Pezzoni (46.Geromel), Ehret (46. Bruchtmann) - Petit (68. Jajalo), Lanig (46.Clemens), Brosinski, Yalcin, Ionita - Terodde (46. Vunjuidica)

Schiedsrichter: Pandurski (Oberhausen)

Zuschauer: 582

Tore: 1:0 (12.) Torghelle, 1:1 (43.) Ionita, 1:2 (86.) Eigentor Ratajczak

Dass "die Null" dann im Stadion an der "Alten Försterei" wirklich stehen kann, daran glaubt kaum einer. Und Jens Langeneke dürfte am Freitag zwischen 18und 19.50 Uhr den Höhepunkt seiner Leidenszeit erreicht haben.

Unvergessen sind die Bilder aus der Aufstiegs-Saison vor rund zwei Jahren: Langeneke fiel kurzfristig verletzt aus, stand beim 5:5 in Braunschweig am Spielfeldrand. Besser gesagt: Er tanzte auf und ab, brüllte lautstarke Kommandos, immer in Höhe der Abwehrreihe, "seiner" Abwehrreihe. Damals hießen die Innenverteidiger übrigens Hamza Cakir und Robert Palikuca. In Berlin wird Langeneke wohl kaum Einlass in den Innenraum bekommen, wenn er überhaupt mitfährt in die Hauptstadt.

Selbst wenn dort eine Überraschung gelingt: Im Auswärtsspiel eine Woche darauf in Bielefeld wird Jens Langeneke wieder in der Start-Elf stehen.

© WhatsBroadcast

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