Aus harten Jahren hat die Führung ihre Lehren gezogen. Am Dienstag könnte das Ziel Bundesliga erreicht werden.

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Finanzvorstand Paul Jäger: „Die breite Unterstützung rührt mich total.“

Finanzvorstand Paul Jäger: „Die breite Unterstützung rührt mich total.“

Vorstandschef Peter Frymuth: „Wir waren bescheiden, jetzt sind wir selbstbewusst bescheiden.“

Ex-Finanzchef Werner Sesterhenn: „Wir setzen allein auf die Mannschaft und nicht auf Stars.“

Aufsichtsratschef Dirk Kall: „Fortuna ist ein Verein und kein Unternehmen.“

Christof Wolff, Bild 1 von 4

Finanzvorstand Paul Jäger: „Die breite Unterstützung rührt mich total.“

Düsseldorf. Kapitän Lumpi Lambertz ist das personifizierte Fortuna-Märchen: Aufstiege von der vierten bis in die erste Liga – natürlich nur, wenn es am Dienstag gegen Hertha klappt. „Auch die zweite Liga ist Erfolg, aber der Aufstieg wäre der Gipfel.“ Das sagt Werner Sesterhenn, als Ex-Finanzchef einer der Haudegen aus der Zeit des Überlebenskampfes des Klubs ab 2002.

Durch das Dasein am Rand des sportlichen und wirtschaftlichen Abgrunds haben alle Verantwortlichen des Klubs eherne Regeln verinnerlicht – die nachhaltigen Erfolg nicht garantieren, ihn aber ermöglichen können:

Erstens: „Wir wollen Erfolg nicht erkaufen, sondern ihn erarbeiten“, sagt Aufsichtsratschef Dirk Kall. Die Losung: keine Schuldenabenteuer mehr für teure Spielereinkäufe, kein wahnwitziger Verkauf von Vereinsrechten.

„Die hätten in Berlin auch vor eine fahrende S-Bahn getreten.“
Werner Sesterhenn über die Entschlossenheit des Teams

Zweitens: „Wir haben in den letzten Jahren die Kultur entwickelt, allein auf die Mannschaft zu setzen“, sagt Sesterhenn. Ein Didi Hamann, bezahlt von den Toten Hosen, streifte sich deswegen doch nicht das Fortuna-Trikot über. Beim Sieg in Berlin war zu sehen, wie das Team kämpfte. „Die hätten auch gegen eine fahrende S-Bahn getreten“, sagt Sesterhenn.

Drittens: „Wir sind ein Verein und kein Unternehmen“, sagt Kall. Sportliche Leitung, Vorstand und Mitarbeiter ziehen an einem Strang und fiebern genauso mit wie die Fans. „Da ist keiner, der mit Fortuna auf die Pauke hauen oder mit dem Verein Geschäfte machen will.“

Wer für heute keine Karte ergattern konnte, hat wieder zahlreiche Möglichkeiten, das Spiel mit anderen Fortunen vor großen Leinwänden zu sehen. So u.a. im Stahlwerk, im Henkel-Saal, in der Bar 95 und im Les Halles.

Viertens: „Wir wissen, wo wir herkommen. Deswegen waren wir zunächst bescheiden und sind jetzt selbstbewusst bescheiden“, sagt Vorstandschef Peter Frymuth. Das kommt bei Sponsoren an, das sehen die anderen Vereine. Als Frymuth beim DFB-Pokalfinale war, zeigten ihm das die Reaktionen der Vertreter von Bundesliga-Klubs. „Die sehen uns keinesfalls als neuen Achtzehnten.“ Dennoch gilt Kalls Satz, „dass wir uns im Fall eines Aufstiegs erst einmal unten anstellen“.

Was alle Fortuna-Manager genießen, ist der breite Rückhalt in der Bevölkerung. „Das rührt mich total“, sagt Finanzvorstand Paul Jäger, der den dritten Fortuna-Aufstieg in die 1. Liga miterleben könnte. „Früher hast Du die Anspannung, vielfach Sorgen, gespürt und bist allein damit durch die Stadt gegangen“, sagt Frymuth, „jetzt hast du eine positive Anspannung – und alle anderen auch.“

„Ich träumte, wir hätten noch 5000 Karten.“
Peter Frymuth, Präsident

Kall und Frymuth folgt die Fortuna sogar in die Träume. „Das bleibt nicht aus“, sagt Kall, „alles ist sehr intensiv. Als nach dem Duisburg-Spiel ,Tage wie diese’ von den Toten Hosen in der Arena lief, kamen mir die Tränen.“ Und Frymuth wurde nachts wach, weil „ich mich da stehen sah und wir plötzlich 5000 Karten zusätzlich hatten.“

Bernd Bremer setzt sich ebenfalls für Fortuna ein. Der Solinger sammelt alles Mögliche zur Historie und hat mittlerweile eine größere Sammlung als das Vereinsarchiv, Er ist jetzt sehr nervös: „Ich kann mich auf nichts mehr konzentrieren. Alle zwei Minute geistert irgendetwas von Fortuna durch meinen Kopf.“

So auch Erinnerungen an das bis dato letzte Bundesligajahr. „Damals war ich 30 und hatte einen eineinhalb Jahre alten Sohn. Jetzt bin ich 45 und habe vier Kinder, die Fortuna noch nie in der Bundesliga gesehen haben.“ Das soll sich ändern: „Es ist die Chance, in 90 Minuten 15 Jahre vergessen zu machen.“

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