Axel Bellinghausen galt als größter Hoffnungsträger. Nun findet er sich auf der Bank wieder, kann mit der Rolle aber gut leben.

Fortuna
Axel Bellinghausen konnte bislang nicht überzeugen.

Axel Bellinghausen konnte bislang nicht überzeugen.

Christof Wolff

Axel Bellinghausen konnte bislang nicht überzeugen.

Düsseldorf. Axel Bellinghausen kann so schnell nichts die Laune verhageln. Nicht seine eigenen eher durchwachsenen Leitungen in den ersten Wochen der Saison – und auch nicht sein aktuelles Reservistendasein bei den Bundesliga-Fußballern der Fortuna. Wer den 29-Jährigen dieser Tage sieht, erlebt aber trotz allem einen fröhlichen Mann.

„Warum auch nicht? Trübsal blasen und traurig durch die Gegend laufen tun schon genügend Leute. Nein, nein, das ist nicht mein Ding“, sagt Bellinghausen und klingt dabei, als meinte er es auch so.

Dabei dürfte auch der gebürtige Siegburger selbst alles andere als zufrieden sein mit den vergangenen Wochen. Nachdem er in den ersten beiden Spielen etwas übermotiviert wirkte und viele Fehler machte, saß er fortan auf der Bank.

Nur beim Heimspiel gegen Freiburg durfte er noch einmal eine halbe Stunde ran, setzte aber erneut nur wenige Akzente. In Stuttgart und Fürth reichte es jeweils nur zu Kurzeinsätzen in der Nachspielzeit. Nun, beim 2:2 gegen Schalke, guckte er erstmals komplett von außen zu.

In seiner Zeit in Kaiserslautern fuhr er als Fan zu Fortuna-Spielen

Dabei galt der vor der Saison aus Augsburg zurück gekommene Bellinghausen als einer der wenigen unter den zahlreichen Neuen, die den Anforderungen der ersten Liga gewachsen schienen. Dazu zählt er zu den Lieblingen der Fans, die ihn noch aus der Oberliga kennen und in der Vergangenheit selbst dann feierten, wenn er mit anderen Vereinen gegen Fortuna spielte.

Geboren17. Mai 1983 in Siegburg

Grösse 1,78 Meter

Position Mittelfeld

Stationen Bayer Leverkusen (1993 bis 1998), Fortuna Düsseldorf (1998 bis 2005), Kaiserslautern (2005 bis 2009), Augsburg (2009 bis 2012), Fortuna Düsseldorf U (Vertrag bis 2015)

Diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. In seiner Zeit in Kaiserslautern fuhr er privat zu Spielen der Fortuna und stellte sich als Fan in den Block. Und auch in Augsburg verlor er die Düsseldorfer nicht aus den Augen, kam hin und wieder vorbei und zeigte das gar auf seinem Nummernschild: A-XL 1895. Der Stammplatz schien also gebucht.

Andere Spieler wie Giefer, Schahin und Lambertz sind im Fokus

Nun, nach sechs Spieltagen, ist die Euphorie um dem „verlorenen Sohn“ etwas abgeklungen. Andere Spieler wie Torhüter Fabian Giefer, Torjäger Dani Schahin oder der ewige Andreas Lambertz sind im Fokus. Für Bellinghausen ist das kein Problem: „Ich laufe deswegen nicht mit dem Strick um den Hals rum.

Das ist absolut legitim, die Jungs machen das perfekt.“ Auch seine Rolle auf der Bank störe ihn nicht: „Ich habe mich nie über irgendetwas gestellt. Das ist nicht meine Art.“ Er sei ein „absoluter Teamplayer“, nur die Mannschaft zähle. Und wenn die eben erfolgreich sei, „freue ich mich genau so, als wenn ich selber auf dem Platz stehen würde“.

Das merkt man ihm an. Nach dem Schalke-Spiel feierte er, als hätte er die beiden Tore erzielt. Doch trotzdem ist Bellinghausen reifer geworden. Er ist nicht mehr der wilde Jungspund aus der Oberligazeit, der am Flinger Broich die linke Seite beackert und schon nach fünf Minuten einen hochroten Kopf hat.

Heute sind ihm auch Entwicklungen neben dem Platz wichtig: „Die Euphorie in der Stadt ist der Wahnsinn. In den Fenstern und Autos hängen Wimpel und Schals. Und auch die Kinder sind da. Früher liefen sie in Trikots anderer Vereine über die Bolzplätze, heute haben sie fast alle Fortuna-Trikots an. Was will man mehr?“

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