Die Düsseldorfer EG hat ein Problem: Der russische Geschäftsmann Mikhail Ponomarev zahlt viel weniger als der Eishockey-Verein erwartet hatte.

Mikhail Ponomarev ist nicht so zahlungsfreudig wie erwartet. Auch beim Fußball-Oberligisten KFC Uerdingen ist er mit von der Partie.
Mikhail Ponomarev ist nicht so zahlungsfreudig wie erwartet. Auch beim Fußball-Oberligisten KFC Uerdingen ist er mit von der Partie.

Mikhail Ponomarev ist nicht so zahlungsfreudig wie erwartet. Auch beim Fußball-Oberligisten KFC Uerdingen ist er mit von der Partie.

Christof Wolff

Mikhail Ponomarev ist nicht so zahlungsfreudig wie erwartet. Auch beim Fußball-Oberligisten KFC Uerdingen ist er mit von der Partie.

Düsseldorf. Mikhail Ponomarev hat mal einen bemerkenswerten Satz gesagt: „Ein russisches Sprichwort warnt: Man darf nicht große Hoffnungen schüren, damit man am Ende nicht enttäuscht ist.“ Mit Hoffnungen kennt sich der Mann, dem 30 Prozent der DEG Eishockey GmbH gehören, aus. Er selbst hat sie seit seinem Einstieg in Düsseldorf immer geschürt. Ponomarevs Ziele: Die Champions League und die Rückkehr zu alten Glanzzeiten.

Zweieinhalb Jahre ist das her. Damals lag die DEG nach dem Ausstieg der Metro am Boden, niemand glaubte an die großen Worte des russischen Geschäftsmanns. Und doch wurden fast alle Ankündigungen erfüllt. Die Frage, die sich nun aber stellt: Welchen Anteil daran hat Ponomarev?

Ponomarev hat bislang rund 500 000 Euro in den Verein gesteckt

Die, die sich bei der DEG gut auskennen, aber dazu ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, formulieren es so: „Anfangs war er sehr wichtig. Er hat Peter Hoberg (der frühere Stahlunternehmer hält ebenfalls 30,8 Prozent, Anm.d.R.) den Eindruck gegeben, dass er einen Menschen an seiner Seite hat, der ihn versteht. Er war ein guter Berater und hat der DEG geholfen. Aber die Zeit ist vorbei.“

Ponomarev nämlich steckt weniger Geld als erwartet in den Verein. Zwar sollen es nach Informationen dieser Zeitung bislang etwa 500 000 Euro gewesen sein, im Vergleich zu Hoberg, der zwei Jahre länger dabei ist und an der zweistelligen Millionenmarke kratzen soll, ist das aber verschwindend. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Ponomarev die gleichen Anteile wie Hoberg hält und sich im Gegensatz zum öffentlichkeitsscheuen Mitgesellschafter gern als Retter der DEG präsentiert. Auch führt Hoberg keine geschäftliche Beziehung zur DEG.

Bei Ponomarev ist das anders. Es war seine Firma Energy Consulting, die vor der Saison als neuer Hauptsponsor vorgestellt wurde. Das war nach zwei Spielzeiten ohne festen Trikotsponsor zwar ein Neuanfang, mehr aber auch nicht. Denn das gesamte Geld ist auch nach Saisonende nicht geflossen, die DEG wartet noch immer auf 153 000 der ausgehandelten 333 000 Euro. Bis heute gibt es nicht mal einen unterschriebenen Vertrag zwischen der DEG und Energy Consulting. Das geht aus Unterlagen hervor, die unserer Zeitung vorliegen. Paul Specht, Geschäftsführer der DEG, sagte allerdings auf Nachfrage: „Es gibt einen Vertrag, und das Geld ist gemäß der vertraglichen Vereinbarungen geflossen.“

So sind die Anteile an der DEG verteilt: Mikhail Ponomarev und Peter Hoberg halten jeweils 30,8 Prozent. 26 Prozent hält der DEG-Stammverein, 12,4 Prozent das Solinger Unternehmen Völkel GmbH, das die Anteile von Brau und Brunnen übernommen hat.

Damit ist aber wohl nur eine mündliche Vereinbarung gemeint. Unterschreiben wollte Ponomarev auch am Mittwoch bei der Gesellschafterversammlung nichts. Zumindest soll er aber eine Zahlung in Aussicht gestellt haben, die Frist endet am 30. April. Specht setzt darauf, andere im Umfeld sind da skeptischer. Dass Ponomarev es mit pünktlichen Zahlungen nicht so genau nimmt, ist nicht neu. Bei Fortuna Düsseldorf, wo er sich vorher mit einem sechsstelligen Betrag engagiert hatte, war es üblich, Mahnungen zu verschicken. Die Fußballer und die Stadt hatten die DEG damals vor dem Russen gewarnt, aber der Eishockeyclub konnte nicht wählerisch sein. Nicht mal jetzt, wo die DEG Anspruch auf das Sponsorengeld von Ponomarev hat, geht der Verein in die Offensive. Den eigenen Gesellschafter zu verklagen, würde sich auch nach dem 30. April wohl niemand trauen.

Die Stadt Düsseldorf ist eng an den Verein gebunden

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) reichte es bereits vor Monaten. Formell hat die Stadt bei dem unabhängigen Sportverein nichts zu melden, informell aber schon: Der Stadt gehören der Rather Dome sowie die Bauten an der Brehmstraße, wo sie die DEG-Teams nahezu kostenlos spielen und trainieren lässt. Hinzu kommen Sponsorenverträge mit Stadttöchtern. Etwa drei Millionen Euro soll die DEG der Stadt schulden. Allein aus der abgelaufenen Saison kamen 750 000 Euro hinzu.

Bislang stundete Geisel dem Verein die Schulden immer, nun scheint es Signale aus dem Rathaus zu geben, dass die DEG erst das „Ponomarev-Problem“ lösen soll, bevor es weiteres Entgegenkommen gibt. Zwischen Stadt und Gesellschafter gibt es auch direkten Knatsch. Ponomarev soll bis heute seine VIP-Loge im Dome nicht bezahlt haben.

Angebot an den Russen: Anteile auf fünf Prozent senken

Geisel ist derweil nicht untätig. Der Oberbürgermeister hat seinen Freund Peter Kluth an die Brehmstraße beordert, um das schleppend funktionierende Marketing anzukurbeln. Kluth ist seit Monaten erfolgreich dabei, über den neuen „Club 2020“ kleinere und mittlere Sponsoren zu gewinnen. Ein mittlerer sechsstelliger Betrag kam dabei bislang herum.

Das reicht aber noch lange nicht, um Profi-Eishockey zu finanzieren. Dafür ist vor allem Peter Hoberg zuständig. Bei der Stadt und der DEG gilt er als der „wahre Held“. Ohne ihn gäbe es kein DEL-Eishockey in Düsseldorf. Hoberg allein zeichnete die Bürgschaften für die vergangenen Jahre bei der DEL. Er ist es, der ständig einspringt, wenn das von Ponomarev versprochene Geld nicht oder verspätet kommt.

Deswegen soll es ein Angebot an den Russen geben, seine Anteile von 30,8 auf fünf Prozent zu senken, um für 25,8 Prozent neue Gesellschafter finden zu können. So hätte die DEG ihre Basis verbreitert – und Ponomarev sein Gesicht gewahrt. Unterschrieben ist bis heute nichts. Die Frage ist, wie lange sich Hoberg das noch leisten will. Und kann. Finden sich nicht bald Geldgeber oder zahlt Ponomarev nicht einen höheren Anteil – wozu er nicht verpflichtet ist –, könnte auch Hoberg die Lust verlieren. Nicht umsonst beschreibt ein Insider die finanzielle Lage gerade als „sehr ernst“.

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