Die DEL präsentiert sich spannend wie lange nicht. Auch wer oben steht, spielt nicht jeden Abend überragend. Das war beim Topspiel der DEG gegen Iserlohn gut zu sehen.

Eishockey
Düsseldorf leidet, Iserlohn jubelt: Am Ende gewinnen die Roosters das Topspiel der Deutschen Eishockey Liga mit 5:3. Eine Spitzenmannschaft sind sie laut Trainer Jari Pasanen trotzdem noch lange nicht.

Düsseldorf leidet, Iserlohn jubelt: Am Ende gewinnen die Roosters das Topspiel der Deutschen Eishockey Liga mit 5:3. Eine Spitzenmannschaft sind sie laut Trainer Jari Pasanen trotzdem noch lange nicht.

dpa

Düsseldorf leidet, Iserlohn jubelt: Am Ende gewinnen die Roosters das Topspiel der Deutschen Eishockey Liga mit 5:3. Eine Spitzenmannschaft sind sie laut Trainer Jari Pasanen trotzdem noch lange nicht.

Düsseldorf. Wer binnen einer Woche zwei Mal auswärts den Tabellenführer stürzt und danach mit einem Spiel in der Hinterhand nur noch zwei Punkte Rückstand hat, der darf sich normalerweise, ohne rot zu werden, als Spitzenteam bezeichnen. Jari Pasanen, Trainer der Iserlohn Roosters, will davon nichts wissen: „Eine Spitzenmannschaft verliert ihre Linie nicht“, sagte der 51-Jährige nach dem 5:3 bei der Düsseldorfer EG. Und ließ sich selbst von der Nachfrage eines Iserlohner Journalisten nicht beirren: „So wie wir im zweiten Drittel gespielt haben, spielt keine Spitzenmannschaft.“

Nun war das unterhaltsame Topspiel der Deutschen Eishockey Liga zwischen dem Tabellenführer und dem Dritten in der Tat ein großes Fehlerfestival. Und das nicht nur vonseiten der maßlos überforderten Schieds- und Linienrichter, die bei zahlreichen Strafen, Abseits- sowie Icing-Entscheidungen daneben lagen.

Auch die beiden Mannschaften, immerhin die größten Überraschungen der Saison, überboten sich in Ungenauigkeiten, haarsträubenden Pässen zum Gegner, übermotivierten Alleingängen und Zuordnungsproblemen in der Defensive. Das sorgte aber wiederum für ein spektakuläres Spiel, in dem die zunächst schwache DEG zwei Rückstände aufholte, nach dem 3:4 Mitte des Schlussdrittels aber nichts mehr zusetzen konnte. „Insgesamt haben beide Mannschaften sehr viele Fehler gemacht. Iserlohn hat sie etwas besser genutzt und ist verdient als Sieger vom Eis gegangen“, sagte DEG-Coach Christof Kreutzer, der sich aus der Spitzenteam-Debatte raushielt.

DEG lebt von ihrem Charakter oder ihren Goalies

Rein tabellarisch ist seine DEG definitiv eins. Doch trotz der aktuellen Erfolgsserie mit zwölf Siegen aus 14 Spielen sah der Trainer in letzter Zeit kaum eine Partie, in der seine Mannschaft über 60 Minuten alles richtig gemacht hatte. Im Gegenteil: Meist gönnte sich die DEG zwischendurch eine Auszeit und gewann nur, weil sie am Ende Charakter bewies und zurückkam oder von ihren Goalies gerettet wurde. „Wir haben hinten zwei Torhüter, bei denen wir auch mal was anbrennen lassen können. Die boxen uns wieder raus“, hatte Verteidiger Bernhard Ebner bereits nach dem 2:1 über Schwenningen gesagt. Und damit deutlich gemacht, wie viel der DEG noch fehlt, um die Gegner Abend für Abend auch spielerisch zu dominieren.

Damit sind die Düsseldorfer in guter Gesellschaft. In dieser Saison kann man auch mit vielen Fehlern oben dabei sein. Kein einziges DEL-Team hat sich bislang als konstanter Topfavorit präsentiert und abgesetzt. Nicht Titelverteidiger Mannheim, der zwar zwischendurch enteilt war, aber durch eine desaströse Pleitenserie abgestürzt ist. Und auch nicht der aktuelle Tabellenführer aus Berlin.

Ganze zwei Punkte trennen die Eisbären (65) nach 34 Spieltagen von den Verfolgern aus Düsseldorf und Iserlohn (je 63). Im Vorjahr hatte Spitzenreiter Mannheim zum selben Zeitpunkt schon 79 Zähler auf dem Konto und bereits zwölf zwischen sich und Platz zwei gebracht. Zum ersten Pre-Play-off-Platz sieben waren es damals 25 Punkte Vorsprung. Berlin hat derzeit nur 13 mehr als der Siebte. Auch nach zwei Dritteln der Saison kann sich also kein Team sicher sein, das Viertelfinale direkt zu erreichen.

So erleben die Fans eine Eishockey-Saison ohne echtes Spitzenteam – aber mit Spannung. An der überstrapazierten Trainer-Phrase, nach der jeder jeden schlagen kann, ist wirklich etwas dran. Und den Fans gefällt es, sie strömen in die Eisstadien wie lange nicht. Mehr als 6400 kommen derzeit im Schnitt. Weit mehr als bei Hand- (4800) oder Basketballern (4300). Fehlende Spitzenteams hin oder her.

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