DEG-Verteidiger Johannes Huß wirkt souverän und abgeklärt – auf und neben dem Eis. Am Freitag geht es für sein Team nach Berlin.

Düsseldorfer EG - Iserlohn Roosters 17.11.2107. Johannes Huߟ (DEG) in Aktion.
Schnell auf den Beinen, gut an der Scheibe: DEG-Verteidiger Johannes Huß.

Schnell auf den Beinen, gut an der Scheibe: DEG-Verteidiger Johannes Huß.

Horstmüller

Schnell auf den Beinen, gut an der Scheibe: DEG-Verteidiger Johannes Huß.

Düsseldorf. Von Enttäuschung oder gar Neid war nichts zu sehen im Gesicht von Johannes Huß. Sicher, für eine Millisekunde dachte wohl auch er, dass der große Moment gekommen sei, dass er gerade sein erstes Tor in der Deutschen Eishockey Liga erzielt hatte. Mit bloßen Auge war ja nicht zu erkennen gewesen, ob sein Handgelenksschuss von der blauen Linie auf dem Weg ins Netz noch abgefälscht worden war. Doch der geschulte Blick auf den Kollegen vor dem Tor brachte schnell Gewissheit: „So wie der Welshi reagiert hat, hab ich gleich gedacht, es war seins“, sagte Huß hinterher in den Katakomben des Rather Domes.

Der Welshi, oder Jeremy Welsh, wie ihn die nennen, die ihn nur außerhalb von Mannschaftsbus oder Kabine erleben, hatte den Puck in der Tat noch mit seinem Schläger berührt. Also wurde ihm, dem bislang so enttäuschenden Stürmer der DEG, der Treffer zum 3:0 beim 3:2-Erfolg am Mittwochabend gegen die Straubing Tigers gutgeschrieben. Und eben nicht Johannes Huß, dem bislang so souverän agierenden Verteidiger desselben Teams.

Enttäuscht sei er deswegen nicht: „Ich freue mich über einen Assist genauso“, sagte Huß und räumte gleich mal mit dem alten Märchen von Mannschaftssportlern auf, nachdem es egal sei, wer die Tore schießt oder vorbereitet. Keine Frage, „der Teamsieg und die drei Punkte für die Tabelle“ stünden im Vordergrund, „aber natürlich sind auch Scorerpunkte für einen selber wichtig, weil es im Endeffekt auch irgendwo ums Geld geht“. Zumindest dann, wenn die nächsten Vertragsverhandlungen anstehen. Wenn auf jede Zahl der persönlichen Statistik geguckt wird.

„Wahnsinn, wie viel ich spielen darf.“

Johannes Huß, Verteidiger der DEG, über seine Einsatzzeiten

Die Zahl, die bei Johannes Huß besonders beeindruckt, ist die 19. So alt ist der gebürtige Tölzer erst, den Niki Mondt an einem späten Mittwochabend vor ein paar Wochen von seinem Dienstwagen aus anrief. Die Verletzungssorgen in der DEG-Defensive hatten sich durch den Ausfall von Alexandre Picard vergrößert. Mondt, der Sportliche Leiter, musste reagieren und zog seine beiden 19-Jährigen, die gerade bei den Kooperationspartnern in den unteren Ligen waren, hoch. „Natürlich können sie gestandene und erfahrene Verteidiger wie Tim Conboy und Alex Picard nicht mal eben vollwertig ersetzen. Wir lassen sie aber dennoch spielen, weil wir an sie glauben“, sagt Geschäftsführer Stefan Adam.

Doch während Nicklas Mannes, das andere Düsseldorfer Abwehrtalent, zuletzt kaum noch Eis sah, hat sich Huß während seiner sieben Einsätze seit Mondts Anruf fast zum Stammspieler entwickelt. „Wahnsinn, wie viel ich spielen darf“, sagt er selbst. Auch am Freitag, wenn die DEG um 19.30 Uhr (WZ-Liveticker) bei den Eisbären Berlin antritt, wird Huß über das Eis flitzen.

Das kann er besonders gut. Schlittschuhläuferisch zählt er bereits zu den Stärksten. Dafür muss er noch „körperlich zulegen und in den Zweikämpfen viel härter sein“, wie er sagt. Es sind die üblichen Defizite eines Teenagers. Nichts, was nicht über Training und Erfahrung in den nächsten Jahren zu beheben sei. Aber was die grundsätzliche Ausbildung auf Kufen und mit dem Stock angeht, da hat Huß nicht viel verpasst.

Das liegt vor allem daran, dass er Teile seiner Lehrjahre in der Nachwuchs-Akademie von Red Bull in Salzburg verbrachte. Auf 12 000 Quadratmetern werden dort 400 Fußball- und Eishockey-Talente gefördert. Selbst Wayne Gretzky, der größte Eishockey-Spieler der Geschichte, soll beeindruckt gewesen sein. Neben dutzenden Trainern, Analysten, Ärzten und Physios gibt es dort sogar Laufbänder, die man mit Schlittschuhen betreten kann. Die Entwicklung jedes Spielers wird mit speziellen Computerprogrammen analysiert.

Huß und seine Teamkollegen erlebten all das aber nicht immer aus der Nähe. Zusätzlich zu der Ausbildung in Österreich wurden sie auf Reisen geschickt, um sich mit den besten Jugendteams der Welt zu messen. „Kanada, USA. Finnland, Schweden, Schweiz – wir waren durchgehend unterwegs, das war eine super Erfahrung, ich habe schöne Städte gesehen“, sagt er und klingt dabei wie einer, der seine Karriere schon hinter sich hat. Dabei fängt die von Johannes Huß gerade erst an.

Nach nur einem Jahr Oberliga ist er jetzt bereit für die DEL

Im Frühjahr des vergangenes Jahres war Schluss mit dem Jugend-Eishockey. Also tat er es seinem alten Kumpel Max Kammerer gleich und unterschrieb bei der DEG. Was für ihn aber erst mal bedeutete, zurück nach Bad Tölz zu gehen, wo er als Jugendspieler zwei Mal Meister geworden war. Nun lief er aber für die Erwachsenen in der 3. Liga auf, wo er mit einer Förderlizenz spielte. Er habe sich „für die Oberliga entschieden, weil der Sprung von der (Jugendliga) DNL in die DEL sehr groß ist“.

Es ist das alte Problem im deutschen Eishockey: Wie macht man aus Talenten DEL-Spieler? Viele brauchen Jahre, um auf das Tempo und die Härte im Profibereich klarzukommen. Einem wie Huß reichte nur ein Jahr in der Oberliga.

Ende des Jahres wird er aber noch mal Jugendspieler sein. Dann steht die B-WM mit der U 20-Nationalmannschaft an. Huß wird dann knapp drei Wochen weg sein. Einerseits freue sich drauf, die WM sei „eine ernste Sache“, aber es sei auch „schade, weil ich gerade viel spiele und es viele Verletzte gibt. Da denkt man sich: Du kannst du dir vielleicht deinen Stammplatz ergattern.“

Huß mag erst 19 sein, aber weiß genau, was er will. Er macht keinen Hehl draus, dass es ihm auch um seine persönliche Karriere geht. Deswegen verließ er mit 15 sein Elternhaus und ging nach Salzburg. Deswegen wechselte er als Jugendspieler vom Sturm in die Verteidigung. „Es gibt so viele gute Stürmer auf der Welt, weil für jeden kleinen Buben das Toreschießen der Höhepunkt ist“, sagte er dem „Münchner Merkur. „Verteidiger werden überall gesucht. Da hat man bessere Karriere-Chancen.“ Bei der DEG freuen sie sich. Nichts kann sie gerade besser gebrauchen als Verteidiger.

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