Die Gesellschafter der DEG verschicken eine Mitteilung zur abgelaufenen Eishockey-Saison. In der kündigen sie an, alles auf den Prüfstand zu stellen, auch die „personelle und inhaltliche sportliche Struktur“. Nicht zuletzt zeigt der Brief: Die Zeit als stille Geldgeber erklären sie für beendet. (1/2)

Trainer Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG steht in der Kritik.
Trainer Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG steht in der Kritik.

Trainer Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG steht in der Kritik.

City-Press

Trainer Christof Kreutzer von der Düsseldorfer EG steht in der Kritik.

Düsseldorf. Es kommt nicht häufig vor, dass sich die Gesellschafter der Düsseldorfer EG öffentlich zu Wort melden. In der Vergangenheit überwiesen sie meist artig ihr Geld, hielten sich sonst aber zurück. Damit ist es nun vorbei. Heute verschickten die Hoberg-Brüder Stephan und Peter, Peter Völkel sowie der Stammverein eine Pressemitteilung zur abgelaufenen Saison der DEG in der Deutschen Eishockey Liga.

In der halten sie „in aller Deutlichkeit“ fest, dass die Spielzeit „in sportlicher Hinsicht für uns alle enttäuschend verlaufen“ ist, da gebe es „nichts zu beschönigen“. Was angesichts der vielen schwachen Auftritte des Teams sowie der verpassten Play-offs keine echte Überraschung darstellt.

Bemerkenswerter ist da schon der Hinweis, dass sie und Geschäftsführer Stefan Adam dabei wären, „die Strukturen innerhalb des sportlichen Bereichs der DEG und die möglichen Ursachen des unbefriedigenden Saisonverlaufes sorgfältig zu analysieren“. Das klingt auf den ersten Blick harmlos und vernünftig. Ebenso wie die Ankündigung, die Bereiche „Scouting, Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung, Athletiktraining, Sommertraining, individuelle Spielerentwicklung, Mentaltraining, Sprachunterricht“ auszubauen. Während andere Vereine für diese Aufgaben einen ganzen Stab an Mitarbeitern haben, blieben diese bei der DEG an Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter hängen. Das gilt auch für Spielerverpflichtungen und Vertragsverhandlungen. Künftig soll diese Aufgaben ein Sportdirektor übernehmen. Für den Rest sollen mindestens zwei weitere Trainer eingestellt werden. Das zusätzliche Geld dafür soll von den Gesellschaftern kommen.

Stephan Hoberg gilt als größter Kritiker der Trainer

Spannend wird es beim folgenden Satz: „Nach endgültiger Auswertung der Handlungsalternativen werden wir jetzt schnellstmöglich Entscheidungen zur künftigen personellen und inhaltlichen sportlichen Struktur der DEG treffen.“ Ein klares Bekenntnis zum aktuellen Trainergespann sieht anders aus. Die DEG könnte also gleich vier neue Coaches suchen. Nach WZ-Informationen sind sich die Gesellschafter derzeit uneins, ob sie mit Kreutzer und Abstreiter weitermachen wollen. Als größter Kritiker der beiden gilt Stephan Hoberg. Auch Peter Völkel soll sich nicht sicher sein, ob Kreutzer und Abstreiter noch die richtigen sind. Viel wird wohl davon abhängen, ob der neue Sportliche Leiter mit den beiden kann.

Trennt sich die DEG wirklich von den beiden, wäre das nicht nur ein gehöriger Imageverlust und würde unter dem Großteil der Fans zu Protesten führen – trotz der unbefriedigenden Saison und dem Anteil der Trainer an deren Verlauf. Gleichzeitig würde eine Entlassung eine Menge Geld kosten. Die Verträge der beiden laufen bis 2019. Und an Geld fehlt es weiterhin. Das geben auch die Gesellschafter zu, die schreiben, dass der „finanzielle Rahmen der DEG limitiert ist und auch noch verschiedene juristische und wirtschaftliche Altlasten abzuarbeiten sind. Nicht jede einzelne Maßnahme, die wir uns wünschen, werden wir vermutlich auch kurzfristig umsetzen können.“

Die Arbeit von Geschäftsführer Stefan Adam bewerten sie trotzdem positiv. „Es konnten – ungeachtet des sportlichen Saisonverlaufes - beachtliche Fortschritte in nahezu allen Bereichen erzielt werden. Hier sind wir auf sehr gutem Wege“, heißt es in dem Schreiben. Was sicherlich für die „weitreichenden Änderungen im administrativen Bereich“ gilt, die die Gesellschafter vor der Saison vom neuen Geschäftsführer verlangt hatten. Immerhin hatte der ehemalige Handball-Manager von seinen beiden Vorgängern und nach dem Sommertheater um Ex-Gesellschafter Mikhail Ponomarev einen Scherbenhaufen geerbt.

Im Sponsoring-Bereich hat Adam keine Erfolge vorzuweisen

Was den Sponsoring-Bereich angeht, hat Adam aber noch keinen einzigen Erfolg verbuchen können. Kein neuer größerer Sponsor, kaum noch Zugänge im „Club 2020“, in dem sich kleinere Unternehmen und solvente Privatpersonen treffen. Dass die DEG vor einigen Wochen verkündete, dass sie auf ihren Trikots künftig für die sportlichen Großereignisse in der Stadt (Tour de France, Tischtennis-WM, Triathlon-EM) wirbt, war ein deutliches Eingeständnis, dass Adam nicht in der Lage war, die Fläche auf dem Trikot zu verkaufen.

Zudem gibt es nach WZ-Informationen einige aktuelle Sponsoren, die ihre Zusammenarbeit mit der DEG über die abgelaufene Saison hinaus überdenken. Weil es für die kommende Saison auch kein Geld mehr von der Stadt geben wird, die die DEG nach dem Aus von Ponomarev mit einem mittleren sechsstelligen Betrag unterstützte, hat der Verein stand jetzt sogar weniger Geld zur Verfügung als in der abgelaufenen Spielzeit. Notwendige Gehaltserhöhungen für Spieler wie Max Kammerer tun ihr übriges.

Der Sommer wird also arbeitsreich für alle Beteiligten. Und fest steht, dass sich an der Brehmstraße etwas geändert hat: Die Gesellschafter halten sich nicht mehr als stille Geldgeber im Hintergrund auf, sondern greifen nun aktiv ins operative Geschäft ein. Das könnte Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter den Job kosten.

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