Will die DEG untere Tabellenregionen verlassen, muss sie am Freitag in Bremerhaven punkten. Aufstiegs-Euphorie beflügelt Gegner.

Eishockey
Christof Kreutzer (oben links) und Tobias Abstreiter sind gespannt auf die „Premiere“ in Bremerhaven.

Christof Kreutzer (oben links) und Tobias Abstreiter sind gespannt auf die „Premiere“ in Bremerhaven.

Häfner

Christof Kreutzer (oben links) und Tobias Abstreiter sind gespannt auf die „Premiere“ in Bremerhaven.

Der 17. April 2006 gilt als dunkler Tag des Bremerhavener Eishockeys. Alles war angerichtet für die große Party an der Nordsee. Ein Sieg gegen Straubing, und die Fischtown Pinguins wären mit ihrem seltsamen Mix aus Deutsch und Englisch in die Deutsche Eishockey Liga aufgestiegen. Doch nach dem 1:2 schien der Traum auf alle Zeiten beendet. Die DEL schloss dann die Tür hinter sich und schaffte den sportlichen Auf- und Abstieg ab. Nun, zehn Jahre danach, ist die 114 000-Einwohner-Stadt im Elbe-Weser-Dreieck plötzlich doch erstklassig. Nicht auf sportlichem Wege, sondern weil der Investor der Hamburg Freezers im Mai den Stecker zog. Die frei gewordene Lizenz haben sie sich in Bremerhaven geschnappt. Seitdem herrscht Aufruhr im Ort, der sportlich so außergewöhnlich für den Norden ist, weil Eishockey dort seit 75 Jahren zur DNA gehört. Fernsehen und überregionale Zeitungen schickten ihre Reporter. Endlich gab es positive Nachrichten aus der hoch verschuldeten Stadt, deren Arbeitslosenquote nach dem Niedergang der Werften mehr als doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt. 40 Prozent der Kinder leben in Armut. Da tut sportliche Erstklassigkeit gut – erst recht, wenn der Erfolg viele Väter hat. Getragen wird der Club von der Stadt, die ihm 2011 eine schicke neue Halle hinstellte, von mehr als 150 großen, kleinen und ganz kleinen Sponsoren und 13 Gesellschaftern. Das reicht dennoch nur für den kleinsten Etat der Liga (vier Millionen Euro). Entsprechend düster sind die Prognosen – auch die eigenen. Manager Alfred Prey nannte den vorletzten Platz als Ziel. Immerhin musste vor der Saison eine neue Mannschaft her. 18 Spieler kamen, kaum einer hatte DEL-Erfahrung, manche verletzten sich gleich. Doch nach vier Spielen steht das Team mit vier Punkten auf Platz zehn. „Da ist gut gearbeitet worden“, lobt Christof Kreutzer und freut sich, dass „der DEL der Standort im Norden erhalten bleibt“. Bremerhaven sei eine Bereicherung: „Da ist Stimmung drin.“

Die DEG wird besonders sehnlich in Bremerhaven erwartet

Freitag Abend (19.30 Uhr) kann sich der Trainer der Düsseldorfer EG selbst ein Bild vom mit 4647 Fans ausverkauften „Hexenkessel“ (Kreutzer) machen, der noch etwas lauter als sonst sein dürfte. Wann immer es zuletzt darum ging, worauf sie sich in der DEL freuten, fiel der Name des achtmaligen Meisters. Die DEG steht dort auch 20 Jahre nach ihrem letzten Titel für ganz großes Eishockey. Entsprechend aufgeputscht dürften die Pinguins ins Spiel gehen. Sie werden nicht das schönste Eishockey spielen, hatte Trainer Thomas Popiesch vor der Saison angekündigt, „aber das härteste, schnellste und aggressivste“. Das war keine leere Drohung. „Die stellen sich nicht hinten rein und warten, die sind sehr aktiv, da hast du nicht viel Raum“, hat DEG-Co-Trainer Tobias Abstreiter beobachtet und fordert von seinen individuell überlegenen Spielern: „Wir müssen kämpferisch dagegenhalten, das Spielerische kommt danach.“ Zuletzt in Mannheim (1:4) hatten es die Düsseldorfer andersrum versucht, fast jeden Zweikampf verloren und „immer den schwierigsten Pass gespielt“ (Abstreiter). Weil danach spielfrei war und die DEG auf Rang 13 abgerutscht ist, sind Punkte in Bremerhaven umso wichtiger. Am Sonntag kommt ja das genaue Gegenteil in den Dome, der Deutsche Meister aus München.

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