Daniel Kreutzer wird bei der DEG Assistent des Sportlichen Leiters Niki Mondt. Er soll sich vor allem um das Scouting kümmern.

Eishockey
Daniel Kreutzer (l.) und Niki Mondt leiten ab September die sportlichen Geschicke der Düsseldorfer EG. Archiv

Daniel Kreutzer (l.) und Niki Mondt leiten ab September die sportlichen Geschicke der Düsseldorfer EG. Archiv

Birgit Häfner

Daniel Kreutzer (l.) und Niki Mondt leiten ab September die sportlichen Geschicke der Düsseldorfer EG. Archiv

Düsseldorf. Mit Urlaub wird es diesen Sommer nichts. „Ein paar Tage Holland“ hätten sie sich letztens gegönnt, sagt Daniel Kreutzer, mehr sei nicht drin. Seine Frau Nadine ist ja „hochschwanger, da können wir nicht fliegen“. Und selbst ohne die bevorstehende Geburt des dritten Kindes ist Freizeit gerade ein seltenes Vergnügen. Denn Kreutzer hat einen neuen Job – beim alten Arbeitgeber.

Dienstagmittag stellte die Düsseldorfer EG ihren langjährigen Kapitän als neuen „Leiter Scouting“ und „Mitglied der Sportlichen Leitung“ vor. Ab September soll der für mindestens drei Jahre an der Seite seines alten Freundes Niki Mondt, 39, arbeiten. Ein „enges Vertrauensverhältnis“ hätten sie, sagt Mondt. „Niki ist der Kopf, ich bin sein engster Vertrauter“, klingt das aus dem Mund von Kreutzer, 38.

Gemeinsam leitet das Duo, das bereits in der Jugend gemeinsam auf dem Eis stand, dann die Geschicke des achtfachen Eishockey-Meisters. Zumindest die sportlichen: den Kader planen, Spieler sichten und verpflichten, Verträge aushandeln, notfalls auch mal einen Trainer entlassen und einen neuen finden.

Die mageren Jahre bei der DEG sollen vorbei sein

Letzteres ist vorerst nicht zu befürchten. In Harold Kreis, 59, hat die DEG gerade erst einen neuen Mann vorgestellt, der dafür sorgen soll, dass es in Düsseldorf nach zwei mageren Jahren bald wieder Play-off-Eishockey zu sehen gibt. Und falls das mit dem neuen Kader wirklich klappt, hätte auch Kreutzer seinen Anteil daran. Er habe bei der Beobachtung der Bewertung potenzieller Zugänge „schon viel mitgewirkt“, sagt Stefan Adam, der Geschäftsführer des Vereins.

Adam war vor und während der vergangenen Saison selbst in die Kritik geraten. Nachdem er Daniels Bruder, den ehemaligen Volkshelden Christof Kreutzer, durch den weder volksnahen noch heldenhaften Mike Pellegrims ersetzt hatte, hieß es, die DEG habe ein Stück ihrer Identität verloren. Der Geschäftsführer, damals kein volles Jahr im Amt, habe ohne Rücksicht auf Gefühle an den schnellen Erfolg gedacht – und als der ausblieb, flog ihm das um die Ohren.

Die DEG setzt mehr denn je auf die Emotionskarte

Adam selbst hat stets bestritten, die gefühlige DEG-Seele bei seinen Personalentscheidungen nicht berücksicht zu haben. Auch Pellegrims hatte ja eine rot-gelbe Vergangenheit. Das gilt erst recht für Niki Mondt, den er als Sportlichen Leiter einstellte.

Trotzdem ist es unverkennbar, dass diesen Sommer mehr denn je auf die Emotionskarte gesetzt wird. Nicht nur Trainer Kreis ist ein Rückkehrer, auch die beiden neuen Topstürmer Ken-André Olimb und Calle Riderwall spielten bereits am Rhein. Mit der Verpflichtung von Daniel Kreutzer für die Geschäftsstelle dürfte Adam die Fans endgültig wieder auf seiner Seite haben.

Dass dessen Geschichte als Sohn der ehemaligen Stadiongastronomen, als Kind der Brehmstraße, als DEG-Rekordspieler und ewiger Topscorer der Deutschen Eishockey Liga eine Rolle bei der Anstellung gespielt hat, daraus macht Adam keinen Hehl: „Wenn man eine sportliche Leitung so besetzt, dass zwei ehemalige Spieler und gebürtige Düsseldorfer den Job übernehmen, ist das vom Grundsatz her nicht verkehrt.“

Man sollte dennoch nicht den Fehler machen, Kreutzers Rolle auf die eines Grüßonkels für die Fans zu reduzieren. Es geht darum, das Ruder herumzureißen. Die Zeiten als Ligakrösus und Dauermeister sind lange vorbei, dennoch kann nur eine gewonnene Play-off-Serie in sechs Jahren nicht der Anspruch sein.

Also hat sich Kreutzer längst an die Arbeit gemacht. Er hat ein Studium in Sportmanagement abgeschlossen und mit einem Programmierer ein spezielles Computerprogramm fürs Scouting aufgebaut. Eine Datenbank über hunderte Eishockey-Spieler weltweit. Es gehe darum, „professioneller zu werden“, sagt Kreutzer. Mit dem großen Portemonnaie auf Einkaufstour zu gehen, ist ja nicht mehr drin. Und allzu viele Fehlgriffe kann sich die DEG auf den Transfermarkt nicht mehr leisten. Dem Geld der Großclubs aus München, Mannheim, Berlin, Nürnberg und Köln will sie ihr neues Wissen entgegensetzen.

Das soll sich aber nicht nur aus Zahlen und Daten speisen. Nichts geht über persönliche Erfahrungen. „Ich habe ein Auge, welche Spieler das Potenzial haben“, ist Kreutzer überzeugt. Wenn die Saison im September losgeht, „werde ich viel unterwegs sein“. Mit Urlaub hat das aber nichts zu tun. Der fällt dieses Jahr aus.

© WhatsBroadcast

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