Für Chambers ist der Kampf gegen Wladimir Klitschko in Düsseldorf die Chance des Lebens.

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„Dieser kleine Mann ist gefährlich“: Wladimir Klitschko (l.) und Eddie Chambers.

„Dieser kleine Mann ist gefährlich“: Wladimir Klitschko (l.) und Eddie Chambers.

Schaller

„Dieser kleine Mann ist gefährlich“: Wladimir Klitschko (l.) und Eddie Chambers.

Düsseldorf. Eddie Chambers sieht nicht furchterregend aus, aber vielleicht ist das Teil seines Plans. Sein dunkler Pullover wird von einem karierten, hellen Kragen gebrochen, sein Bart ist frisch gestutzt, nur die Zahnlücke wirkt vielleicht anrüchig - wenn man denn nach etwas Bösem an diesem Mann aus Philadelphia sucht.

Chambers lächelt viel, manchmal verschämt. Er redet wie einer, der es kann und bedankt sich artig bei Wladimir Klitschko für "diese einmalige Chance": Chambers kämpft am Samstag in der Düsseldorfer Arena gegen Wladimir Klitschko, den Schwergewichtsweltmeister der IBF, der WBO und der IBO (22.15 Uhr/RTL).

Mit einem Sieg wäre der Amerikaner Titelträger dreier Verbände, die Gürtel, die am Montag aufgereiht vor Klitschko platziert sind, wanderten in den Flieger gen Philadelphia. Es ist der Kampf seines Lebens. "Ich will die Welt schocken", sagt Chambers. Und lächelt.

Klitschko hört Eddie Chambers wie versteinert zu

Sein Trainer Rob Murray Senior hatte angekündigt, die Zuschauer dürften sich auf etwas freuen, das sie im Ring noch nie erlebt hätten. Aber auch der alte Mann mit der Schlägermütze, der aussieht wie der Chef eines Gyms aus der Bronx, wirkt rührig, nicht beängstigend.

Und Klitschko? Schweigt. Wie versteinert hört sich der Ukrainer an, wie die Chambers-Fraktion die Geschichte vom armen Eddie entwickelt, der als Kind die Schuhe seiner Mutter tragen musste und sich hochgekämpft hat. Durch das Leben, durch das Boxgeschäft.

43000 Karten sind für den Kampfabend verkauft, 51000 Plätze sind freigegeben. Bis Samstag soll die Arena ausverkauft sein, Tickets gibt es noch (ab 20 Euro).

Die Hermes House Band und Marius Müller-Westernhagen treten im Rahmenprogramm auf, das auch zwei Vorkämpfe umfasst.

Eddie Chambers hat in 36 Kämpfen 35 Mal gewonnen, 18 Mal durch einen Knockout. Nur Alexander Powetkin besiegte ihn. Wladimir Klitschko hat 53 Kämpfe von 56 gewonnen, 47 davon durch Knockout.

Chambers schämt sich ein bisschen für die Worte seines Promoters Rob Murray Junior, aber das ist Teil der Inszenierung. Am Ende wird es trotzdem einen geprügelten Hund im Ring geben, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es Chambers ist.

Auch wenn er das "beste Schwergewicht aus den USA" ist, wie Klitschko findet. Chambers hatte sich die Chance mit seinem Sieg in Hamburg gegen Alexander Dimitrenko aus dem Universum-Boxstall erkämpft.

Klitschko ahnt das Ende von Chambers. Er rührt sich erst, als er an das Mikrofon geht, er steht da wie ein Fels, groß und stark. Auf seinem roten Trainingsanzug steht "Fit und geimpft", was zu diesem Auftritt nicht passt, aber eine der vielen Kampagnen ist, die Klitschko unterstützt.

Wenn er redet, ist er Gentleman, er lächelt jetzt, steht über den Dingen, ohne Arroganz. Selbst wenn er über den Herausforderer sagt: "Dieser kleine Mann kann sehr gefährlich werden." Es ist das Tönendste, was ein Klitschko hervorbringen kann.

Natürlich wird es sein härtester Boxkampf, kommt der gefährlichste Gegner, ist er in der Form seines Lebens, erlebt er seinen Traum, weil er nach dem Auftritt gegen Ruslan Tschagajew auf Schalke das zweite Mal in einem Fußballstadion kämpfen darf. "Ich bin deshalb sehr aufgeregt", sagt Klitschko. Das klingt nicht furchterregend. Aber es sieht bei ihm so aus.

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