Titel-Hattrick in der abgelaufenen Saison mag keine Überraschung sein. Doch die Art und Weise ist sehr bemerkenswert.

Tischtennis
Der Jubel war riesengroß bei der Borussia. Mittendrin ein sehr erleichterter Timo Boll.

Der Jubel war riesengroß bei der Borussia. Mittendrin ein sehr erleichterter Timo Boll.

Andreas Preuß schätzt den Titelgewinn sehr hoch ein. Archiv

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Der Jubel war riesengroß bei der Borussia. Mittendrin ein sehr erleichterter Timo Boll.

Düsseldorf. Mit Meisterschaft und Pokalsieg hat Borussia Düsseldorf die Tischtennis-Saison zu einem guten Ende geführt. Experten würden wahrscheinlich den Begriff „standesgemäß“ verwenden. Doch der erfolgsverwöhnte Rekordmeister musste in dieser Spielzeit so viele Rückschläge wie lange nicht verkraften. Umso erstaunlicher und hoch einzuschätzen ist am Ende der Gewinn des Doubles. „Dieser Titel ist angesichts des Saisonverlaufs vielleicht der am höchsten einzustufende der letzten zehn Jahre. Wir hatten unsere Hochs und Tiefs. Ich bin sehr stolz auf diese Mannschaft“, erklärte Manager Andreas Preuß nach dem Triumph im Play-off-Finale der Bundesliga am Sonntag in Frankfurt gegen Saarbrücken.

Verletzungen und Niederlagen begleiteten die Zeit vom ersten Champions-League-Spiel Mitte August bis kurz vor Ende der Bundesliga-Hauptrunde im März. Sowohl das Eine als auch das Andere gab es in ungewohntem Ausmaß. Doch trotz dreier vermeintlich entscheidenden Rückschläge verlor das Team von Trainer Danny Heister nie den Glauben an sich und die eigene Stärke.

Am 21. September des vergangenen Jahres, nach gerade einmal drei Bundesligaspielen, verkündete Timo Boll, dass er sich einer Knie-Operation unterziehen müsste. Erst am 17. Dezember, beim Champions-League-Spiel in Ostrau, feierte der Spitzenspieler der Düsseldorfer sein Comeback. Den zweiten Tiefschlag kassierte die Borussia am 22. Januar, als nach der 2:3-Niederlage im Rückspiel bei Pontoise Cergy das Aus im Viertelfinale der Königsklasse feststand. Spätestens nach dem 1:3 gegen den direkten Play-off-Platz-Konkurrenten Bergneustadt am 13. März schien lediglich der Pokalsieg unter dem Strich zu bleiben.

Der 66. Titel der Vereinsgeschichte wird im kleinen Kreis gefeiert

Doch rund zwei Wochen später fanden sich Boll und Co. plötzlich in den Play-offs wieder, da Mühlhausen Bergneustadt bezwang und so die benötigte Schützenhilfe am letzten Spieltag leistete. „Einen Kasten Bier schicken wir ihnen nach der Meisterschaft nicht. Das wäre ja Bestechung“, sagte ein mit Bier und Champagner geduschter Preuß am Sonntag in Frankfurt. „Aber wir wollen und werden uns noch einmal bei Mühlhausen bedanken.“

Der wettbewerbsübergreifend 66. Titel der Vereinsgeschichte, mit dem die Borussia wieder den großen FC Bayern München überholte, wurde am Sonntagabend in Hessen im kleinen Kreis gefeiert. Dabei standen mit Sicherheit vor allem die scheidenden Spieler Panagiotis Gionis und Patrick Franziska im Mittelpunkt. Letzterer kam gegen seinen neuen Arbeitgeber im Finale nicht zum Einsatz, nahm dies aber äußerst sportlich: „Ich habe es ein wenig geahnt. Aber für das Team muss man seine eigenen Ansprüche zurückstellen. Wichtig ist, dass wir am Ende den Pott geholt haben.“

Als die ersten Feierlichkeiten in der Fraport Arena passé waren, erklärte Danny Heister anhand einer Geschichte noch einmal, wie viel Verletzungspech an der Borussia in den vergangenen zehn Monaten klebte. „Unser Physiotherapeut, Ole Nauert, ist vor einem Jahr Vater geworden. Das Geschenk für das Kind wollten wir ihm alle gemeinsam überreichen. Am Tag vor dem Finale haben wir es ihm endlich geben können. Wir waren eigentlich nie komplett. Ich meine, das Kind geht jetzt fast in die Schule. . . “, sagte der Niederländer und hatte damit auch die Lacher der unterlegenen Saarländer auf seiner Seite.

Die Kunst, in der entscheidenden Phase, den Play-offs, in guter Form zu sein, ist etwas, dass die Borussia bereits in der Vergangenheit stark gemacht hat. Das mag im Jahr 2016 angesichts der immer besser werdenden nationalen Konkurrenz auch nötig gewesen sein. Andere würden es vielleicht „standesgemäß“ nennen.

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