Rheinufer: Der Tüv hielt die Steine des Spielplatzes an der Reuterkaserne für gefährlich, die Verwaltung schloss den Platz. Die Politik wusste von nichts und ist empört.

wza_1500x1008_493230.jpeg
Die Reste des Spielplatzes an der Rheinuferpromenade: Holzskulptur und Wasserhahn.

Die Reste des Spielplatzes an der Rheinuferpromenade: Holzskulptur und Wasserhahn.

Stefan Arend

Die Reste des Spielplatzes an der Rheinuferpromenade: Holzskulptur und Wasserhahn.

Düsseldorf. "Spielbereich. Bitte keine Hunde!" So steht es auf einem Steintäfelchen an der Reuterkaserne. "Bitte keine Kinder - das wäre die bessere Formulierung", sagt eine junge Mutter, die mit ihrem Söhnchen am Rhein spazieren geht. "Oder würden Sie Ihr Kind dort spielen lassen?"

Wahrscheinlich nicht, denn der so genannte Spielbereich sieht alles andere als einladend aus. Glasscherben, Plastik und Kronkorken liegen auf der Wiese. Wer sich dort niederlässt, will garantiert nicht spielen, sondern vermutlich Flaschenbier trinken oder Joints rauchen.

"Genau das ist doch das Problem", sagt Gisela Gehlen, die seit 30 Jahren in der Nähe lebt. "Kinder kommen schon lange nicht mehr her, nur Jugendliche, die alles einsauen." Die Stadt hat auf solche Anwohnerbeschwerden reagiert und jetzt begonnen, aus dem Spielplatz eine Rasenfläche zu machen. Die großen Findlinge, die eine Freifläche eingrenzen, hat das Gartenamt schon eingelagert, der Hahn für den Wasserspielplatz ist längst abgedreht.

Und alles ohne Wissen der zuständigen Bezirksvertretung 1 (Stadtmitte). Die war am Freitag bei ihrer Sitzung reichlich empört.

"Die Bezirksvertretung hätte einbezogen werden müssen"

"Die Vorgehensweise der Verwaltung war absolut nicht korrekt", wetterte Bezirksvorsteherin Sabine Schmidt, "man hätte uns einbeziehen müssen." Inhaltlich habe sie aber nichts gegen die Maßnahme: Der Spielplatz sei nie ein richtiger gewesen, die Eltern hätten damals keine Spielgeräte gewollt, damit die Kinder kreativ sein können. Außerdem hätten sich Anwohner über Dosen, Flaschen und sonstigen Müll auf der Fläche beschwert. Schließlich sorgte ein Tüv-Gutachten für den Abbau der Steine - an ihnen hätten sich Kinder verletzen können. Über Ostern ließ das Amt für Verkehrsmanagement die Findlinge entfernen. Die Bezirksvertretung beschloss, die Arbeiten stoppen zu lassen und einen Ortstermin zu vereinbaren.

Erich Waaser, der Erbauer des Rheinufertunnels, kann das alles nicht fassen. 1993 wurde der Verkehr am Rhein in die Tiefe gelegt, 1995 Promenade und Spielplatz eingeweiht. "Das ist eine Bankrotterklärung", wettert Waaser, "weil man das Problem nicht in den Griff bekommt, wird das, worum es eigentlich geht, weggeräumt. Das ist Tabula rasa."

Tatsächlich war damals der Aufwand groß: Mit dem Kinderanwalt Till Eulenspiegel wurde der Spielplatz entworfen, die zu seinem Schutz aufgestellten Steine entstammen der Düsseldorfer Festung und dem Stadtschloss - allesamt bei den Bauarbeiten des Rheinufertunnels gefunden. Das aus einem Baum geschnitzte Kanu hat die Holzbildhauerklasse der Kunstakademie gefertigt. "Ich bin erschüttert", sagt Waaser, "wie man nun mit dem Platz und den Kindern aus der Altstadt umgeht. Sollen die jetzt dauerhaft zwischen Bierfässern spielen?"

© WhatsBroadcast

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer